Kommentar zur Schlaganfallversorgung

Angstmachen gefährdet Leben

Es hilft nicht, wenn mediale Corona-Sirenen die Pandemie als Lizenz zur permanenten Angstmacherei verstehen.

Philipp Grätzel von GrätzVon Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:

Nein, einen halbwegs rationalen Diskurs über COVID-19 bekommt Deutschland auch im neunten Pandemiemonat noch nicht wirklich gut hin. Die sozialen Medien sind davon sowieso noch Lichtjahre entfernt. Aber auch im Fernsehen kann sich die Finger verbrennen, wer berechtigte Positionen zu nassforsch vertritt.

Diese Erfahrung machte der Präsident der Bundesärztekammer. Bei ihm führte eine zugegeben ungeschickte Bemerkung zu Masken dazu, dass die eigentliche Botschaft komplett in den Hintergrund rückte, nämlich dass es nicht hilfreich ist, wenn mediale Corona-Sirenen die Pandemie als Lizenz zur permanenten Angstmacherei verstehen.

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Warum das katastrophal schlechte Pandemiekommunikation ist, das zeigt exemplarisch die Schlaganfallversorgung. Sie brach in der ersten Welle um ein Drittel ein. Das ist bei einem zeitkritischen Notfall, bei dem Überversorgung kein Thema ist, schon mehr als bedenklich. Aus der Kardiologie gibt es ähnliche Berichte.

Dort haben Krankenhäuser bei Infarktpatienten teilweise Ventrikelseptumrupturen gesehen, die es jahrelang kaum noch gab, weil sie nur dann auftreten, wenn die Patienten viel zu spät kommen. Angst kann ein Schutzreflex sein, aber Angstmacherei gefährdet Leben. Das gilt bei einer Pandemie genauso wie bei Hochtouren in den Alpen. Machen wir es bei der zweiten Welle alle zusammen besser.

Schreiben Sie dem Autor: med@springer.com

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