Ärzte Zeitung online, 07.10.2019

Baden-Württemberg

DocDirekt dockt nur noch an Terminservicestellen an

Das System allein werde dem Anspruch nicht gerecht, Patienten in die richtige Art der Versorgung zu steuern, heißt es seitens der KV Baden-Württemberg. Jetzt zieht die KV Konsequenzen.

Von Ilse Schlingensiepen

191a0701_8529740-A.jpg

Termin gesucht? DocDirek tin den Terminservicestellen helfen.

© momius / stock.adobe.com

DORTMUND. DocDirekt, das Modell zur ärztlichen Fernbehandlung in Baden-Württemberg, wird vom kommenden Jahr an voraussichtlich mit der Terminservicestelle (TSS) verknüpft. Eine direkte Kontaktaufnahme von Patienten mit DocDirekt wird dann nicht mehr möglich sein, kündigte Falk Lingen, Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW), beim Jahreskongress der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe in Dortmund an.

„Das Angebot der telemedizinischen Versorgung wird künftig wahrscheinlich nur noch ein Versorgungsangebot nach der Ersteinschätzung in der Terminservicestelle sein“, sagte Lingen. Das heißt: Patienten rufen die 116.117 an, die TSS-Mitarbeiter ermitteln ihren Versorgungsbedarf anhand von SmED (Strukturierte medizinische Ersteinschätzung in Deutschland) und entscheiden dann, ob die Anrufer einen Hausbesuch benötigen, ins Krankenhaus müssen oder ob sie am besten einen Telemediziner von DocDirekt kontaktieren.

Das System DocDirekt allein werde dem Anspruch nicht gerecht, Patienten in die richtige Art der Versorgung zu steuern, erläuterte er. Ende März 2020 läuft das Projekt aus, dann muss der Videodienstleister neu ausgeschrieben werden. Wie genau es weitergeht, ist noch nicht entschieden.

Das bundesweit erste Projekt zur ärztlichen Fernbehandlung war am 16. April 2018 an den Start gegangen. Zunächst war es auf Stuttgart und Tuttlingen begrenzt, ist aber im Oktober 2018 auf ganz Baden-Württemberg erweitert worden.

Geringes Interesse

Die Inanspruchnahme ist nach wie vor eher gering. Im Schnitt gehen zwischen 400 und 500 Anrufe pro Monat ein, 100 Patienten werden von den Medizinischen Fachangestellten im Callcenter an einen Arzt zur Beratung per Telefon, Chat oder Videocall vermittelt.

Die KVBW nutzt bei DocDirekt die Kommunikationsplattform des Unternehmens Teleclinic. „Wir arbeiten inzwischen mit 40 niedergelassenen Teleärzten“, berichtete Lingen. Allgemeinmediziner und Kinderärzte sind für die telemedizinische Beratung geschult worden. Patienten können sich per App, über das Internet oder das Telefon an das Callcenter wenden.

„Der durchschnittliche Nutzer ist männlich, 45 Jahre alt, leidet an Magen-Darm-Beschwerden, ist bei der AOK versichert und meldet sich mittwochs um 9 Uhr per Chat.“ Der Chat ist nach Angaben des KV-Geschäftsführers mit einem Anteil von 52 Prozent die häufigste Form der Kontaktaufnahme. Knapp 25 Prozent nutzen das Internet, 23 Prozent das Telefon.

Ab November dieses Jahres wird es den DocDirekt-Ärzten zumindest in Stuttgart und Tuttlingen möglich sein, auf elektronischem Weg Arzneimittel zu verordnen. Denn in den beiden Städten wird als Teil von DocDirect der „Geschützte e-Rezeptdienst der Apotheken“ (GERDA) des Landesapothekerverbands und der Landesärztekammer erprobt. „Erstmals kann man dann das elektronische Rezept ausstellen“, sagte Lingen.

100 Patienten pro Monat werden von den Medizinischen Fachangestellten im Callcenter von DocDirekt im Schnitt an einen Arzt zur Beratung per Telefon, Chat oder Videocall vermittelt.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Antidepressiva sicherer als gedacht

Wer Antidepressiva benötigt, trägt ein höheres Suizidrisiko - schwangere Patientinnen gebären gehäuft Kinder mit Autismus. Das alles liegt aber wahrscheinlich nicht an der Medikation. mehr »

Buttersäure-Anschlag auf Arztpraxis

Ein Vermummter hat eine Hamburger Arztpraxis mit Buttersäure angegriffen. Drei Personen wurden verletzt. Der Staatsschutz ermittelt, da die Attacke einen politischen Hintergrund haben könnte. mehr »

Spahns Kassenreform im Vorstände-Check

Mit dem „Fairer-Kassenwettbewerb-Gesetz“ will Gesundheitsminister Spahn einen gerechteren Wettbewerb unter den Kassen anfachen. Wir haben vier Kassenvorstände befragt, was sie vom Gesetzentwurf halten. mehr »