Ärzte Zeitung, 10.05.2016

Pharmamarkt

Ist die digitale Karte der Trumpf?

Im Buhlen um Ärzte geht es im internationalen Pharmamarkt um Digitalisierung, so eine aktuelle Studie.

MÜNCHEN/ZÜRICH. Venture-Capital-Fonds und Hightech-Konzerne heizen den Wettlauf im milliardenschweren Pharmamarkt weiter an. Noch aber fehlt es an klaren Strategien. Für die Pharmaunternehmen ist es an der Zeit, sich ernsthaft mit der digitalen Revolution auseinanderzusetzen.

Das geht aus der aktuellen Studie "Getting the dose right: A digital prescription for the pharma industry" der internationalen Managementberatung Bain & Company hervor.

Immer mehr Pharmakonzerne gehen demnach in die Offensive und reagieren damit auf die hohe digitale Affinität ihrer Kunden. So würden in den nächsten zwei Jahren bereits 93 Prozent aller Ärzte in den USA elektronische Patientenakten nutzen, 97 Prozent würden Zugang zu elektronischen Behandlungsprotokollen haben.

Daher kooperierten immer mehr Pharmaunternehmen mit Firmen, die Daten aggregieren und analysieren, mit digitalen Start-ups sowie mit Versicherungen und anderen Dienstleistern in der Gesundheitsindustrie.

"Pharmakonzerne, die es schaffen, ihre Digitalstrategien mit den neuen Partnern effizient zu koordinieren, können die Zukunft der Branche mitgestalten", betont Michael Kunst, Partner bei Bain & Company und Leiter der Praxisgruppe Healthcare in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika.

Meist verliefen sich die Digitalisierungsversuche in einer Vielzahl von Einzelmaßnahmen. Ein weltweit tätiger Pharmakonzern habe beispielsweise mehr als 200 Digitalprojekte gestartet und 2000 Websites gehostet - eine Abstimmung oder Koordination der Initiativen habe indes nicht stattgefunden.

Für die Pharmaindustrie sind nach Ansicht von Bain zwei Themen besonders wichtig: die Analyse großer Mengen von Real-World-Daten und eine positive digitale Kundenerfahrung. Unternehmen, denen es gelinge, Real-World-Daten entlang der Wertschöpfungskette einzusetzen, würden mit hohen Renditen belohnt.

Jeder der Top-10-Pharmakonzerne könne auf diese Weise jährlich Werte von bis zu einer Milliarde US-Dollar generieren, stellt der US-Informationsdienstleister IMS Health fest.

Zweite zentrale Thematik sei die positive digitale Kundenerfahrung. Schon heute informierten sich Ärzte über Produkte weitaus häufiger im Internet als bei Pharmareferenten. Omnikanal-Strategien und personalisiertes Marketing würden helfen, individuelles Kundenverhalten besser zu verstehen. So könnten den Kunden die richtigen Angebote auf dem bevorzugten Kanal unterbreitet werden, etwa durch den Aufbau einer Online-Community für bestimmte Patientengruppen. (maw)

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