Diabetes mellitus

Amputationsrisiko bei Diabetes ist um das 10- bis 30-Fache erhöht

Zu enge Schuhe sind bei Diabetikern kein Kavaliersdelikt. Im Gegenteil: Sie können sogar den Fuß kosten.

Zu enge Schuhe sind bei Diabetikern kein Kavaliersdelikt. Im Gegenteil: Sie können sogar den Fuß kosten.

© Sigrid Pfeifer / panthermedia

Allein in Deutschland gibt es derzeit etwa 6,4 Millionen Diabetiker. Die Prävalenz ist von 1988 bis 2001 um 45 Prozent gestiegen. Bis zum Jahr 2025 wird sich die Zahl der Erkrankungen vermutlich um weitere 50 Prozent erhöhen.

Problematisch sind vor allem die Folgeschäden eines Diabetes. Der diabetische Fuß ist eine der häufigsten Komplikationen, darauf weisen Dr. Alexander Zimmermann und Kollegen vom Klinikum rechts der Isar in München hin.

 Etwa zwei bis sechs Prozent aller Diabetiker entwickeln pro Jahr schlecht heilende und oft chronifizierende trophische Läsionen an den Füßen, so die Autoren in ihrer CME-Fortbildungseinheit "Das diabetische Fußsyndrom".

Die Läsionen sind mit einem hohen Risiko für Major- oder Minoramputationen assoziiert. Jedes Jahr müssen in Deutschland 40.000 Amputationen bei Diabetikern vorgenommen werden, etwa die Hälfte davon als Majoramputationen.

 Das Amputationsrisiko für Menschen mit Diabetes ist 10- bis 30-fach höher als in der Normalbevölkerung. Amputationen selber gehen mit einer erhöhten Ein-Jahres-Mortalität von 13 bis 40 Prozent einher. Auch die Fünf-Jahres-Mortalität erhöht sich auf 39 bis 80 Prozent.

Das diabetische Fußsyndrom entsteht auf dem Boden einer

Malum perforans. Klassisches Ulkus an Prädilektionsstelle vorwiegend neuropathischer Genese. Zustand nach Amputation DII und DV.

Malum perforans. Klassisches Ulkus an Prädilektionsstelle vorwiegend neuropathischer Genese. Zustand nach Amputation DII und DV.

© A. Zimmermann, TU München

- Neuropathie und / oder - Mikro- oder Makroangiopathie.

Traumatische Schädigungen, schlechtes Schuhwerk und Ulzerationen lösen dann die akute Manifestation aus. Die verzögerte Wundheilung bei Diabetikern verschlechtert die Situation zusätzlich. Vor allem bei unzureichend behandeltem Diabetes ist die Kollagenvernetzung vermindert und die Funktion der Granulozyten und Matrixmetalloproteinasen gestört.

Mehr als 50 Prozent der über 60-jährigen Diabetiker leiden unter einer diabetischen Neuropathie. Bei der sensorischen Neuropathie entwickeln sich distale, strumpfförmige Parästhesien mit Pallhypästhesie und Hypalgesie. Rezidivierende Traumen und Ulzerationen werden nicht mehr bemerkt.

Bei der motorischen Neuropathie deformiert sich der Fuß. Es entstehen Krallen- oder Hammerzehen.

Die Diagnose erfolgt mit Anamnese, Untersuchung und Bildgebung. Bei Ulzera muss zudem ein mikrobiologischer Abstrich zur Bestimmung der Wundflora entnommen werden. Grundsätzlich sind die Schuhe mit zu inspizieren.

Schlechtes Schuhwerk ist für die meisten Fußläsionen bei Diabetikern die Ursache. Mit einer Risikoeinteilung des National Institute for Clinical Excellence (NICE) kann das Risiko für einen diabetischen Fuß abgeschätzt werden.

Die ursächliche Therapie bei diabetischer Neuropathie ist schwierig. In erster Linie muss wegen der Grundkrankheit behandelt werden. Die Patienten sollten eine professionelle Fußpflege in Anspruch nehmen. Eine therapeutische Option ist die rekonstruktive Fußchirurgie.

Für die erfolgreiche Therapie der vaskulären Komponente ist der Nikotinverzicht unabdingbar. Bei diabetischer Dyslipidämie und arteriellem Hypertonus wird medikamentös behandelt. Bei einer Makroangiopathie muss ein endovaskuläres oder gefäßchirurgisches Vorgehen erwogen werden.

Die strukturierte Wundbehandlung beginnt mit Wundreinigung, -débridement und -sondierung. Gleichzeitig wird eine mögliche Infektion beseitigt. Meist ist eine weitere operative Wundtherapie erforderlich. (otc)

Nur für Fachkreise: Zu dem Modul "Das diabetische Fußsyndrom"

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