Diabetes mellitus

Apotheker können Know-how für Blutzucker-Selbstmessung vermitteln

Veröffentlicht: 26.06.2006, 08:00 Uhr

Bei der Blutzucker-Selbstmessung (BZSM) machen mehr als 80 Prozent der Typ-2-Diabetiker Fehler, obwohl die meisten eine Schulung im Umgang mit ihrem Blutzucker-Meßgerät erhalten hatten. Durch eine individuelle Nachschulung in der Apotheke konnte die Zahl der Patienten mit fehlerhaften Messungen jedoch halbiert und die Fehlerzahl je Patient von durchschnittlich 3,1 auf 0,8 Fehler nach sechs Wochen gesenkt werden.

Das ist das wesentliche Ergebnis der EDGAr-Studie, über die in Leipzig Professor Martin Schulz vom Zentrum für Arzneimittelinformation und Pharmazeutische Praxis (ZAPP) der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) in Berlin berichtet hat.

EDGAr steht für "Evaluation der Durchführung von Glukoseselbstkontrollen von Menschen mit Typ-2-Diabetes in Apotheken". Ziel der Untersuchung, die von Bayer Vital unterstützt wurde, war festzustellen, welche und wieviele Fehler Patienten bei der BZSM machen. Außerdem wurde geprüft, ob sich durch eine individuelle Schulung in der Apotheke die Fehlerrate reduzieren läßt.

In die Studie einbezogen wurden 32 Apotheker in Deutschland mit nachgewiesener Diabetes-Kompetenz. Sie haben anhand ihrer Kundendateien insgesamt 462 Typ-2-Diabetiker, die ihren Blutzucker selbst kontrollieren, für die Studie gewinnen können. Die Patienten waren im Mittel 67 Jahre alt und nahmen im Schnitt seit sieben Jahren BZSM vor.

Fehlerrate wurde mit einer einzigen Nachschulung signifikant reduziert

Zu Studienbeginn führte jeder Patient im Beisein des Apothekers eine Blutzuckermessung mit dem eigenen Gerät vor, wobei der ganze Ablauf detailliert protokolliert wurde. Geachtet wurde auf Bedienungsfehler (etwa Lanzettenwechsel, Überprüfung der Kodierung, Dokumentation / Speicherung) und geräteunabhängige Fehler (wie Reinigen der Hände, Herauspressen des Blutes oder seitliches Stechen in den Finger).

Anschließend wurden alle Fehler mit dem Patienten besprochen, und er übte unter Anleitung eine fehlerfreie Messung in der Apotheke. Zusätzlich wurde allen Patienten eine schriftliche Anleitung ausgehändigt. Beim Folgetermin sechs Wochen später erfolgte wiederum eine genau protokollierte BZSM in der Apotheke.

Für die Auswertung wurden Art und Häufigkeit der Fehler aus beiden Messungen miteinander verglichen. Das Ergebnis: Die Fehlerzahl konnte signifikant reduziert werden, sagte Schulz bei einem Symposium des Unternehmens. Beim ersten Termin machten 83 Prozent der Patienten, beim zweiten Termin nur noch 41 Prozent Fehler.

Die Rate an Bedienungsfehlern ging von 68 auf 28 Prozent zurück, die der geräteunabhängigen Fehler von 64 auf 27 Prozent. Die Studie verdeutlicht, so das Fazit von Schulz, daß eine Schulung zur BZSM in der Apotheke offenbar notwendig und auch effizient ist. (mar)

Mehr zum Thema

Abnehmen

Intervallfasten wirkt auch bei Älteren

Unnötige Diagnostik

Zweifel an Gestationsdiabetes in der Frühschwangerschaft

Das könnte Sie auch interessieren
Umstellung auf GLP-1-RA – Welche Rolle spielt der Hausarzt?

Erfahrungen aus der Praxis

Umstellung auf GLP-1-RA – Welche Rolle spielt der Hausarzt?

Anzeige | Lilly Deutschland GmbH
Typ-2-Diabetes: neue G-BA-Nutzenbewertung für GLP-1-RA

Neuer G-BA-Beschluss

Typ-2-Diabetes: neue G-BA-Nutzenbewertung für GLP-1-RA

Anzeige | Lilly Deutschland GmbH
Studienlage im Überblick

GLP-1-RA für Erstverordner

Studienlage im Überblick

Anzeige | Lilly Deutschland GmbH
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Medizinhistoriker Prof. Karl-Heinz Leven erklärt, warum die Medien eine wichtige Rolle in der öffentlichen Pandemie-Debatte spielen und auf emotionale Sprachbilder von Experten besser verzichtet werden sollte.

Europäischer Gesundheitskongress

„Wir haben einen Corona-Dauerlauf vor uns“

Wider den Lockdown: Ein Pflegeheimbewohner und eine Angehörige unterhalten sich durch eine Fensterscheibe (Achivaufnahme vom Mai 2020). Fachleute schlagen ein Konzept spezifischer Prävention vor.

Neue Präventionsideen

Fachleute schlagen Corona-Testungen per Fahrdienst vor

Berichten von durchgehend positiven Erfahrungen nach der Niederlassung als Allgemeinmediziner: Dr. Laura Dalhaus und Dr. Tobias Samusch.

Zwei Ärzte berichten

Erfüllender Quereinstieg in die Allgemeinmedizin