Ärzte Zeitung, 11.06.2013
 

Wirtschaftlichkeitsprüfung

KV Bayerns sieht krassen Fehler im Prüfsystem

KV Bayerns sieht krassen Fehler im Prüfsystem

Vertreterversammlung fordert Kassen auf, schnellstmöglich gerechtere Prüfsystematik einzuführen.

MÜNCHEN. Die Krankenkassen sollen die Wirtschaftlichkeitsprüfungen bei Arznei- und Heilmitteln auf der Basis von Durchschnittswerten der Fachgruppe "sofort" einstellen, fordert die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB).

Die derzeit geltende Prüfsystematik vergleiche nicht Vergleichbares miteinander. Dadurch würden vor allem Versorgerpraxen benachteiligt, hieß es bei der Vertreterversammlung.

Denn bei den Prüfungen würden Praxen, die die gesamte Versorgung ihrer Patienten mit Arznei- und Heilmitteln sicherstellen, auch mit Praxen verglichen, die nur einen geringen Prozentsatz der erforderlichen Verordnungen ausstellen.

Die Patienten dieser Praxen bekämen einen erheblichen Teil ihrer Medikamente von anderen Praxen.

"Allein aufgrund dieses systematischen Fehlers gelangen im Wesentlichen die Praxen in die Prüfung, die die gesamte medikamentöse Versorgung ihrer Praxen schultern", begründete der KVB-Vorstand den Vorstoß.

Außerdem berücksichtige die Prüfsystematik weder die Morbidität der Patientenstruktur noch die Versorgungsbreite der jeweiligen Praxis. Somit stelle der Fachgruppendurchschnitt nicht mehr das Maß einer wirtschaftlichen Verordnungsweise dar.

Vom reinen Fachgruppenschnitt absehen

Mit großer Mehrheit forderten die Delegierten die Krankenkassen auf, schnellstmöglich einer neue Prüfvereinbarung mit einer gerechteren Prüfsystematik zuzustimmen.

Zum Hintergrund: Bereits im Juli 2011 hatte die KVB die Prüfvereinbarung gekündigt, aufgrund einer aufsichtsrechtlichen Klarstellung wirkt diese jedoch fort.

"Für Prüfärzte ist es eine Zumutung, weiterhin nach falschen und ungerechten Kriterien ihre Kollegen prüfen zu müssen", erklärte dazu die Vorsitzende der Vertreterversammlung Dr. Petra Reis-Berkowicz.

Angesichts dessen forderten die Delegierten nun die Prüfärzte auf, bei den Prüfverfahren als Akt der Solidarität mit betroffenen Kollegen engagiert darauf hinzuwirken, dass den Problemen der Versorgerpraxen angemessen Rechnung getragen wird.

Sollte sich im Laufe einer Prüfung zeigen, dass eine rein statistische Betrachtung unzutreffend ist, sollte von einer Prüfung allein auf der Grundlage von Fachgruppendurchschnitten abgesehen werden, empfahl die Vertreterversammlung. (sto)

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