"Aufgeklärt, aber ahnungslos" - Arzt bietet Schülern Hilfe an

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"Unsere Jugend ist aufgeklärt, aber ahnungslos." Diese Aussage der Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe nutzt der Berliner Jugendarzt Dr. Christoph Hilsberg als Slogan zu ärztlichen Informationsveranstaltungen für Jugendliche. Jetzt sucht er Nachahmer.

"Selbst die Kenntnisse von Gymnasiasten in der Oberstufe sind erschütternd schlecht", so Hilsberg. Doch der pensionierte Kinder- und Jugendarzt ist fest davon überzeugt, daß Ärzte das Blatt wenden können. Deshalb wirbt er für spezielle Jugendsprechstunden und jugendgerechtes Informationsmaterial zu den Themen Sexualität und Drogen in den Arztpraxen. Zudem setzt Hilsberg aus eigener Erfahrung auf Info-Veranstaltungen für Jugendliche im schulischen Umfeld.

Anfangs sind Schulen an ihn herangetreten, haben ihn zu Lehrerkonferenzen und Elternabenden, aber auch zu Infoveranstaltungen für die Schüler eingeladen. Hilsberg referiert vor den Jugendlichen nicht nur über Verhütung und Aids, sondern über alle Probleme, die während der Pubertät auftreten können - von sexuellen über psychische und soziale bis hin zu Drogenproblemen.

Drei Unterrichtsstunden braucht er dafür. Das übliche Gekicher, mit dem Jugendliche den Sexualkundeunterricht ihrer Lehrer meist kommentieren, gebe es dabei nicht, sagt der Jugendarzt. "Wenn man von außen kommt, hat man ganz andere Möglichkeiten als ein Lehrer."

Der schulische Aufklärungsunterricht hat nach Hilsbergs Meinung sein Ziel verfehlt. Der Arzt verweist darauf, daß laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung jedes Jahr durchschnittlich 14 000 Teenager schwanger werden. Zudem würden auch Fertilitätsstörungen und sexuell übertragbare Krankheiten stark zunehmen.

"Es gibt keine Berufsgruppe, die eine so gute Chance hat, Zugang zu Jugendlichen zu bekommen wie Ärzte", ist Hilsberg überzeugt. Wenn ein Arzt in der Praxis, etwa bei der Behandlung eines Jugendlichen mit Sportverletzung, Interesse für das allgemeine Befinden seines jungen Patienten zeige und keine zu spezifischen Fragen stelle, entstehe erst gar keine Hemmschwelle.

Bei eigenen Veranstaltungen verteilt Hilsberg Zettel, auf denen die Jugendlichen ihre Fragen anonym stellen können. "Manchmal nehmen mich die Schüler im Anschluß an die Veranstaltungen aber noch völlig ungeniert in die Mangel", berichtet er.

Natürlich gehört dazu viel Engagement. "Das geht weit über das hinaus, was abgerechnet werden kann. Aber es lohnt sich einfach, und ich bin doch nicht Arzt geworden, um nur Geld zu verdienen." Anregungen für die Gestaltung von Info-Veranstaltungen für Jugendliche, Lehrer und Eltern gibt Hilsberg auf seiner Homepage. Er bietet auch persönliche Unterstützung für Ärzte an, die seinem Beispiel folgen wollen. (ami)

Weitere Infos finden Sie im Internet unter www.drhilsberg.com

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