Ärzte Zeitung online, 10.04.2019

Hessischer Hausärztetag

Hessens Hausärzte hadern mit Regressen

Hausärztetag informiert über Stand der HzV-Verträge, die Nachwuchsförderung und schimpft über ein „Bürokratiemonster“.

Von Christoph Barkewitz

FRANKFURT/MAIN. Hessens Hausärzte verlangen die Abschaffung der Regressverfahren. Die Verfolgung wegen zu viel verordneter Arznei- und Heilmittel sei das „größte Bürokratiemonster für die Ärzteschaft in der freien Niederlassung“, hieß es beim 11. Hessischen Hausärztetag in Frankfurt

 Bei Ablehnung oder Verweigerung von Rezepten für Medikamente und Heilmittel durch die Kostenträger dürften die verordnenden Ärzte nicht auf den Kosten sitzen bleiben, so die Forderung, für medizinisch notwendige Leistungen müssten die Krankenkassen aufkommen. Korrekt erbrachte und medizinisch notwendige Leistungen wie Hausbesuche müssten angemessen vergütet werden.

Auch die damit verbundene Belastung ärgert den Hausärzteverband: Bei einer von den Krankenkassen beantragten Überprüfung der vermeintlichen Unwirtschaftlichkeit durch die Prüfungsstelle solle deshalb die beauftragende Kasse die erhebliche Mehrarbeit der Ärzte zur Klärung der vermeintlichen Unwirtschaftlichkeit voll vergüten. Betrug müsse selbstverständlich nachgewiesen und geahndet werden – dies allerdings unter Federführung der Kassenärztlichen Vereinigungen.

Förderung der Nachwuchsmediziner auf dem Zettel

Die Förderung des hausärztlichen Nachwuchses sieht die Interessenvertretung im Bundesland auf gutem Wege. Seit dem Aufbau der Koordinierungsstelle Weiterbildung Allgemeinmedizin bei der KV Hessen im Jahr 2012 sei die Zahl der Facharztprüfungen stetig gestiegen.

Im Jahr 2013 absolvierten 74 Nachwuchsmediziner diese Hürde mit Erfolg, im vergangenen Jahr waren dies bereits 123. Die Zahl der durchgefallenen Prüflinge pendelte in dieser Zeitspanne zwischen eins und neun.

Nichtsdestotrotz fordert der Hausärztetag im Zuge der Umsetzung des Masterplans Medizinstudium 2020 die Steigerung der Medizinstudienplätze in Hessen. Durch die jüngst von der Landesärztekammer beschlossenen vorzeitigen Umsetzung der neuen Weiterbildungsordnung für das Fach Allgemeinmedizin in Hessen per 1. Juli erhoffen sich die Hausärzte einen weiteren Schub.

Die Entwicklung der Hausarztzentrierten Versorgung (HzV) zeigt in Hessen nach Zahlen des Verbands nach oben. 2017 habe es sieben Verträge mit gut 202.000 Versicherten und 1174 teilnehmenden Ärzten gegeben, 2018 bereits acht Verträge mit mehr als 261.000 Versicherten und 1270 Teilnehmern.

Tendenz steigend auch im laufenden Jahr: Für das zweite Quartal sind 1307 teilnehmende Ärzte und knapp 298.000 Versicherte geplant. Mehr als die Hälfte der Versicherten gehören allein der AOK an.

Honorarvolumen gestiegen

Das Honorarvolumen sei von 46,3 Millionen Euro im Jahr 2017 auf 61.4 Millionen Euro im vergangenen Jahr gestiegen, der mittlere Fallwert von 84,50 Euro auf 86,50 Euro.

Die größte Beliebtheit verzeichnen die Verträge in Frankfurt – sowohl bei Ärzten wie auch bei der Zahl der Versicherten je Stadt/Kreis: 122 Ärzte nehmen in der Mainmetropole teil, dazu 27.231 Versicherte. Auf den Plätzen 2 und 3 folgen die Kreise Gießen (92/23.560) und Main-Kinzig (89/21.018).

Im Vergleich der KV-Regionen liegt der Anteil der HzV-Ärzte in Hessen mit 32 Prozent im oberen Mittelfeld. Spitzenreiter sind Bayern und Baden-Württemberg mit einer Quote von jeweils knapp 50 Prozent.

8 Verträge zur Hausarztzentrierten Versorgung gibt es aktuell in Hessen.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

App-Branche macht Spahn Druck

In einem "Manifest für die Digitalisierung im Gesundheitssektor" fordern 47 Unternehmen aus der App-Branche, dass sich Deutschland stärker für digitale Innovationen öffnet. mehr »

Arztvorbehalt erhitzt weiter die Gemüter

Der Änderungsantrag der Koalition zum Notfallsanitätergesetz schlägt weiter hohe Wellen. Dabei wolle man nicht am Arztvorbehalt kratzen, so Rettungsdienst-Vertreter. Es gehe vielmehr um etwas ganz Anderes. mehr »

Behandlung nicht kostendeckend?

Fußamputationen werden im DRG besser vergütet als deren Verhinderung. Und die Honorierung von Fußambulanzen in der Regelversorgung reicht hinten und vorne nicht. mehr »