Aortenaneurysma war Ursache von plötzlichen Schluckstörungen

Bei plötzlich auftretender Dysphagie muss der betroffene Patient sehr schnell einer Diagnostik zugeführt werden. Meist wird die Speise- oder Luftröhre verlegt sein. Es kann aber auch etwas ganz anderes dahinterstecken.

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:
Die CT des Thorax offenbarte ein fast fünf Zentimeter großes, teilthrombosiertes sakkuläres Aneurysma verum des Aortenbogens.

Die CT des Thorax offenbarte ein fast fünf Zentimeter großes, teilthrombosiertes sakkuläres Aneurysma verum des Aortenbogens.

© Springer Medizin

HEILBRONN. Eine 62-jährige Frau konnte seit zwei Tagen weder feste noch flüssige Nahrung zu sich nehmen. Sie war heiser und klagte über thorakale Schmerzen. Das alles war ganz plötzlich losgegangen. Außerdem habe sie fünf Kilogramm abgenommen. Wegen des Verdachts auf ein Ösophaguskarzinom stellte sie sich daher im Klinikum am Gesundbrunnen Heilbronn vor, berichten Dr. Katrin Rohde und Privatdozent Dr. Uwe Weickert in der Zeitschrift "Der Gastroenterologe" (2010, 5: 261). Zudem ergab sich eine arterielle Hypertonie, eine Hypothyreose und ein Nikotinkonsum von 40 Packungsjahren.

In der Thoraxröntgenaufnahme der Patientin fiel auf, dass das obere Mediastinum erheblich verbreitert war.

In der Thoraxröntgenaufnahme der Patientin fiel auf, dass das obere Mediastinum erheblich verbreitert war.

© Springer Medizin

Bei der klinischen Untersuchung fielen vor allem der inspiratorische Stridor sowie ein schleimig-blutiger Auswurf auf. HNO-Ärzte diagnostizierten einen Stimmlippenstillstand links. Auf dem Thorax-Röntgenbild erkannten die Internisten, dass das obere Mediastinum erheblich verbreitert war. Die Computertomografie offenbarte schließlich ein fast fünf Zentimeter großes, teilthrombosiertes sakkuläres Aneurysma verum des Aortenbogens. Es hatte die Speiseröhre und Trachea verdrängt. Laborchemisch ergab sich zudem der Verdacht auf eine Kollagenose. Herzchirurgen ersetzten das Aortenteilstück bei der Patientin mit einer Gefäßprothese. Allerdings trat danach eine Mediastinitis mit Protheseninsuffizienz auf, woran die Frau starb. Ursachen für derartige Aneurysmen sind die Atherosklerose sowie vor allem bei jungen Patienten Bindegewebserkrankungen wie das Marfan-Syndrom. Auch entzündliche Gefäßerkrankungen und rheumatische Erkrankungen oder Infektionen können thorakale Aortenaneurysmen mit bedingen. Rohde und Weickert betonen, dass bei Risikopatienten, also bei Patienten mit hohem Blutdruck, Bindegewebserkrankungen oder bei fortgeschrittener Atherosklerose, die akute Schluckstörungen aufweisen, auf jeden Fall ein thorakales Aortenaneurysma mit in Erwägung gezogen werden müsse, obwohl das Verschlucken von Fremdkörpern am häufigsten als Ursache vorkomme. Sie empfehlen die rasche Computertomografie, weil damit letztlich auch weitere Differenzialdiagnosen wie die spontane Perforation des Ösophagus (Boerhaave-Syndrom) ausgeschlossen werden können.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

© DG FotoStock / shutterstock

Update

Neue Podcast-Folgen

Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Herz mit aufgemalter Spritze neben Arm

© Ratana21 / shutterstock

Studie im Fokus

Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Prävention durch Influenzaimpfung?

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Junge Frau spricht mit einer Freundin im Bus

© skynesher | E+ | Geytty Images

Update

Impflücken bei Chronikern

Chronisch krank? Grippeimpfung kann Leben retten

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz
SCD-PROTECT-Studie-- Frühe Phase nach Diagnose einer Herzinsuffizienz – deutlich höheres Risiko für den plötzlichen Herztod als in der chronischen Phase.

© Zoll CMS

SCD-Schutz in früher HF-Phase

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: ZOLL CMS GmbH, Köln
Abb. 2: Schneller Wirkeintritt von Naldemedin im Vergleich zu Placebo in den Studien COMPOSE-1 und COMPOSE-2

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [15]

Opioidinduzierte Obstipation

Selektive Hemmung von Darm-Opioidrezeptoren mit PAMORA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Viatris-Gruppe Deutschland (Mylan Germany GmbH), Bad Homburg v. d. Höhe
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Eine Person im CT.

© oksanazahray / stock.adobe.com

Risikoadaptiertes Vorgehen

Lungenkrebs-Screening: Nach Rauchstopp erst später ins CT?

Eine Frau hat Schmerzen im Unterbauch aufgrund einer Blasenentzündung und hält sich mit der Hand den unteren Bauch.

© Aleksandr Rybalko / stock.adobe.com

Urogenitale Malignome

Akute Zystitis kann auf künftigen Krebs hinweisen

Spritze zum Impfen mit Schriftzug

© Fiedels / stock.adobe.com

Hotline Impfen

Stellen Sie Ihre Fragen zum Impfen!