Ärzte Zeitung online, 16.11.2017
 

Misshandlung?

Pfleger stehen unter Verdacht

TV-Reportage deckt Missstände in einem hessischen Pflegeheim auf. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft.

NEU-ISENBURG. Ein Pflegeskandal, der eine ganze Region beschäftigt: Laut einer Reportage des RTL-Magazins "EXTRA" sollen in einem Pflegeheim im hessischen Mühlheim am Main Bewohner gedemütigt und misshandelt worden sein. Fünf Wochen lang hatte eine Reporterin als Praktikantin undercover in dem DRK-Senioren-Zentrum recherchiert und schließlich die zuständigen Behörden über die Zustände in dem Heim informiert.

Die haben laut mehrerer Zeitungsberichte auch reagiert und hätten dem Heim "erhebliche Mängel" attestiert. Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft Darmstadt in dem Fall gegen drei Personen, zwei Frauen und einen Mann. Der Vorwurf laute Misshandlung Schutzbefohlener, erklärt der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft gegenüber der "Ärzte Zeitung". Allerdings kam die Anzeige von einer Privatperson und es sei "ein noch ganz frisches Verfahren". Von öffentlichen Behörden sei noch keine Anzeige gekommen, so der Sprecher. – Obgleich nach einigen Zeitungsberichten die ein oder andere öffentliche Stelle dies ebenfalls in Erwägung zu ziehen scheint.

Aktiv geworden ist zudem der Bürgermeister, obwohl die Stadt nicht Träger des Heims ist. Er hatte die möglichen Missstände zum Thema einer Bürgerversammlung am 14. November gemacht. Wie die regionalen Medien berichten, nutzten Hunderte Besucher die Versammlung, um ihrer Empörung Ausdruck zu verleihen. Bürgermeister Daniel Tybussek hatte bereits im Vorfeld gegenüber der "Offenbach Post" erklärt, dass es Ausreden oder Rechtfertigungen für das gezeigte Verhalten nicht geben könne. "Aber die Politik sollte endlich für bessere Rahmenbedingungen in der Pflege sorgen", so Tybussek weiter. Vom für das Heim zuständigen DRK-Kreisverband lag bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme vor. Nach Zeitungsberichten sollen die Mitarbeiter künftig aber besser geschult und sensibilisiert werden. Grund für die Missstände soll demnach die geringe Quote ausgebildeter Pflegekräfte gewesen sein, die unterhalb der vorgeschriebenen 50-Prozentmarke gelegen habe – weil es schwierig sei die notwendigen Fachkräfte zu bekommen. (reh)

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