Kommentar zum DGIM-Kongress

Jogginghose statt Jackett

Es hat viele Vorteile, von zu Hause aus den Internistenkongress virtuell zu verfolgen. Die Fortbildung wird sich dauerhaft verändern.

Von Dr. Thomas MeißnerDr. Thomas Meißner Veröffentlicht:

Für mich war das der erste Internistenkongress, an dem ich bequem in Pullover und – ich gebe es zu – Jogginghose teilgenommen habe. Ausgeschlafen, Pott Kaffee besorgt, den Computer eingeschaltet und es konnte losgehen. In der Pause ein bisschen auf der Kongressseite gesurft, dann ging es weiter mit der nächsten Sitzung. Mittagessen mit der Familie, noch kurz das Wohnzimmer gesaugt, wieder reingeschaut (...)

Wird diese Erfahrung die Weiter- und Fortbildungsgewohnheiten von Ärztinnen und Ärzten verändern? Ich denke: Ja! Werden noch 7000 bis 8000 Teilnehmer zu Ereignissen wie dem Internistenkongress reisen? Womöglich nicht. Wir haben gelernt: CME-Punkte lassen sich gut von zu Hause aus sammeln – unter Einsparung von Reise- und Hotelkosten sowie des knappen Gutes Freizeit.

Und damit nicht genug: Ganz ohne Zeitreisen lassen sich problemlos mehrere, parallel laufende Sitzungen besuchen – entweder durch rasches Wechseln der Kanäle oder mit der On-Demand-Funktion. Auf diese Weise lässt sich das Vormittagssymposium gut nach den Familien-Ausflug legen. Der Nachwuchs muss nicht mit schlechtem Gewissen bei Oma oder in der Kongress-Kinderbetreuung abgegeben werden.

Die Professionalität virtueller Kongresse hat in den vergangenen Monaten rasch zugenommen, technische Probleme werden seltener. Die Plattformen sind intuitiv bedienbar, die Diskussionen sind lebendig und fokussiert, die Industrieausstellung kann besucht werden, Patientenveranstaltungen finden statt. Überfüllte Säle gibt es ebenso wenig wie die unvermeidliche „Post Congress Common Cold“ (von Schlimmerem ganz zu schweigen). Und: Die Sitzungsvorsitzenden achten aus technischen Gründen sehr auf Zeitdisziplin: „Wir werden gleich abgeschaltet!“ Überziehen war gestern.

Die Reichweite der Veranstaltungen ist theoretisch unbegrenzt: Große deutsche Medizinkongresse werden seit Jahren zunehmend international. Kernbotschaften von Experten und Fachgesellschaften können digital rascher, breiter und nachhaltiger als früher unter das professionelle Volk gebracht werden – ein weiterer Punkt pro Digitalkongress angesichts immer kürzer werdender Halbwertszeiten diagnostischer und therapeutischer Standards.

Was fehlt, ist die Begegnung auf den Fluren, das Wiedersehen ehemaliger Kollegen und Kolleginnen, Freunden und Freundinnen. Außerdem sind Kongresse Gelegenheit, Mitgliederversammlungen abzuhalten, Projekte zu planen, Kontakte zu knüpfen. Oder einfach mal vom Alltag abzuschalten, bei den ersten frühlingshaften Temperaturen bei einer Tasse Kaffee oder einem Glas Wein draußen zu sitzen. Schließlich scheint so gut wie immer zum Internistenkongress in Wiesbaden die Sonne. All das wird sicher wiederkommen. Aber so wie früher wird’s wohl nie mehr werden. Der Trend geht zum Hybrid.

Schreiben Sie dem Autor: med@springer.com

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