Ärzte Zeitung, 16.11.2012

Die Versicherungsmeinung

Ein Skandal, der keiner ist

204a2403_4107249-A.jpg

Ilse Schlingensiepen ist Wirtschaftsjournalistin in Köln.

Ilse Schlingensiepen

Die Aufregung war groß, als bekannt wurde, dass die Axa Krankenversicherung CDU-Parteimitgliedern einen Rabatt von fünf Prozent einräumt.

Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD Karl Lauterbach geißelte die Kooperation als inakzeptabel und warf den Christdemokraten vor, ihre politische Unabhängigkeit aufzugeben.

Das wundert in zweierlei Hinsicht: Zum einen glaubt wohl niemand ernsthaft, dass die CDU die Axa wegen eines Gruppenvertrags besonders behandelt oder damit zusätzliche Mitglieder gewinnt.

Zum anderen hatte die SPD bis vor Kurzem selbst einen vergleichbaren Vertrag mit der Victoria, die jetzt Teil der DKV ist. Die DKV wiederum kooperiert mit der FDP.

Gruppenverträge gibt es viele in der Versicherungswirtschaft, auch mit Unternehmen oder Berufsverbänden. In der PKV stehen dabei die Rabatte meist gar nicht im Vordergrund.

Ein Gruppenvertrag ist für Versicherte mit einer Vorerkrankung oft die einzige Möglichkeit, überhaupt eine private Voll- oder Zusatzversicherung zu bekommen.

Die aktuelle Polemik ist überzogen. Angemessen ist dagegen die Forderung, dass die Parteien solche Vereinbarungen offenlegen. Dann wittert auch niemand mehr einen Skandal, wo keiner ist.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Die Mühen des Abspeckens lohnen sich!

Adipositas hat von allen bekannten Risikofaktoren für Typ-2-Diabetes den stärksten negativen Effekt. Wer sehr viel abnimmt, kann es sogar schaffen, dass der Diabetes verschwindet. mehr »

Neuer Regress-Schutz für Vertragsärzte

Das Termineservice- und Versorgungsgesetz wird hart kritisiert, doch es hat auch gute Seiten: Denn es bringt Ärzten mehr Honorar für die Behandlung bestimmter Patienten – und mehr Schutz vor Regressen. mehr »

Wenn Comics die Op erklären

Alles andere als Kinderkram: Ärzte an der Charité setzen für eine Studie auf Patientencomics zur Aufklärung über die Herzkatheteruntersuchung. Und siehe da: Die Patienten können sich mehr Details merken. mehr »