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ACE-Hemmer senken Sterberate bei Hypertonie

Knapp 30 Jahre nach Einführung von Captopril liefert eine neue Metaanalyse klinischer Studien nun erstmals den Beweis: ACE-Hemmer erhöhen auch bei Bluthochdruck signifikant die Überlebenschancen.

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Mit ACE-Hemmern gegen Hypertonie: dann sinkt auch die Sterberate.

Mit ACE-Hemmern gegen Hypertonie: dann sinkt auch die Sterberate.

© John Cooke / iStockphoto.com

ROTTERDAM (ob). ACE-Hemmer sind in vielen großen Studien hinsichtlich ihrer Wirkung auf Morbidität und Mortalität gründlich untersucht worden.

Belege für eine Senkung der kardiovaskulären Mortalität finden sich für Patienten mit Herzinsuffizienz, stabiler KHK oder solchen mit hohem kardiovaskulärem Risiko.

Ausgerechnet beim größenmäßig wichtigsten Anwendungsgebiet bestehen aber nach wie vor Unklarheiten: Bei Hypertonie ist eine Reduktion der Gesamtmortalität - das erklärte Hauptziel jeder antihypertensiven Therapie - bisher weder für ACE-Hemmer noch für AT1-Rezeptorantagonisten (Sartane) schlüssig nachgewiesen worden.

Eine internationale Forschergruppe um Dr. Erik Boersma aus Rotterdam glaubt, diesen Nachweis zumindest für die ACE-Hemmer nun mit ihrer Metaanalyse erbracht zu haben (Eur Heart J 2012; online am 17. April).

Dafür hat die Gruppe Daten aus 20 großen klinischen Studien unter die Lupe genommen, in denen die Wirkung von ACE-Hemmern und Sartanen auf kardiovaskuläre Mortalität und Morbidität bei unterschiedlichen Patientenpopulationen untersucht worden war

Berücksichtigt wurden nur seit dem Jahr 2000 publizierte Studien, in denen die angewendeten Therapien auch den zeitgemäßen Standards genügten.

Kontrolle mit Placebo oder anderen Wirkstoffen

Bedingung war, dass mindestens zwei Drittel aller Studienteilnehmer eine Hypertonie aufweisen mussten und somit der erwartete Nutzen der Therapie im Wesentlichen aus einer Senkung des Blutdrucks resultieren würde.

An den analysierten Studien hatten insgesamt knapp 160.000 Patienten teilgenommen, von denen im Schnitt 91 Prozent auch einen Bluthochdruck hatten. Davon erhielten 71.401 Patienten eine Behandlung mit einem RAAS-Blocker (ACE-Hemmer oder Sartan), 87.597 waren den jeweiligen Kontrollgruppen zugeteilt.

Die Kontrollgruppen waren entweder mit Placebo oder anderen aktiven Wirksubstanzen wie Betablocker, Diuretika oder Kalziumantagonisten behandelt worden. Die Beobachtungsdauer betrug im Schnitt 4,3 Jahren.

Für die Gesamtgruppe der RAAS-Blocker ergab die Analyse eine signifikante relative Reduktion der Inzidenzrate für die Gesamtmortalität um 5 Prozent (20,9 versus 23,3 Todesfälle/1000 Patientenjahre) und der kardiovaskulären Mortalität um 7 Prozent (8,7 versus 10,1 Todesfälle/1000 Patientenjahre).

Dieses positive Ergebnis resultierte allerdings bei näherer Betrachtung nicht aus der RAAS-Blockade per se. Vielmehr spiegelt sich darin nahezu ausschließlich die günstige Wirkung der ACE-Hemmer wider, die mit einer signifikanten relativen Reduktion der Gesamtmortalität um 10 Prozent assoziiert waren (20,4 versus 24,4 Todesfälle/1000 Patientenjahre).

Diese Reduktion zeigte sich sowohl im Vergleich zu Placebo als auch zu anderen blutdrucksenkenden Therapien in Kontrollgruppen.

Leitlinien müssen nicht angepasst werden

Sartane hatten im Unterschied zu ACE-Hemmern keinen relevanten Effekt auf Gesamtmortalität (21,4 versus 22,0 Todesfälle/1000 Patientenjahre) und kardiovaskuläre Mortalität (8,8 versus 9,2 Todesfälle/1000 Patientenjahre).

Kaum ausgesprochen, warnen die Autoren der Metaanalyse aber auch schon davor, dem gezeigten Unterschied zwischen beiden Substanzgruppen allzu großes Gewicht beizumessen.

Sie weisen darauf hin, dass dieser Unterschied, der eine klinische Unterlegenheit der Sartane suggeriert, das Ergebnis einer "Post-hoc-Beobachtung" sei und deshalb mit Vorsicht interpretiert werden müsse.

Ursprünglich habe man nur die Gesamtgruppe der RAAS-Blocker in ihrer Wirkung auf die Mortalität untersuchen wollen.

Zu bedenken ist auch, dass sich ACE-Hemmer und Sartane zwar in ihrer Wirkung auf die Gesamtmortalität signifikant unterschieden, nicht aber in ihrer Wirkung auf die kardiovaskuläre Mortalität.

Auch in zwei Studien (ONTARGET, DETAIL), in denen Vertreten beider Substanzgruppen direkt miteinander verglichen wurden, fanden sich keine signifikanten Unterschiede.

Somit sehen die Autoren auch nicht die Notwendigkeit, wegen des Ergebnisses der aktuellen Metaanalyse die derzeitigen Leitlinien-Empfehlungen für die Praxis der antihypertensiven Therapie zu ändern.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Neue Rangordnung der RAAS-Blocker?

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