Ärzte Zeitung online, 24.05.2017
 

Berlin

Mit Richtgrößen hat man sich längst arrangiert

Ein neues Zeitalter ohne Richtgrößenprüfung ist in Berlin noch nicht angebrochen. Eine nennenswerte Bedrohung scheinen die meisten Hauptstadt-Ärzte in dieser Art der Verordnungssteuerung aber ohnehin nicht zu sehen.

Von Julia Frisch

Mit Richtgrößen hat man sich längst arrangiert

Für die Hauptstadt-Ärzte sind Richtgrößen noch lange nicht gegessen. Sie haben aber auch keine Probleme damit.

© Carmen Steiner / Fotolia.com

BERLIN. In der Hauptstadt ist offenbar das eingetreten, was Abrechnungsexperten und Medizinrechtsanwälte immer wieder sagen: Jahre nach Einführung der Richtgrößen haben sich die Vertragsärzte mit den Vorgaben längst gut arrangiert. Zum Beweis verweisen sie auf die Ärzte und Praxen, die in den Fokus der Prüfstellen geraten – die Anzahl ist in manchen KVen verschwindend gering.

Knapp 6500 Vertragsarzt-Praxen gibt es in Berlin. 207 von ihnen wurden laut KV-"Verordnungs-News" vom März dieses Jahres im Rahmen der Richtgrößenprüfung für das Jahr 2014 um eine Stellungnahme gebeten. 63 von ihnen waren wegen auffälligen Verordnungsverhaltens im Arzneimittelbereich, 144 im Heilmittelbereich ins Visier der Prüfstelle geraten.

Zwölfmal Beratung vor Regress

Da die meisten Praxen jedoch die Richtgrößen nicht um mehr als 15 Prozent überschritten (53 bei Arzneimitteln, 108 bei Heilmitteln), wurden gegen sie keine Maßnahmen verhängt. In sieben Fällen wurde das Prüfverfahren sogar eingestellt. 12 Praxen kamen in den Genuss der Regelung "Beratung vor Regress". Weitere 20 Praxen wurden ebenfalls nur beraten, da ihre Richtgrößenüberschreitung zwischen 15 und 25 Prozent lag. Letztendlich wurde nur gegen drei Praxen (einmal wegen Arzneimittelverordnung, zweimal wegen Heilmittelverordnungen) ein Regress verhängt.

Zum Vergleich: 2012 gerieten noch 648 Praxen bei der Arzneimittel-Richtgrößenprüfung in die sogenannte Vorabprüfung, 110 von ihnen wurden dann in die eigentliche Prüfung einbezogen. Ergebnis: 43 Praxen wurden mit "Maßnahmen" (Beratungen oder Regresse) belegt. Bei den Heilmitteln gerieten 761 Praxen in die sogenannte Vorabprüfung. Am Ende wurde gegen 20 eine Beratung oder ein Regress angeordnet.

Dennoch verfolgt die Kassenärztliche Vereinigung Berlin – wie die meisten anderen KVen auch – das Ziel, die Richtgrößen durch eine regionale Prüfvereinbarung mit den Krankenkassen abzulösen. Für dieses Jahr gelang das deshalb noch nicht, weil sich den Angaben der KV zufolge die Krankenkassenverbände "dagegen entschieden haben". "Der Vorstand wird alles daran setzen, baldmöglichst Verhandlungen mit den Kassen aufzunehmen, um im Interesse der Berliner Ärzte und der Versorgung der Berliner Patienten zu einem besseren Ergebnis zu kommen", lässt die KV verlauten.

Das haben Sie gelesen 26. April: Hamburg – Quoten werden 2018 ernst

3. Mai: Westfalen-Lippe – Probelauf mit Leitsubstanzen.

10. Mai: Schleswig-Holstein –

Wirtschaftlichkeit in Relation zumSchweregrad der Krankheit

17. Mai: Niedersachsen – Regresslatte hoch gelegt

Lesen Sie am 31. Mai: In Bremen wird die Wirtschaftlichkeit quartalsweise geprüft

Weitere Beiträge zur Serie:
"Prüfvereinbarungen"

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text