Ärzte Zeitung online, 13.09.2018

Halbjahres-Statistik

Arzneimittelumsatz legt in Kliniken um 15 Prozent zu

Vor allem im Klinikmarkt wächst der Umsatz mit Arzneimitteln dynamisch: im ersten Halbjahr 2018 zweistellig. Wenige Arzneimittelgruppen sind dabei die Wachstumstreiber, etwa Krebstherapeutika.

Von Helmut Laschet

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In Kliniken legen die Arzneimittelausgaben derzeit besonders kräftig zu.

© Birgit R. / panthermedia.net

BERLIN. Der Umsatz auf dem gesamten Arzneimittelmarkt in Deutschland – Apotheken und Kliniken – hat sich im ersten Halbjahr um 6,5 Prozent auf 21,6 Milliarden Euro (zu Herstellerabgabepreisen) erhöht. Dabei wuchs der Klinikmarkt, der einen Anteil von 14 Prozent ausmacht, mit 15 Prozent etwa dreimal so stark wie der Apothekenmarkt (plus 5,2 Prozent). Das geht aus Daten hervor, die das Marktforschungsinstitut IQVIA (ehemals IMS Health) am Mittwoch in Berlin veröffentlichte.

Das Wachstum wird ganz überwiegend durch Innovationen bestimmt, die Absatzmenge auf dem Gesamtmarkt wächst nur geringfügig um 1,7 Prozent – sie ist im Klinikmarkt mit minus 1,2 Prozent geringfügig rückläufig und wächst im Apothekenmarkt um zwei Prozent.

Im GKV-Teilmarkt stiegen die Verkäufe im 1. Halbjahr um vier Prozent auf 19,7 Milliarden Euro (zu Apothekenverkaufspreisen abzüglich gesetzlicher Rabatte). Rund die Hälfte des absoluten Wachstums von 788 Millionen Euro entfiel auf nur vier Arzneimittelgruppen: Davon knapp ein Fünftel auf direkte Faktor Xa-Hemmer und über zwei Drittel auf zwei Arten von Antineoplastika sowie Proteinkinaseinhibitoren, die alle in der Krebstherapie eingesetzt werden.

AMNOG-Ziel erreicht

Das Mengenwachstum im GKV-Markt wird von IQVIA für die Berichtsperiode mit einem Prozent angegeben, die Preiskomponente mit -1,8 Prozent. Die Strukturkomponente, die unter anderem den Einfluss neuer Präparate auf die Marktentwicklung abbildet, beträgt aktuell 4,8 Prozent.

1,04 Milliarden Euro konnten die gesetzlichen Kassen im ersten Halbjahr 2018 aufgrund der frühen Nutzenbewertung für neue Arzneimittel einsparen.

Dynamisch wächst der Anteil jener Arzneimittel, die inzwischen den Prozess der frühen Nutzenbewertung durchlaufen haben und für die ein Erstattungsbetrag vereinbart oder festgelegt worden ist. Am Gesamtmarkt halten diese Arzneimittel wertmäßig einen Anteil von 19 Prozent, bei den patentgeschützten Arzneimitteln sind es 40 Prozent. Damit werden nun auch die politisch intendierten Einsparziele durch das AMNOG erreicht. Im ersten Halbjahr 2018 wurden aufgrund der AMNOG-Rabatte – das ist die Differenz zwischen dem Einführungspreis und dem nach Nutzenbewertung ausgehandelten Erstattungsbetrag – Einsparungen von 1,04 Milliarden Euro erreicht. Damit wird dieses Jahr die Zwei-Milliarden-Euro-Marke voraussichtlich geknackt. Im vergangenen Jahr beliefen sich die AMNOG-Einsparungen auf insgesamt 1,57 Milliarden Euro.

Ein weiteres beträchtliches Einsparvolumen ist durch die Rabattverträge entstanden. Realisiert wurden daraus im ersten Quartal 2018 rund eine Milliarde Euro. Im vergangenen Jahr wurden die Kassen durch diese Verträge um 4,01 Milliarden Euro entlastet, 2016 waren es 3,85 Milliarden.

Insgesamt ist zu beobachten, dass die Rabattraten sinken, das Rabattvolumen aber steigt. Ursache dafür ist, dass für immer mehr Originale Rabattverträge abgeschlossen werden, beispielsweise auch kurz vor Patentablauf, bevor Generika oder Biosimilars in den Markt kommen.

Ein weiteres Charakteristikum der Marktentwicklung ist die Konzentration der Ausgaben auf immer weniger Patienten. So verursachen bei der Barmer nur 2,1 Prozent der Versicherten inzwischen 50 Prozent der Arzneiausgaben. Zugleich werden die Patientengruppen, die mit einem innovativen Arzneimittel behandelt werden, immer kleiner, weil der Therapie eine Diagnostik durch Tumormarker vorgeschaltet ist; damit lässt sich deren Erfolgswahrscheinlichkeit erhöhen. Therapieversager, Kosten, aber auch Nebenwirkungen einer wahrscheinlich erfolglosen Therapie werden so vermieden. Aufgrund der hohen Forschungsintensität in der Onkologie und der Vielzahl Neueinführungen auf diesem Gebiet wächst aber die Zahl der Therapieoptionen.

Biosimilars im Aufwind

Insgesamt haben Biosimilars mit einem Anteil am GKV-Markt im 1. Halbjahr von zwei Prozent noch eine geringe Bedeutung. Unter den Biopharmazeutika erreichen sie aber inzwischen sieben Prozent Marktanteil, im Segment der patentfreien Biopharmazeutika sogar 32 Prozent. Trend: deutlich steigend.

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