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Medikation

Das sind die häufigsten Fehler bei Hausarzt-Patienten

Überdosierung und Verwechslungen: Was geht bei der Arzneimittelgabe besonders oft schief? Daten von Hausarztkollegen aus der Schweiz zeigen Tendenzen.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht:
Besonders häufig wurden Medikationsfehlern bei Menschen höheren Alters gemeldet.

Besonders häufig wurden Medikationsfehlern bei Menschen höheren Alters gemeldet.

© Alexander Raths / Getty Images /

ZÜRICH. Im Jahr 2015 beteiligten sich 180 Hausärzte der Fachrichtungen Allgemeine/Innere Medizin (n = 148) und Pädiatrie (n = 32) am Schweizer Meldesystem Swiss Sentinel Surveillance Network.

Sie berichteten insgesamt 197 Zwischenfälle bei der Pharmakotherapie, denen ein Behandlungsfehler zugrunde lag (BMJ Open 2017; 7:e013658).

Nur drei dieser "Incidents" wurden von Pädiatern gemeldet. Laut einem Fragebogen, den die beteiligten Ärzte am Jahresende ausfüllten, wurde etwa einer von drei Zwischenfällen nicht gemeldet.

Das berücksichtigend hatten die Allgemeinärzte/Internisten 2,07 und die Pädiater 0,15 Zwischenfälle pro Jahr, das entsprach 46,5 beziehungsweise 2,8 pro 100.000 Patientenkontakte.

Fehlerhafte Dosierungen sind häufig

Die häufigsten Meldungen bezogen sich auf fehlerhafte Dosierungen (meist zu hoch), bei den Pädiatern handelte es sich ausschließlich darum. An zweiter Stelle stand die Anwendung nicht indizierter Medikamente; dieser Fehler war öfters durch Verwechslung der Tabletten bei Pflegeheimpatienten verursacht.

Außerdem gab es mehrere Fälle, in denen notwendige Arzneien nicht angewendet wurden, wenn etwa nach einer Operation vergessen wurde, die Antikoagulation wieder aufzunehmen.

Nahezu alle Fehler ereigneten sich mit oralen Medikamenten, nur in einem Fall war Insulin und in drei Fällen waren Impfungen (Verwechslung und eine Impfdosis zu wenig beziehungsweise zu viel) fehlerhaft gegeben worden.

Arzt als Verursacher

Unter den falsch applizierten Medikamenten standen, entsprechend ihrer Verordnungshäufigkeit, die ATC-Gruppen C ("cardiovascular", 23 Prozent) und N ("nervous system", 22 Prozent) ganz vorn. Überproportional häufig wurden Fehler aus der ATC-Gruppe B ("blood and blood forming organs", 12 Prozent) mit oralen Antikoagulanzien berichtet.

Die Medikationsfehler waren in keinem Fall tödlich. Bei 11,7 Prozent beziehungsweise 5,3 Prozent der Patienten führten sie zu mittelschweren beziehungsweise schwerwiegenden Problemen, bei 3,5 Prozent wurde deswegen eine stationäre Behandlung nötig.

Bei etwas über der Hälfte der Patienten blieb der Fehler folgenlos. Verursacher der Fehlbehandlung war in jedem fünften Fall der berichtende Arzt, aber auch Arzthelfer, Pflegeheime und Krankenhäuser wurden häufig genannt.

58 Prozent beziehungsweise zehn Prozent der Vorkommnisse wurden als wahrscheinlich beziehungsweise sicher vermeidbar eingestuft. Häufig kam es zu Medikationsfehlern bei älteren Personen, Pflegebedürftigkeit, mehreren chronischen Erkrankungen und Polypharmazie. Psychiatrische Erkrankungen waren Hauptrisikofaktor für schwere Zwischenfälle.

Die Studienautoren um Dr. Markus Gnädinger von der Uni Zürich weisen darauf hin, dass sie wohl ein verzerrtes Bild abgeben, weil Zwischenfälle nicht oder nur selektiv gemeldet oder nicht entdeckt wurden. Die Ergebnisse zeigten aber, dass solche Fehler in der Hausarztpraxis häufig seien und – bei aller Vielfalt der Ursachen –mit Kommunikationsproblemen zusammenhingen.

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