Welt-Aids-Tag

Angebot von HIV-Tests soll größer werden

Veröffentlicht:

BERLIN. Kürzlich hat die WHO ihren Kurs in Sachen HIV-Therapie radikal geändert: Jetzt sollten alle Menschen, bei denen eine HIV-Infektion festgestellt wird, unverzüglich Arzneien erhalten.

Studien hätten ergeben, dass sofortige antiretrovirale Therapie das Leben der Patienten verlängert, teilte die WHO Ende Septembermit.

Doch ob die neue WHO-Empfehlung nun tatsächlich alle HIV-Infizierten erreiche, sei fraglich. sagt die Sprecherin der Deutschen Aids-Gesellschaft, Annette Haberl.

"Zur Umsetzung der Leitlinie müssen wir auch unsere Test-Strategien verbessern, denn in vielen Fällen wird HIV erst bei weit fortgeschrittenem Immundefekt diagnostiziert. Da kommt eine frühe Therapie einfach zu spät."

13.200 Infizierte in Deutschland wissen nicht, dass sie infiziert sind

Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) wissen in Deutschland etwa 13.200 von 83.400 Menschen mit HIV/ Aids nichts von ihrer Infektion. Hier will die Deutsche Aids-Hilfe ansetzen.

"Wir wollen besser werden und unsere anonymen und kostenlosen Testangebote ausbauen", kündigt Referent Armin Schafberger an.

Allerdings will sich nicht jeder testen lassen. ?"Vor allem Angst vor Diskriminierung und der Glaube, mit HIV sei ein erfülltes Leben nicht ?mehr möglich, halten Menschen vom HIV-Test ab", sagt Vorstandsmitglied Ulf-Arne Hentschke-Kristal.

Die WHO-Empfehlung zur frühzeitigen Therapie hat weltweit enorme Konsequenzen: Die Zahl der HIV-Infizierten, die Medikamente brauchen, steigt demnach von bisher 28 Millionen auf 37 Millionen. "Derzeit werden etwa 15 Millionen Menschen behandelt. Damit wurde bereits ein Meilenstein erreicht", sagt Philipp Frisch von "Ärzte ohne Grenzen".

Diese Zahl mehr als zu verdoppeln sei eine gigantische Aufgabe, aber eine sehr lohnenswerte Investition, die ohne zusätzliches Geld von der internationalen Gemeinschaft nicht machbar sei.

26 Jugendliche infizieren sich weltweit pro Stunde 

Jede Stunde infizieren sich 26 Jugendliche im Alter zwischen 15 und 19 Jahren mit dem Aids-Erreger. Die Krankheit ist häufigste Todesursache unter afrikanischen Jugendlichen und zweithäufigste bei Heranwachsenden weltweit, teilte das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) mit.

Die Zahl der Jugendlichen, die weltweit an Aids sterben, hat sich laut Unicef in den vergangenen 15 Jahren verdreifacht. Die meisten dieser Jugendlichen haben sich den Angaben zufolge als Kleinkinder angesteckt. Nur ein Drittel der weltweit 2,6 Millionen HIV-Infizierten unter 15 Jahren werde behandelt.

Rund die Hälfte aller Heranwachsenden mit HIV lebt in nur sechs Ländern: Südafrika, Nigeria, Kenia, Indien, Mosambik und Tansania.

In Sub-Sahara Afrika, der Region mit der höchsten HIV-Prävalenz weltweit, stecken sich vor allem Mädchen an: Von zehn Neuinfektionen unter 15- bis 19-Jährigen betreffen sieben Mädchen, so Unicef.

In dieser Altersgruppe lasse sich nur jeder zehnte Jugendliche testen. (dpa)

Mehr zum Thema

PrEP-Evaluation

RKI: HIV-Präexpositionsprophylaxe ist „sehr effektiv“

CME-Kurs

Infektionsprophylaxe nach sexueller Gewalt

Schlagworte
Das könnte Sie auch interessieren
Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

© Pascoe Naturmedizin

Vitamin-C-Therapie

Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Dr. Claudia Vollbracht

© [M] Privat; Christoph Burgstedt / Getty Images / iStock

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Appell zur adjuvanten Vitamin-C-Therapie bei Krebs

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pascoe Naturmedizin
Mit Vitamin C gegen schwere Langzeitfolgen

© designer491 / Getty Images / iStockphoto

Long-COVID

Mit Vitamin C gegen schwere Langzeitfolgen

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Kommentare
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Durchgerechnet. Um dem hohen GKV-Defizit entgegen zu wirken, plant das Bundesgesundheitsministerium viele Maßnahmen – etwa den Zusatzbeitrag zu erhöhen.

© Wolfilser / stock.adobe.com

Wegen GKV-Defizit

Koalition will Ärzte zur Kasse bitten