Selbstverletzung

"Alternative" sind anfälliger

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ULM. 45,5 Prozent der Jugendlichen, die sich als zugehörig zur Emo-, Gothic- oder Punk-Jugendkultur fühlen, verletzen sich selbst. 17,2 Prozent berichten von einem früheren Suizidversuch.

Das ergab eine Studie unter deutschen Jugendlichen zum Zusammenhang zwischen nicht-suizidalem selbstverletzendem Verhalten, Suizidversuchen und Identität (BMC Psychiatry 2014, 14: 137).

Demnach verletzen sich "alternative" Jugendliche drei bis vier Mal so häufig selbst und geben sechs bis sieben Mal so häufig einen Suizidversuch in der Vorgeschichte an wie Teenager, die sich nicht einer solchen Jugendkultur zugehörig fühlen.

Vorgenommen wurde die Studie einer Mitteilung zufolge von Forschern der Uniklinik Ulm und der Universität Glasgow. Die meisten Jugendlichen gaben als Grund für die Selbstverletzung die Regulation von emotionalem Stress und die Kommunikation dieser Zustände an Freunde und Familie an.

Eine Minderheit berichtete, dass die Zugehörigkeit zu einer Jugendgruppe eine Rolle bei ihrer Selbstverletzung spiele. (eb)

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Thomas Georg Schätzler

Und die "stinknormalen" Erwachsenen?

Gut zwei Millionen schwer Alkohol-abhängigkeitskranke E r w a c h s e n e sind in Deutschland medizinisch und psychosozial behandlungsbedürftig. Singend, saufend und marodierend ziehen weitere ca. eine Million Menschen jedes Bundesliga-Wochenende mit Bier, Schnaps und anderen Alkoholika durch die Fußballstadien, Kneipen und öffentlichen Plätze oder fahren ihren Vereinen bei Auswärtsspielen hinterher.

Hinzu kommen weitere Vorwände zum öffentlichen Trinken, Saufen und über-die-Stränge-schlagen, unterstützt durch die Unterhaltungs-, Bier-, Wein- bzw. Spirituosenindustrie: Glühweinstände zu Advent und Weihnachten, die tollen, närrischen Tage zu Karneval, Champions-, Europa-League und DFB-Pokale, "englische Wochen", Kirmes, Sommerfeste, Festivals, Oktoberfeste, Herbst- und Handwerksmärkte bzw. zahllose Schützenfeste. Oder was es sonst noch alles als Vorwand gibt, sich besinnungslos einen hinter die Binde zu gießen.

Wie viele Selbst-, Fremdverletzungen bzw. Suizidversuche in diesen Zusammenhängen begangen werden können, mag ich mir gar nicht auszumalen. Sicher ist, dass sich alle diese Menschen als vollkommen "stinknormal" bezeichnen würden, aber zugleich mit spitzen Fingern auf die Emo-Subkultur - für Emotional (hardcore), engl. [i?mo?], dt. [e?mo], die Gothic-, Punk-, Heavy-Metal-, Grunge- oder Ethno-Jugendkultur zeigen würden.

In Abwandlung eines Kabarettisten-Spruchs: "Schwarz, Schwul oder Transe in New York oder Österreich? - Kein Problem! Aber stinknormal in Wanne-Eickel, d a s ist d i e Herausforderung!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Dr. Bertram Schneeweiß

Henne oder Ei?

Bedingt das Verhalten/das Erleben die Zugehörigkeit/Selbstzuordnung zu einer "Szene", oder schafft die "Szene" entsprechende Rollenmodelle? Die Frage, was zuerst kam, die Henne oder das Ei, ist weiterhin nicht beantwortet. Daran ändert auch der letzte Abschnitt nichts ("Eine Minderheit berichtete, dass die Zugehörigkeit zu einer Jugendgruppe eine Rolle bei ihrer Selbstverletzung spiele.")Eher wäre interessant, ob diese art der dysfunktionalen Emotionsregulation und Kommunikation schon vor der Zugehörigketi zu der "Su´zene" bestand. Zum anderen scheint mir der Begriff der "Selbstverletzung" etwas eng gefaßt. Aus den selben Motiven begeben sich Hooligans, Skins oder Nazis in Schlägereien, Saufgelage oder gewalttätige "Konzerte". Was ist mit diesen "Szenen"?


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