Ärzte Zeitung online, 21.02.2018

Weiterbildung

Berlin will Medizinstudenten mit Kompetenzzentrum begeistern

Die Zahl der Abschlüsse in der Allgemeinmedizin in Berlin nimmt wieder zu. Jetzt soll auch die Qualität steigen. Dafür nehmen mehrere Träger Geld in die Hand.

Von Angela Misslbeck

BERLIN. Die Qualität der allgemeinmedizinischen Weiterbildung in Berlin soll besser werden. Mit diesem Ziel ist jetzt das Kompetenzzentrum Weiterbildung an der Berliner Uniklinik Charité gestartet. Die Initiatoren hoffen, dass sie durch die Ansiedlung des Zentrums an der Uniklinik auch mehr Medizinstudenten für die Allgemeinmedizin begeistern können.

Berlin hat Nachholbedarf bei der Weiterbildung von jungen Ärzten zu Allgemeinmedizinern. Bis 2016 war die Förderung für die ambulante Weiterbildung begrenzt. Dieses Limit war bereits mehrere Jahre lang ausgeschöpft, bevor es vor anderthalb Jahren aufgehoben wurde. Daraufhin stieg die Zahl der geförderten Weiterbildungsärzte um etwa ein Drittel von 360 im Jahr 2015 auf 480 im vergangenen Jahr an.

15,6 Millionen Eurobetrug die Fördersumme für die Weiterbildung Allgemeinmedizin in Berlin im vergangenen Jahr. Im Jahr 2015 waren es nur 8,1 Millionen Euro.

 Die Zahl der geförderten Vollzeitstellen wuchs nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin auf derzeit 285 pro Monat. Das lassen sich die KV und die Krankenkassen in Berlin etwas kosten: Die Fördersumme hat sich den Angaben zufolge von 8,1 Millionen Euro im Jahr 2015 auf 15,6 Millionen im vergangenen Jahr fast verdoppelt.

Zahl der Abschlüsse steigt

Die geänderte Förderstrategie macht sich auch bei der Zahl der Abschlüsse im Fach Allgemeinmedizin bemerkbar. Die Prüfungsfrequenz bei der Ärztekammer stieg 2017 zum ersten Mal wieder. Auch die Zahl der Abschlüsse wuchs nach Angaben von Dr. Antje Koch von der Koordinierungsstelle für Allgemeinmedizin (Kosta) auf 55 im vergangenen Jahr, nachdem sie seit 2014 von 60 auf 40 gefallen war.

Für die Ärzte in Weiterbildung und für die rund 450 weiterbildungsbefugten Allgemeinmediziner in Berlin ist die Kosta inzwischen eine feste Instanz. Seit ihrer Gründung im Jahr 2012 hat sie zehn Weiterbildungsverbünde in den Berliner Bezirken ins Leben gerufen, die sie auch betreut. Zu ihren Aufgaben zählt neben der Information und Beratung der Weiterbildungsassistenten, unter anderem auch die Evaluation der Weiterbildung.

Mentoringprogramme geplant

Ergänzt werden soll die etablierte Informations- und Beratungsplattform der Kosta nun um Seminarangebote des Kompetenzzentrums Weiterbildung, die die Qualität der Weiterbildung zur Allgemeinmedizin im Blick haben. Geplant sind Seminare und Mentoringprogramme für Weiterbildungsassistenten und Train-the-Trainer-Programme für Weiterbildungsbefugte.

Von der Qualitätsoffensive in der Weiterbildung soll nicht nur die Allgemeinmedizin profitieren. Die Ärztekammer plant, Weiterbildungsbefugten in anderen Fachgebieten ebenfalls Train-the-Trainer-Seminare anzubieten.

Träger des Zentrums für die allgemeinmedizinische Weiterbildung sind Charité, Berliner Krankenhausgesellschaft (BKG), Kassenärztliche Vereinigung und Ärztekammer Berlin. "Unser gemeinsames Ziel ist es, die hausärztliche Versorgung entsprechend den Vorgaben des Versorgungsstärkungsgesetzes auch für die Zukunft zu sichern.

Dies kann nur über eine Stärkung der Qualität und Effizienz der allgemeinmedizinischen Weiterbildung durch eine Erweiterung bestehender Angebote gelingen", so Professor Christoph Heintze, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin der Charité, bei dem das neue Weiterbildungszentrum angesiedelt ist.

Kammerpräsident Dr. Günther Jonitz hob es als beispielhaft hervor, dass bei dem Zentrum vier Akteure im Berliner Gesundheitswesen zusammenarbeiten. "Die komplexen Aufgaben des Gesundheitswesens lassen sich nur gemeinsam bewältigen", so Jonitz.

Der stellvertretende KV-Vorsitzende Dr. Burkhard Ruppert sieht in dem Zentrum "eine weitere Möglichkeit, die Ausbildung qualitativ zu verbessern und den Beruf des Allgemeinmediziners attraktiver und zukunftsfähiger zu gestalten". Und BKG-Vorstandschefin Brit Ismer hofft, dass es durch das Zentrum gelingt, "in Zukunft noch mehr junge Ärztinnen und Ärzte für die Allgemeinmedizin zu gewinnen und vom Beginn der Weiterbildung bis zur Facharztqualifikation eng zu begleiten".

Das Berliner Kompetenzzentrum ist nicht das erste, das aufgrund der Neufassung der Fördervereinbarungen auf Grundlage des Paragrafen 75 des fünften Sozialgesetzbuches (SGB V) im Zuge des Versorgungsstärkungsgesetzes startet. Bereits eingerichtet sind solche Zentren unter anderem in Hamburg, Baden-Württemberg und seit kurzem auch in Rheinland-Pfalz (wir berichteten). Die Zentren wollen sich deutschlandweit austauschen.

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