Direkt zum Inhaltsbereich

Studie

Aktuelle Ebola-Epidemie hat einige Besonderheiten

Ebola wird als hämorrhagisches Fieber bezeichnet. Doch bei der gegenwärtigen Epidemie in Westafrika sind Blutungen selten. Auch bei anderen Symptomen und der Sterblichkeitsrate fanden Forscher Auffälligkeiten.

Von Angela Speth Veröffentlicht:
Während der Ebola-Epidemie trägt ein Mann seinen kranken Bruder in die Hauptstadt Monrovia. Junge Ebola-Patienten haben vergleichsweise gute Überlebenschancen.

Während der Ebola-Epidemie trägt ein Mann seinen kranken Bruder in die Hauptstadt Monrovia. Junge Ebola-Patienten haben vergleichsweise gute Überlebenschancen.

© Ahmed Jallanzo / EPA / dpa

KENEMA. Das Kenema Government Hospital in der östlichen Provinz von Sierra Leone verfügt über eine Infrastruktur, die eine klinische und labormedizinische Studie zu Ebola ermöglichte.

So konnten Ärzte der Klinik bei 106 Ebola-Patienten, die zwischen dem 25. Mai und 18. Juni dorthin zur Behandlung kamen, internistische und Labordaten bestimmen, etwa Elektrolyte, Harnstoff, Kreatinin, Alanin- und Aspartat-Aminotransferase (ALT, AST) sowie per quantitativer Reverse-Transkriptase-Polymerasekettenreaktion die Menge an Ebolavirus EBOV, Spezies Zaire.

Der Weg des Ebola-Virus in Westafrika

Die Ebola-Epidemie in Westafrika sorgt für Tausende infizierte Menschen - und Tausende Tote. Der Ausbruch geht auf ein zweijähriges Mädchen zurück. Zur Chronologie des Ausbruchs.

Nur bei einem von rund hundert Teilnehmern waren offene Blutungen aufgetreten, berichten die Ärzte. Auch das als Hauptsymptom geltende Fieber kam zwar sehr häufig vor, aber eben nicht bei allen Erkrankten. Auffallend außerdem: die unterschiedlichen Sterblichkeitsraten bei jungen und alten Patienten (NEJM 2014; online 29. Oktober).

Die Inkubationszeit wurde auf sechs bis zwölf Tage geschätzt. Im Mittel stellten sich die Patienten rund sechs Tage nach Beginn der Symptome in der Klinik vor: 98 Prozent mit Fieber, 80 Prozent mit Kopfschmerzen, 66 Prozent mit Schwäche, 60 Prozent mit Schwindel, rund die Hälfte mit Diarrhoe, 40 Prozent mit Bauchschmerzen, 34 Prozent mit Erbrechen und 31 Prozent mit Konjunktivitis.

Wer überlebte, blieb im Mittel 15 Tage, wer nicht, starb nach 10 Tagen. Behandelt wurden die Patienten durchgängig mit intravenösen Infusionen und Antibiotika.

Hohe Sterblichkeitsrate bei Über-45-Jährigen

Insgesamt betrug die Sterblichkeitsrate 74 Prozent, doch hatten Patienten über 45 Jahre wesentlich schlechtere Chancen als jene unter 21 Jahren (94 Prozent versus 57 Prozent). Unterschiede bei Männern und Frauen ließen sich nicht feststellen. Zu den Patienten gehörte auch eine Schwangere, die kurz vor der Diagnose eine Fehlgeburt hatte, berichten die Ärzte.

Wie sich herausstellte, lassen sich mehrere Parameter zum Abschätzen der Prognose nutzen:

Viruslast: Patienten mit weniger als 100.000 EBOV-Kopien pro Milliliter Serum zu Beginn hatten eine Mortalitätsrate von 33 Prozent, jene mit mehr als 10 Millionen von 94 Prozent.

Diarrhoe: 94 Prozent der Patienten mit diesem Symptom starben, dagegen 65 Prozent der Patienten ohne Durchfall. Ungünstige klinische Symptome waren weiterhin Schwäche und Schwindel.

Fieber: Die Überlebenden hatten eine geringere mittlere Temperatur als die Nicht-Überlebenden.

Metabolische Störungen: Hohe Spiegel an Kreatinin, Harnstoff und Leberenzymen waren mit einer hohen Sterblichkeit assoziiert, normale oder sinkende Werte zeigten eine Besserung an.

Bei Patienten, die starben, stiegen diese Laborparameter im Zeitverlauf, ein Zeichen für die Dehydration und die sich verschlechternde Leber- und Nierenfunktion, die nach Aussage der Ärzte wesentlich zur schlechten Prognose beitragen.

Die Laborwerte erwiesen sich auch als differenzialdiagnostisch bedeutsam: Für Ebola war im Vergleich zu Patienten mit Fieber, die Ebola-negativ getestet wurden, eine starke Erhöhung typisch.

Das könnte Sie auch interessieren
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Abb. 2: Sekundärer Endpunkt der BOREAS-Studie: Veränderung der Lungenfunktion unter Dupilumab versus Placebo

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Typ-2-Inflammation bei COPD

Bessere Lungenfunktion und mehr Lebensqualität durch IL-4/-13-Hemmung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Berlin, und Regeneron GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Vielfalt der Musikermedizin

Ihr Patient ist Musiker? Was dann relevant werden könnte

Lesetipps
Patient vor der CT-Untersuchung der Lunge.

© jovannig / stock.adobe.com

Telemedizin für Prävention

Lungenkrebs-Screening: Das Münsterland zeigt, wie es funktionieren kann

Frau sitzt nachts auf ihrem Bett und schaut ins Licht ihrer Nachttischlampe.

© stokkete / stock.adobe.com

Von unten nach oben

Stufenschema bei Insomnie: So bei Schlafstörungen therapieren