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Praxisstudie

Akupunktur lindert Menopausebeschwerden

Weniger Hitzewallungen, Schlafstörungen und körperliche Beschwerden – nur wenige Akupunktursitzungen können offenbar die meisten Menopausebeschwerden lindern. Darauf deutet eine Studie, die allerdings keine aktive Kontrollgruppe einbezog.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Fünf wöchentliche Akupunktursitzungen scheinen bereits die Menopausenbeschwerden deutlich zu lindern, ergab eine Praxisstudie.

Fünf wöchentliche Akupunktursitzungen scheinen bereits die Menopausenbeschwerden deutlich zu lindern, ergab eine Praxisstudie.

© Severin Schweiger / panthermedia.net

Das Wichtigste in Kürze

Frage: Helfen wenige Akupunktursitzungen gehen Menopausebeschwerden?

Antwort: In einer dänischen Studie gaben Frauen mit Akupunktur signifikant seltener Menopausebeschwerden an als solche in einer Wartegruppe.

Bedeutung: Akupunktur ist möglicherweise eine Alternative zu einer Hormontherapie.

Einschränkung: Noceboeffekte in der Wartegruppe möglich, keine aktive Kontrollgruppe, keine Daten aus der Nachbeobachtungszeit

KOPENHAGEN. Eine Hormontherapie bei Menopausebeschwerden ist vielen Frauen aufgrund des erhöhten Risikos für Brustkrebs und Thromboembolien mittlerweile zu riskant. Andere Medikamente haben oft deutliche Nebenwirkungen, sodass nicht wenige Frauen nach alternativen Methoden suchen. Nach Resultaten einer dänischen Studie (the ACOM study; BMJ Open 2019;9:e023637) mit 70 Beteiligten scheinen fünf wöchentliche Akupunktursitzungen die Beschwerden deutlich zu lindern, wenngleich die Studie wenig darüber aussagt, ob das an der Akupunktur oder einem damit verbundenen Placeboeffekt liegt.

An der Studie beteiligten sich Frauen mit moderaten bis schweren Hitzewallungen. Die Hälfte wurde von neun in Akupunktur ausgebildeten Hausärzten genadelt, und zwar an den Punkten CV-3, CV-4, LR-8, SP-9 sowie SP-6. Die andere Hälfte diente in dieser Zeit als Kontrollgruppe und erhielt im Anschluss an die Studie ebenfalls eine Akupunkturbehandlung.

80 % sprechen von positiven Effekten durch die Nadeln

Alle Frauen füllten mehrfach den MenoScores Questionnaire (MSQ) mit 51 Fragen und 11 Subskalen zu Menopausebeschwerden aus. Im Schnitt waren die Teilnehmerinnen 55 Jahre alt, überdurchschnittlich gebildet, fast ausschließlich Nichtraucherinnen und zumeist regelmäßig körperlich aktiv, auch hatten vier von fünf keine chronischen Erkrankungen. Größere Unterschiede bei solchen Eigenschaften gab es kaum zwischen Therapie- und Wartegruppe.

Als primären Endpunkt wählten die Forscher um Kamma Sundgaard Lund von der Universität in Kopenhagen Veränderungen auf der sechs Punkte umfassenden Subskala für Hitzewallungen. Ausgehend von rund 4,5 Punkten sank der Wert mit Akupunktur um etwa 2 Punkte, in der Wartegruppe fiel er um einen halben Punkt. Die Differenz von 1,5 Punkten nach drei und 1,6 Punkten nach sechs Wochen war statistisch signifikant.

Auch bei anderen Beschwerden zeigten sich deutliche Unterschiede. Frauen mit Akupunktur gaben an, weniger zu schwitzen (0,9 Punkte Differenz auf einer Sechspunkteskala), besser zu schlafen (1,8 Punkte Unterschied) und weniger körperliche Beschwerden zu haben (1,7 Punkte). Auch beurteilten sie den Zustand ihrer Haut und Haare besser als Frauen in der Kontrollgruppe und fühlten sich emotional stabiler. Insgesamt gaben 80 % der Frauen an, positive Effekte der Behandlung zu spüren.

Vier Teilnehmerinnen berichteten über milde potenzielle Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Kopfschmerzen oder eine Zunahme der Hitzewallungen, eine brach die Studie ab, weil sie die Behandlung als unangenehm empfand.

Unklar, wie lange die Akupunktur-Effekte anhalten

Ein großes Manko der Studie ist natürlich eine fehlende aktive Kontrollgruppe, möglicherweise beruht ein Großteil der Differenzen auf einem Placeboeffekt unter Akupunktur sowie einem Noceboeffekt in der Wartegruppe.

Patienten in der Wartegruppe sind häufig über ihre Zuordnung enttäuscht und berichten über eine Symptomverschlechterung, dagegen helfen die positive Erwartungshaltung sowie das Behandlungssetting in der Interventionsgruppe. Dies geben auch die Studienautoren zu bedenken. Hinzu kommt, dass in anderen Studien mit einer Scheinakupunktur in der Kontrollgruppe oft ähnliche Therapieeffekte auftraten wie beim regelkonformen Nadeln an den richtigen Akupunkturpunkten, was auf eher unspezifische Effekte der Akupunktur deutet.

Wie lange der Therapieerfolg anhält, geht aus den Studiendaten von Lund und Mitarbeitern nicht hervor. Zwar füllten die Frauen die Fragebögen bis zur 26. Woche nach Therapiebeginn aus, über die Entwicklung nach Therapieende berichten die Studienautoren um Lund jedoch nichts oder noch nichts.

Nichtsdestotrotz scheinen schon wenige Akupunktursitzungen die subjektiven Beschwerden von Frauen mit Menopausesymptomen deutlich und rasch zu lindern, weshalb die Studienautoren die Akupunktur als „realistische Option für Frauen betrachten, welche keine Hormontherapie bekommen können oder wollen“.

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Kommentare
Dr. Thomas Georg Schätzler 05.03.201911:57 Uhr

"Wartegruppe" als Vergleich - Kein Karnevals-/Faschingsscherz!

Das ist echt der Gipfel an unverfroren unwissenschaftlich-naivem Empirismus. Statt aufwändigen Placebo-Vergleichen, Randomisierungen, kontrollierten klinischen RCT-Studien, "Head-to-Head" Vergleichen, "Intention-to-Treat" Analysen einfach eine "Wartegruppe" einer verblüfften "Scientific Community" präsentieren, vornehm verklausuliert, "keine aktive Kontrollgruppe" genannt.

Konsequent weitergedacht: Ob Hypertensiologie-, Diabetologie-, Rheuma-, Tumor-, Herz-Kreislauf-, Neurologie- und Psychiatrie-Forschung, ganz einfach und "light" gemacht - einfach vergleichende Wartegruppen bilden, dann gibt''s nur noch hochsignifikant positive Studienergebnisse?

Wartegruppen-Vergleiche böten sich auch, äußerst zynisch betrachtet, in der Transplantationsmedizin an: Wetten, dass die Mortalitätsraten in der Vergleichsgruppe der Unbehandelten höher als bei den erfolgreich Operierten wäre? Das soll nur die Perfidie der Vorgehensweise der dänischen Akupunktur-Arbeitsgruppe unterstreichen.

Warum darf eine derart lausig methodisch präparierte und wissenschafts- und erkenntnistheoretisch irreführend wertlose Akupunktur-Studie eigentlich in einer wissenschaftlichen Premium-Zeitschrift publiziert werden?

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt. Mauterndorf/A)

Dr.med. Franz Heller 05.03.201909:45 Uhr

Plazebo und Cannabis für alle

Mit diesem Studiendesign kann man auch den größten Blödsinn „beweisen“. Wenn überhaupt, dann hat Akupunktur einen schwachen analgetischen Effekt und dabei ist völlig egal, wo gestochen wurde. Das wurde MEHRFACH wissenschaftlich korrekt gezeigt, unter anderem in einer von GKV initierten Untersuchung. Akupunkturpunkte und Meriadiane sind ähnlich wie Globuli eine Schimäre für Individuen, die einem anti-wissenschaftlichen Zeitgeist aus politisch-populistischen Erwägungen oder aus schlichter Profitgier huldigen

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