Direkt zum Inhaltsbereich

Asthma: Inhalatives Kortikoid nicht zu knapp dosieren!

Ob Asthma bei einem Patienten gut kontrolliert ist, lässt sich leicht anhand von sechs Kriterien klären. Hierbei hilft eine Tabelle in der aktualisierten nationalen Versorgungsleitlinie.

Veröffentlicht:

WIESBADEN (ikr). Als "kontrolliert" gilt Asthma nach der Leitlinie, wenn Patienten tagsüber höchstens zweimal pro Woche Symtome haben, nicht eingeschränkt sind in ihren Aktivitäten, keine nächtlichen Symptome haben, höchstens zweimal pro Woche rasch wirksame Beta-2-Mimetika benötigen, eine normale Lungenfunktion und keine Exazerbationen haben. Ist die Krankheit mit einer niedrigen Dosis eines inhalativen Kortikoids (ICS; etwa bis zu 400 µg Budesonid oder bis zu 500 µg Beclometason) nicht ausreichend kontrolliert, empfiehlt die NV-Leitlinie zur Intensivierung der Therapie bei Erwachsenen bevorzugt die Kombination von ICS mit lang-wirksamen Beta-2-Mimetika (LABA). Auch bei der Kombination sei auf eine ausreichend hohe ICS-Dosierung zu achten, sagte Privatdozent Martin Kohlhäufl aus Gerlingen beim Praxis Update 2010. 

So habe eine Studie ergeben, dass Formoterol zusätzlich zu einer niedrigen Budesonid-Dosis (200µg / d) die Zeit gut kontrollierten Asthmas um 19 Prozent steigerte, eine Vervierfachung der ICS-Dosis (800 µg; mittlere Dosis) aber nur um zwei Prozent (Chest 134, 2008, 1192). Mit Formoterol plus 800 µg Budesonid wurde die Zeit gut kontrollierten Asthmas sogar um weitere 29 Prozent gesteigert. 

Zu ähnlichen Ergebnissen ist nach Angaben des Pneumologen eine Beobachtungsstudie über zwölf Monate zu den beiden Therapiestrategien gekommen (J Allergy Clin Immunol 123, 2009, 116). Allerdings: Wurde lediglich die ICS-Dosis gesteigert, waren schwere Exazerbationen und Klinikeinweisungen seltener als bei einer Kombination mit LABA.

Bei Patienten mit ausreichend kontrolliertem Asthma lohnt es sich, zu klären, ob nicht gleichzeitig ein symptomatischer gastroösophagealer Reflux vorliegt. Hier kann eine Therapie mit Protonenpumpenhemmern (PPI) auch die Atemwegserkrankung bessern. Eine empirische Behandlung mit PPI bei instabilen Asthmatikern mit asymptomatischem Reflux sei jedoch nicht zu empfehlen, sagte Kohlhäufl und zitierte eine aktuelle Studie hierzu (NEJM 360, 2009, 1487).

Infos zur aktuellen Asthma-Leitlinie auf: www.versorgungsleitlinien.de/themen/asthma/pdf/nvl_asthma_lang.pdf

Praxis Update 2010

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Dosieraerosol, Pulverinhalator, Vernebler

Fallstricke bei der Inhalationstherapie im Kindesalter

Prävalenz-Vergleich der Kreise

Auffällig hoher Anteil an multimorbiden Menschen in Ostdeutschland

Metaanalyse

Atemwegsviren auch bei nichtakutem Asthma häufig nachweisbar

Das könnte Sie auch interessieren
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz

Opioid-induzierte Obstipation

Paradigmenwechsel in der Behandlung: Vom Stuhl zum Nervensystem

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Grünenthal GmbH, Aachen
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

162 Studien ausgewertet

Häufigkeit von zerebralen Aneurysmata nimmt zu

Lesetipps
Körpersprache ist stärker als das gesprochene Wort. Man kann aufgebrachten Patienten daher durchaus auch die Handfläche zeigen, also leicht ausgestreckter Arm, man zeigt die Handfläche und signalisiert dem Patienten „Stopp“, so Praxisberaterin Christiane Fleißner-Mielke.

© Doodeez / Stock.adobe.com

Praktische Tipps

Aufgebrachte Patienten? Wie Praxisteams sicher deeskalieren

Ärztin untersucht Schilddrüse

© Peakstock - stock.adobe.com

Systematische Ursachensuche

Therapierefraktäre Hypothyreose: Was steckt dahinter?