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Seuchen weltweit

Tipps zum Impfen

Brasilien, Pakistan, Laos – derzeit kämpfen einige Länder mit Krankheitsausbrüchen. Manche haben ihre Einreisebeschränkungen bereits verschärft. Worauf Reisende achten sollten.

Anne BäurleVon Anne Bäurle Veröffentlicht:
Das CRM rät derzeit z.B. allen Brasilien-Reisenden, sich gegen Gelbfieber zu impfen. Dies gilt auch für Geschäftsreisende, die nur für einen Tag nach Rio de Janeiro reisen.

Das CRM rät derzeit z.B. allen Brasilien-Reisenden, sich gegen Gelbfieber zu impfen. Dies gilt auch für Geschäftsreisende, die nur für einen Tag nach Rio de Janeiro reisen.

© racamani / Fotolia

Anfang des Jahres meldete die WHO einen Gelbfieber-Ausbruch in Brasilien, der sich mittlerweile bis an die Küstenregionen ausgebreitet und die Millionenmetropole Rio de Janeiro erreicht hat. Auch Gebiete in der Nähe Sao Paulos, der größten Stadt Brasiliens, seien bereits betroffen, so Professor Tomas Jelinek vom CRM Centrum für Reisemedizin bei der Jahrestagung der DGIM in Mannheim. "Ein großes Problem ist, dass viele Brasilianer nicht geimpft sind. Außerdem ist es angesichts des weltweiten Mangels an Impfstoff auch völlig unmöglich, in einer 26-Millionen-Einwohner-Stadt wie Sao Paulo, jeden einzelnen zu schützen", sagte Jelinek.

Wer braucht Gelbfieber-Impfung?

Das CRM rate daher allen Brasilien-Reisenden, sich gegen Gelbfieber zu impfen. Dies gelte auch für Geschäftsreisende, die nur für einen Tag nach Rio de Janeiro reisen. Auch in Nachbarländern von Brasilien habe es Gelbfieber-Fälle gegeben, etwa der Todesfall eines dänischen Touristen in Peru. "Für Reisen nach Südamerika muss die Indikation in jedem Fall sehr weit gestellt werden", betonte Jelinek. Die Einreisebedingungen hätten sich allesamt verschärft, auch für Länder Mittelamerikas, in denen es teilweise gar keine Gelbfieber-Fälle gebe, beispielsweise die Karibik.

Erst 2014 hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO Daten vorgestellt, wonach eine einmalige Impfung für einen lebenslangen Schutz ausreicht. Daraufhin wurden auch in Deutschland die STIKO-Empfehlungen diesbezüglich geändert. "Bei vielen Ländern ist diese Information allerdings noch nicht angekommen, sodass wir nach zehn Jahren nachimpfen müssen", bemerkte Jelinek.

Polio-Impfung bleibt wichtig

Eine auch weiterhin für die Reisemedizin wichtige Impfung sei die Polio-Impfung, besonders da Ende 2016 erneut ein Polio-II-Virusstamm in Pakistan aufgetreten sei, meinte Jelinek. Eigentlich hatte die WHO das Polio-II-Virus als ausgerottet erklärt. "Diese Entwicklung ist ein Desaster, weil die in den gefährdeten Ländern verwendete Schluckimpfung angepasst wurde und keine attenuierten Polio-II-Viren mehr enthielt." Viele Kinder in diesen Gebieten hätten nun keinen ausreichenden Impfschutz, die Impfkampagnen müssten wiederholt werden. "Eine Polio-Impfung ist daher sicherlich auch in den nächsten Jahren wichtig, weil das Virus mitnichten besiegt ist und wir dieses Ziel auch in Zukunft nicht so bald erreichen werden", betonte Jelinek.

In vielen Ländern, in denen das Polio-Virus auch weiterhin zirkuliere, gebe es keine gute staatliche Impf-Surveillance, fügte Jelinek hinzu. Darunter seien etwa Länder wie Syrien, Pakistan oder Somalia. In Anbetracht der Tatsache, dass viele Flüchtlinge, die derzeit nach Deutschland kämen, aus diesen Ländern stammten, bleibe die Polio-Impfung auch für Deutschland weiterhin sehr wichtig.

Einige Länder hätten ihre Einreisebedingungen bezüglich der Polio-Impfung verschärft: "Wer nach Pakistan ein- oder ausreisen will, muss eine Polio-Impfung vorweisen, die längstens ein Jahr zurückliegt", sagte Jelinek. Für Afghanistan, Nigeria und Laos werde die Polio-Impfung zumindest empfohlen, allerdings nicht so streng kontrolliert.

Am wichtigsten für die Reisemedizin sei allerdings auch weiterhin das Dengue-Fieber, so Jelinek. "Keine Tropenkrankheit kommt von der Zahl der Erkrankungen auch nur ansatzweise an das Dengue-Virus heran. In den Tropen und Subtropen ist kein einziges Land frei von Dengue-Fällen." So gebe es in Brasilien jedes Jahr deutlich über eine Million Fälle von Dengue-Fieber. "Das ist wirklich eine sehr ernste Situation im Hinblick auf die Ressourcen für ein Land mit so vielen Fällen", so Jelinek. Mittlerweile seien auch Gebiete betroffen, die bisher als unbedenklich galten, etwa Australien.

Die intensive Forschung an einem Impfstoff gegen Dengue habe zur Zulassung eines ersten Impfstoffs – Dengvaxia® – in einzelnen Endemieländern geführt. Erste Studien hätten allerdings enttäuschende Ergebnisse gebracht. "Die protektive Effektivität liegt bei immunologisch Naiven bei rund 20 Prozent. Das ist also tatsächlich eine Impfung, die nichts taugt", sagte Jelinek. Zumal es so aussehe, als würden bei Geimpften tatsächlich stärkere Komplikationen bei einer Infektion auftreten als bei ungeimpften Personen.

Insgesamt sei Risiko für Dengue-Ausbrüche in Europa gar nicht mal so klein, da die Mückenpopulationen, die das Virus übertragen, auch in Südeuropa nachgewiesen wurden.

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