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Spieglein, Spieglein an der Wand...

Angst vor der Hässlichkeit

Beschäftigt sich der Patient zu sehr mit seinem Äußeren, ist in der Hausarztpraxis Vorsicht angebracht: Es besteht Verdacht auf eine körperdysmorphe Störung. Eine Expertin erklärt, welche Warnsignale gegen eine primäre ästhetisch-dermatologische Behandlung sprechen.

Von Dr. Elke Oberhofer Veröffentlicht:
Wie sehe ich aus, wie wirke ich auf andere? Die Beschäftigung mit den Äußeren kann überhandnehmen.

Wie sehe ich aus, wie wirke ich auf andere? Die Beschäftigung mit den Äußeren kann überhandnehmen.

© Hemera / Thinkstock

MÜNCHEN. Wer Hilfe beim ästhetischen Dermatologen sucht, tut dies nicht unbedingt nur für sein Äußeres. "Es geht auch darum, dass der Patient sich innerlich besser fühlt", sagte Professor Claudia Borelli, Tübingen, auf der FOBI-Woche in München.

Mit der Hautverbesserung, so die ästhetische Dermatologin, erlebten viele Patienten auch einen Boost für ihr Selbstbewusstsein: "Häufig sehe ich beispielsweise nach der Botulinumtoxintherapie, dass die Patientinnen schicker angezogen sind, vielleicht auch eine neue Frisur haben." Wenn ein Patient unter seinem Aussehen leide und man ihm mit den etablierten Methoden helfen könne, sei das erst einmal völlig in Ordnung, so Borelli.

Grenzwertig werde es allerdings, wenn die Beschäftigung mit dem Äußeren überhandnehme. Als Dermatologe müsse man genau austarieren, ob das, was der Patient sich wünsche, objektivierbar sei. Beim Verdacht auf eine körperdysmorphe Störung riet die Expertin zu größter Vorsicht: "Ich fange eine Therapie nur dann an, wenn ich den Eindruck habe, dass ich etwas verbessern kann und dass der Patient sich führen lässt."

Auffälliger Patient, frische Narben

Ein im Umgang sehr auffälliger Patient, ein, so Borelli, "schlechtes Bauchgefühl" seien Warnsignale, bei denen man besser die Finger von der Behandlung lasse. Das gelte auch für frische Narben oder wenn man auf der Haut "überhaupt nicht das sieht, was einem der Patient beschreibt".

Hier könne man mit der ästhetischen Dermatologie in keinem Fall gewinnen.

Wie der Psychodermatologe Professor Uwe Gieler, Gießen, anmerkte, lässt sich anamnestisch gut prüfen, ob eine körperdysmorphe Störung infrage kommt: "Ich frage ganz konkret, wie lange der Betreffende täglich vor dem Spiegel steht".

So könne man sehr schnell einschätzen, ob es sich um ein zwanghaftes Verhalten handle, das eventuell psychotherapeutischer Behandlung bedürfe.

Nicht selten kommen Patienten mit einer selbstverletzenden Störung in die dermatologische Praxis, um die Spuren der Manipulation beseitigen zu lassen. Die leichteste Ausprägung ist dabei die Acne excoriée: Hier werden minimale Hautveränderungen zum Anlass für oft heftigste Manipulationen.

Die Patienten leiden nach Borelli oft sehr stark, obwohl die Papeln, Pusteln und Komedonen objektiv gar nicht sehr ins Auge fallen. Charakteristisch sind der Expertin zufolge Hypopigmentierungen: "Hier kann man sehen, dass an der Haut schon viel gearbeitet wurde".

Borelli versucht in solchen Fällen zunächst, ein gutes Verhältnis zur Patientin - oft sind es Frauen in psychischen Stresszuständen - aufzubauen, ihr Verständnis entgegenzubringen, sie nicht "herunterzubügeln".

Chemical Peeling oft sinnvoll

Ein Chemical Peeling sei oft sinnvoll, um das Hautbild zu verbessern. Dabei sei eine ausreichende Analgesie wichtig, um Selbstverletzungstendenzen möglichst wenig zu fördern. Nach Borelli empfiehlt es sich, das "Arbeiten an der Haut" dem Patienten gegenüber sanft zu thematisieren.

Im Verlauf der Therapie fragt die Hautärztin etwa, ob es dem Patienten möglich sei, "dieses Arbeiten geistig an mich abzugeben". Ist der Patient dazu nicht in der Lage, legt Borelli möglichst einfühlsam nahe, psychosomatische Hilfe in Anspruch zu nehmen. "Mit diesem langsamen Weg fahre ich persönlich ganz gut".

Bei stärkeren Ausprägungen wie Selbstverletzungsnarben ist es wichtig zu beurteilen, wie alt diese Artefakte sind. Frische Narben weisen auf einen instabilen Patienten hin. In diesen Fällen rät Borelli, von einer ästhetisch-dermatologischen Therapie abzusehen bzw. abzuwarten, bis er erfolgreich therapiert wurde.

Ältere Narben könne man dagegen durchaus angehen: Vor allem mit dem Microneedling erzielt Borelli in solchen Fällen oft zufriedenstellende Ergebnisse.

"Wenn bei Ihnen die Alarmglocken läuten, sollten Sie nicht behandeln", fasste Borelli zusammen. Vor allem auch, weil beim körperdysmorphen Patienten die Gefahr bestehe, dass man sich zum verlängerten Arm der Selbstverletzung mache. "Die Einsicht muss auf Patientenseite da sein", so die Expertin, "sonst kann man keine Therapie beginnen."

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