Deutscher Krebskongress

Krebsmediziner wünschen sich mehr digitale Angebote

Ob Klinik oder Praxis: In der digitalen Ausstattung gibt es ordentlich Nachholbedarf, bemängeln Krebsmediziner. Neben mehr fachspezifischen Digitalangeboten wünschen sie sich vor allem auch mehr Telemedizin. Technische Möglichkeiten dafür gäbe es.

Philipp Grätzel von GrätzVon Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:
Telekonsil: Viele onkologisch tätige Ärztinnen und Ärzte würde es entlasten, wenn mehr telemedizinische Anwendungen niedrigschwellig zur Verfügung ständen.

Telekonsil: Viele onkologisch tätige Ärztinnen und Ärzte würde es entlasten, wenn mehr telemedizinische Anwendungen niedrigschwellig zur Verfügung ständen. (Symbolbild)

© DragonImages / stock.adobe.com

Berlin. Acht von zehn onkologisch tätigen Ärztinnen und Ärzten wollen mehr digitale Angebote für den Behandlungsalltag. Jede/r zweite will mehr Telemedizin. Und so langsam gibt es auch entsprechende Produkte, die genutzt werden können.

Beim Deutschen Krebskongress berichtete Dr. Claudia Kolbe von der Gynäkologie der Universitätsmedizin Greifswald über eine Umfrage, die die Junge Akademie Gynäkologische Onkologie gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie (AIO) zur Nutzung digitaler Medien in Klinik und Praxis durchgeführt hat.

Die Befragung erfolgte im Jahr 2021, und 289 onkologisch tätige Ärztinnen und Ärzte, überwiegend aus Gynäkologie und Innerer Medizin, nahmen daran teil. Rund 80 % waren in der Klinik, rund 20 % in Praxen tätig.

Die Ergebnisse sind recht deutlich: 72 % der Befragten sagten, dass sie digitale, fachspezifische Angebote mindestens täglich nutzten, 79 % gaben an, dass es mehr derartige Angebote bräuchte und 52 % wünschen sich ganz konkret mehr telemedizinische Lösungen. Gleichzeitig sagen 71 %, dass sie der Auffassung sind, ihre jeweilige Einrichtung sei in Sachen digitaler onkologischer Anwendungen nicht auf der Höhe der Zeit.

Therapieprotokolle kommen per Datenleitung

Was digital „geht“ in der onkologischen Versorgung, machen diverse innovative Digitalprojekte und Digitalprodukte deutlich, die beim Krebskongress vorgestellt wurden. Professor Hartmut Link, Kaiserslautern, berichtete über die Digitalisierung onkologischer Therapieprotokollen im Onkopti-Projekt, bei dem die AIO u.a. mit dem Fraunhofer-Institut IESE und der Apotheke der Universitätsmedizin Mainz kooperiert.

Onkopti enthalte mittlerweile über 2100 aktuelle Therapieprotokolle, die digital zugänglich gemacht werden. Der Zugriff erfolgt über eine Web-Anwendung oder eine App, vor allem aber lassen sich die Protokolle in unterschiedlichen Formaten exportieren und dann ins eigene Informationssystem übernehmen.

Aktuell geht das mit der weit verbreiteten, onkologischen Therapieplanungs-Software BD CATO und mit einigen Praxis-IT-Programmen, darunter J-MED. Ab kommendem Jahr wird es eine Schnittstelle zum Omniplaner von Omnicare geben.

Entlastung schaffen für die Tumorboards

Ein weiteres großes Thema für die digitale Onkologie ist die Unterstützung von Tumorkonferenzen. Das war das Thema von PD. Dr. Thomas Elter, Onkologe am Universitätsklinikum Köln und Geschäftsführer des Unternehmens Onqo Health. Die Tumorboards seien auf breiter Front überlastet und bräuchten dringend Unterstützung, um auch weiterhin eine hohe Qualität gewährleisten zu können, so Elter.

Das Unternehmen Onqo Health hat dazu die Anwendung EasyOncology entwickelt, ein zertifiziertes Medizinprodukt, das Therapiealgorithmen digital zur Verfügung stellt und diese mit regelmäßig mit den Empfehlungen zertifizierter Tumorboards abgleicht.

Neu sei jetzt, dass dieser Wissenspool über ein sich derzeit in einer Pilotphase befindliches Schnittstellen-Tool an etablierte Tumorboard-Softwares angebunden werden könne, so Elter. Dadurch wird die auf Leitlinien und dem Know-how zertifizierter Tumorboard basierende Wissensdatenbank quasi zu einem Hilfswerkzeug für die Durchführung von Tumorkonferenzen.

Mit Hilfe so einer Software können unter anderem „Standardfälle“ erkannt und rascher bearbeitet werden, sodass mehr Zeit für komplexe und diskussionsbedürftige Patienten bleibt.

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