Ärzte Zeitung online, 04.12.2017
 

Führerschein im Alter

Mobile Senioren – eine Aufgabe für Ärzte

Vorstößen, für Senioren obligatorische Gesundheits-Checks zum Nachweis der Fahrtauglichkeit einzuführen, erteilen Geriater eine klare Absage.

Von Matthias Wallenfels

MÜNCHEN. Dürfen ältere Menschen nicht mehr hinters Steuer, so droht ihnen der Verlust von Autonomie und Selbstbewusstsein, warnt die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG). Mit dem Hinweis auf diesen Sachverhalt erteilt sie den immer wieder in die öffentliche Diskussion gebrachten Vorschlägen eine kategorische Absage, obligatorische Gesundheits-Checks für Senioren – zum Beispiel beim Hausarzt – einzuführen, um die weiter bestehende Fahrtauglichkeit nachzuweisen.

Die DGG leugnet nicht den Handlungsbedarf, der sich angesichts des Demografiewandels und des statistisch gesehen relativ höheren Unfallgeschehens von Senioren gegenüber jüngeren Menschen ergibt. Sie sieht aber keine Behörden, sondern die Ärzte in der Pflicht. "Die Mobilität älterer Menschen und somit auch die Fahrtauglichkeit ist eine Aufgabe, der sich Mediziner stellen müssen", postuliert Dr. Dirk Wolter, Chefarzt der Abteilung Gerontopsychiatrie an der LVR-Klinik Bonn und DGG-Fahrtauglichkeitsexperte. Er plädiert für ein koordiniertes Vorgehen von Hausärzten und Geriatern, um die Mobilität der Senioren solange wie möglich aufrechtzuerhalten.

"Für diese speziellen Fälle sind Geriater ausgebildet und kennen die Bedürfnisse älterer, oft mehrfach erkrankter Patienten ganz genau", so Wolter.

"Um wirklich einen Beitrag zur Sicherheit im Straßenverkehr zu leisten, sind gerade im Alter regelmäßige und vor allem individuelle Gesundheitschecks unumgänglich", mahnt Wolter. Denn schon der Sehtest für einen Senioren beispielsweise müsse anders gestaltet sein als einer für jüngere Verkehrsteilnehmer. Regelmäßige Gesundheits-Checks könne beispielsweise der Hausarzt verantworten. "Hausärzte könnten umfassend beraten und intensiv aufklären, wenn es Probleme gibt", schlägt Chefarzt Wolter vor. Das gelte vor allem für die Medikamentenversorgung. Zahlreiche Autofahrer über 65 Jahre nähmen Medikamente ein, die müde machen oder den Blutdruck senken – und somit die Fahrtüchtigkeit einschränken können.

Wolter wendet sich in einer Mitteilung der DGG an ältere Autofahrer und rät ihnen zum offensiven Umgang mit dem sensiblen Thema Führerschein. "Sprechen Sie das Thema der Fahrtauglichkeit bei Ihrem Arzt unbedingt an!", lautet sein Appell.

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