Diabetes mellitus

Aktionsforum will Diabetes-Epidemie bremsen

HAMBURG (ugr). Die Zahl der Diabetespatienten in Deutschland steigt und steigt. 1998 waren es 5,7 Millionen, 2004 bereits 6,5 Millionen und bis zum Jahr 2010 sollen es 10 Millionen sein. Präventions-Programme, mit denen der Trend gebremst werden könnte, hat jetzt das Nationalen Aktionsforum Diabetes mellitus (NAFDM) vorgestellt.

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"Besonders bei den über 50-jährigen Männern steigt die Zahl der Neuerkrankungen kontinuierlich", hat Professor Hans Hauner aus München bei einer Sitzung des NAFDM in Hamburg berichtet. Das habe eine Analyse der Daten von über 300 000 Versicherten der AOK Hessen ergeben. Die Patienten seien mit den Jahren aber offensichtlich gesundheitsbewusster geworden.

So gehen nach der Analyse Diabetiker heute häufiger zum Arzt (1998: etwa 29 Praxiskontakte, 2004: 33) und suchen öfter einen Facharzt auf (1998: 3,1 verschiedene Ärzte, 2004: 4,4). Gleichzeitig nehmen Dauer und Zahl der Krankenhausaufenthalte ab. Die Behandlungskosten sind nach Hauners Angaben von 12,9 Milliarden Euro im Jahr 1998 auf 16,5 Milliarden im Jahr 2004 emporgeschnellt. Hauner: "Die Ausgaben pro Patient sind dabei nur gering gestiegen, aber die Vielzahl der Patienten treibt die Behandlungskosten in die Höhe."

Programme zur Prävention und Versorgung werden koordiniert

Das von der Deutschen Diabetes Union Ende 2004 initiierte Aktionsforum NAFDM hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2010 den dramatischen Anstieg der Diabetes-Prävalenz zu stoppen. In dem Forum werden Programme für eine effektive Prävention, eine Optimierung der Versorgung und eine Vernetzung der Forschung koordiniert.

"Diabetes und seine Komplikationen zu verhindern, ist heute grundsätzlich machbar", sagte Professor Eberhard Standl aus München. "Dies bedarf jedoch einer Bündelung aller Kräfte sowohl im fachlichen als auch im politischen Bereich." Die jetzt vom Bundesforschungsministerium (BMBF) ausgeschriebenen Forschungsförderungen für die beiden Kompetenznetze Diabetes und Adipositas seien Schritte in die richtige Richtung, so Standl. Hierfür will das BMBF in den nächsten zehn Jahren 100 Millionen Euro investieren; Projektskizzen zu Forschungsvorhaben können noch bis zum 17. September 2007 beim BMBF eingereicht werden.

Schon bei jungen Kindern besteht in Deutschland Handlungsbedarf für eine Prävention von Diabetes mellitus und Adipositas. "Die starke Gewichtszunahme beginnt in der Regel mit vier Jahren", sagte Professor Thomas Danne aus Hannover. Etwa neun Prozent der Jungen und 12 Prozent der Mädchen in Niedersachsens Kindergärten seien bereits übergewichtig. Im Rahmen des Programms "Fit von klein auf" lernen die Kindergartenkinder jetzt spielerisch, sich ausreichend zu bewegen und gesund zu ernähren. Fast 900 Kinder in 33 Kitas sind in das Projekt eingebunden. Das Programm wird von den Betriebskrankenkassen organisiert und der Uniklinik Hannover wissenschaftlich begleitet. Erste Ergebnisse, ob die Intervention etwas bringt, werden im Herbst erwartet.

Diabetes-MOBIL heißt ein Projekt, bei dem Diabetes-Beraterinnen zu so genannten Lifestyle-Managerinnen ausgebildet wurden. "Aufgabe der Managerinnen ist es, Diabetes-Patienten aktiv dabei zu unterstützen, notwendige Änderungen ihres Lebensstils erfolgreich in den Alltag zu implementieren", erläuterte Professor Lutz Heinemann aus Düsseldorf.

In eine wissenschaftliche Studie sollen 300 Typ-2-Diabetiker aufgenommen werden. Regelmäßige Beratung und gemeinsame Bewegung (wie Nordic-Walking oder Hockergymnastik) werden mindestens einmal wöchentlich über sechs Monate angeboten. Daten von 28 Patienten liegen bereits vor. Bei ihnen haben sich Blutzucker und Blutdruck stabilisiert. Der HbA1c Wert als Marker der langfristigen Blutzuckerkontrolle konnte im Mittel von 7,4 auf 7,0 Prozent gesenkt werden.

Zur Früherkennung von Menschen mit hohem Diabetesrisiko eignet sich nach Angaben von Dr. Peter Schwarz aus Dresden der so genannte Findrisk-Fragebogen. Schwarz hat eine Evaluationsstudie zu dem Fragebogen geleitet. Die Daten von 2 134 Patienten aus 42 Diabetes-Praxen und -Zentren wurden ausgewertet. "Mit dem Fragebogen ist es sehr gut möglich, Hochrisikogruppen zu identifizieren und die Wahrscheinlichkeit einer manifesten Erkrankung in den nächsten zehn Jahren vorherzusagen." Damit sei der in Finnland entwickelte Fragebogen künftig auch in Deutschland als kostengünstige Screening-Methode anwendbar.

Mit den Fragen lassen sich Risikopersonen früh erkennen

Findrisk enthält acht einfache Fragen zu Alter, Diabetes in der Verwandtschaft, Taillenumfang, Blutdruck, Bewegung und Ernährung. Risikopersonen können damit identifiziert und so rechtzeitig präventiv behandelt werden.

In einer zweijährigen, retrospektiven Kohortenstudie konnte nach Angaben von Schwarz ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Risiko-Score des Fragebogens und dem ermittelten Glukosewert erbracht werden. Die Trennschärfe des Fragebogens zur Abgrenzung von Menschen, die in der Studie tatsächlich an Diabetes erkrankt waren, erwies sich als sehr gut.

Findrisk-Fragebogen im Internet: www.diabetes-risiko.de/risikotest.html

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