Über E-Health-Projekte wird in Europa intensiv diskutiert

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Wie weit ist E-Health bereits im europäischen Raum etabliert? Auf der CeBIT sprachen Experten über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der E-Health-Projekte in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Von Christian Beneker

Die Diskussionspartner auf der CeBIT: (v.l.n.r.): Dr. Clemens Martin Auer (Gesundheitsministerium Österreich), Dr. Franz-Joseph Bartmann (Ausschuss Telematik, BÄK), Patrick Kutschera (Evita AG, Schweiz).

Die Diskussionspartner auf der CeBIT: (v.l.n.r.): Dr. Clemens Martin Auer (Gesundheitsministerium Österreich), Dr. Franz-Joseph Bartmann (Ausschuss Telematik, BÄK), Patrick Kutschera (Evita AG, Schweiz).

© Beneker

HANNOVER. Von einer E-Health-Infrastruktur in Deutschland habe man "sich anfangs alles mögliche versprochen", sagte Dr. Franz-Joseph Bartmann, Vorsitzender des Ausschusses Telematik in der Bundesärztekammer auf der Computermesse CeBIT.

Er diskutierte in Hannover mit Experten aus Österreich und der Schweiz über E-Health-Projekte im deutschsprachigen Raum. "Aber es hat sich gezeigt, dass hierzulande mehr geredet als getan wird!"

Heute stehe man immer noch da, wo man 2004 stand, beklagte Bartmann. Es gebe heute 400 Telematik-Projekte zur Patientenversorgung, die alle aus ärztlicher Notwendigkeit heraus entstanden seien.

"Da machen sich die Initiatoren wenig Gedanken um den Datenschutz. Auch bei der Hausarztzentrierten Versorgung sehen viele Ärzte in dieser Hinsicht kein Problem", so Bartmann. Trotzdem gebe es in der deutschen Ärzteschaft viele Widerstände gegen eine Telematik-Infrastruktur, namentlich gegen die elektronische Gesundheitskarte (eGK).

Nun müssten die Tatsachen entscheiden. "Erst wenn jeder Patient die Karte in der Tasche hat, geht es weiter mit der Telemedizin. Und dann werden auch die Ärzte mehr telemedizinische Anwendungen zum Wohle der Patienten umsetzen", ist Bartmann überzeugt.

In Österreich gibt es die "e-card" seit 2005

Dr. Clemens Martin Auer vom Österreichischen Gesundheitsministerium betonte in seinem Vortrag über die Situation in Österreich: Seit 2005 ist die "e-card", nicht nur als Gesundheits- sondern als Sozialversicherungskarte in Österreich eingeführt.

Man habe zunächst einen politisch vereinbarten telemedizinischen Standard für alle fest gelegt. "So konnten sich zum Beispiel Klinikmanager bei ihren Investitionsentscheidungen auf klare technische Vorgaben verlassen", sagte Auer.

Eine ähnliche Auseinandersetzung wie in Deutschland gibt es allerdings bei der geplanten Elektronischen Gesundheitsakte (ELGA). Sie soll die in Krankenhäusern oder Praxen bereits vorhandene Patientendaten verknüpfen, ist aber keine Akte auf einem zentralen Server.

Für die Einführung liegt ein Gesetzentwurf vor. Aber gerade die weit reichenden Kontrollrechte der Patienten stoßen bei Ärzten offenbar auf Widerspruch. So können Patienten die Aufnahme bestimmter Daten in die ELGA durch Widerspruch verhindern.

In den "Salzburger Nachrichten" hatte der Vizepräsident der österreichischen Ärztekammer, Artur Wechselberger, gefordert, der Arzt müsse sich auf die Vollständigkeit der Daten verlassen können. "Wenn alle datenschutzrechtlichen Bestimmungen eingehalten werden, dann kann ELGA nicht funktionieren".

"In der Schweiz sind vor allem die 26 Kantone für die Einführung der E-Health-Struktur zuständig", erklärte Patrick Kutschera von der Evita AG in Bern. Derzeit laufen in den Kantonen verschiedene Pilotprojekte. Die elektronische Versichertenkarte indessen wurde bereits Anfang 2010 zentral eingeführt.

Bis 2015 soll für jeden Bewohner der Schweiz ein elektronisches Patientendossier folgen, so will es die "Strategie eHealth Schweiz" des schweizerischen Bundesrates. Ärzte erhalten dann über ihre Health Professional Card (HPC)Zugang zur Akte.

Die Patienten, ihre Gesundheitsdaten und die Behandelnden sollen dezentral gespeichert werden. Spezielle Indizes "informieren dann darüber, was wo liegt", so Kutschera.

In der Schweiz steht der Datenschutz im Fokus

Noch entwickelt die Schweiz ein System, das dann alle Daten überalleinheitlich speichern und damit erreichbar machen kann. Koordiniert werden die unterschiedlichen kantonalen Pilotprojekte von dem eigens geschaffenen Steuerungsausschuss Bund-Kantone.

Dass auch in der Schweiz noch intensive Diskussionen unter anderem zum Thema Datenschutz anstehen, weiß auch Kutschera. Allerdings sagte er nicht nur augenzwinkernd: "Manche Erkenntnisse werden nicht dadurch durchgesetzt, dass Gegner überzeugt werden, sondern dass sie aussterben."

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