Tuberkulose-Check: Hauttest, Interferontest oder beides?

Der Hauttest ist sensitiv, aber oft falsch positiv.

Von Simone Reisdorf Veröffentlicht:

Jeder Patient mit offener TB infiziert jährlich 10 bis 20 Kontaktpersonen, von denen wiederum eine selbst erkrankt. Durch frühe Diagnose und Therapie der Patienten soll das verhindert werden. Als Screening diente bisher vor allem der Tuberkulin-Hauttest (THT). "Aber auch die neuen Interferontests sind dafür gut geeignet", betonte Privatdozent Werner Bär vom Carl-Thiem-Klinikum Cottbus. Bei den seit einiger Zeit verfügbaren Tests T-Spot.TB und QuantiFERON-TB-Gold (QFT) wird Interferon-gamma gemessen, welches die T-Zellen nach Stimulation durch tuberkulöse Mykobakterien freisetzen. Dadurch werden kaum atypische, nicht-tuberkulöse Mykobakterien oder BCG-Impfantigene mit erfasst, die Spezifität der Methoden ist höher als die des Hauttests.

Professor Hans Schweisfurth aus Bad Lippspringe hat Sensitivität und Spezifität des Hauttests und der Interferontests untersucht: "Von 537 Patienten, die nachweislich mit Mycobacterium tuberculosis infiziert waren, detektierten wir mit dem THT 75 Prozent, mit dem QFT 64 Prozent und mit dem T-Spot 83 Prozent. Atypische, nicht-tuberkulöse Mykobakterien wurden vom T-Spot korrekterweise nicht erfasst, beim QFT waren 11 Prozent dieser Proben falsch positiv und beim Hauttest sogar 71 Prozent." Die im Vergleich zum QFT höhere Sensitivität des Hauttests werde also durch eine geringere Spezifität erkauft.

Der Pneumologe Bär präsentierte einen direkten Vergleich der beiden Interferontests: "81 Prozent der Proben waren in beiden Tests positiv, drei Prozent in beiden negativ, fünf Sechstel der Ergebnisse stimmten also schon einmal überein", lobte er. Beim QFT seien allerdings 13 Prozent der Proben falsch positiv gewesen: "Der QFT ist weniger aufwändig, aber auch etwas weniger zuverlässig, da er nicht, wie der T-Spot, mit genau eingestellten Lymphozytenpopulationen arbeitet."

Eine besondere Bedeutung haben die Interferontests für immunsupprimierte Patienten wie Krebskranke, Rheumatiker, Diabetiker und HIV-Infizierte. Bei ihnen zeigt der klassische Hauttest viel öfter falsch positive, aber auch falsch negative Ergebnisse, wie eine Studie kürzlich erwies.

Bär empfahl für das Screening: "Ist der Hauttest negativ, sind keine säurefesten Stäbchen unterm Mikroskop nachweisbar, und ist der Patient nicht immunsupprimiert, so kann man relativ sicher davon ausgehen, dass er keine Tuberkulose hat. Ist der Hauttest dagegen positiv, sollte man dies mit einem der beiden Interferontests verifizieren. Welcher, das richtet sich vor allem nach dem Probenaufkommen."

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