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Schizophrenie

B-Vitamine lindern die Negativsymptome

Folsäure und Vitamin B12 fördern soziale Aktivitäten bei Schizophreniekranken, zumindest bei Trägern bestimmter Genvarianten.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:

BOSTON. Das B-Vitamin Folsäure ist bekanntlich für die Entwicklung des Nervensystems sehr wichtig, ein Mangel gilt aber nicht nur als Risikofaktor für Neuralrohrdefekte, sondern auch für eine Schizophrenie.

So kam es in Ländern mit Hungerepisoden zwei Jahrzehnte später zu einem deutlichen Anstieg der Schizophrenieinzidenz. Bekannt ist auch, dass Personen mit bestimmten Genvarianten, die Enzyme des Folsäure-Stoffwechsels betreffen, ein erhöhtes Schizophrenierisiko haben, berichten Joshua Roffman und Mitarbeiter aus Boston.

Daraus lässt sich die Hoffnung ableiten, dass eine Folsäuretherapie die Symptome bei Schizophrenie etwas lindern könnte, vor allem bei solchen Patienten, die aus genetischen Gründen einen erhöhten Folsäurebedarf haben (JAMA Psychiatry 2013; 70(5): 481-489).

144 Patienten mit Symptomen trotz Antipsychotika

Nachdem bereits kleinere Studien mit Schizophreniepatienten einen Nutzen der Folsäure-Supplementation angedeutet hatten, prüfte das Team um Roffman nun eine Behandlung mit dem B-Vitamin bei 144 Patienten, die stabil auf Antipsychotika eingestellt waren, aber trotzdem noch deutliche Symptome zeigten - sie erreichten über 60 Punkte auf der Positiv- und Negativ-Symptomskala (PANSS).

Die Patienten erhielten über 16 Wochen hinweg entweder zur bisherigen Therapie zusätzlich Placebo oder aber Folsäure (2 mg/d) und Vitamin B12 (400 Mikrogramm/d). B12 wurde unter anderem hinzugenommen, um die Wirkung von Folsäure zu verstärken.

Die Ergebnisse: Insgesamt kam es gemessen mit der "Scale for the Assessment of Negative Symptoms" (SANS, Ausgangswert etwa 34 Punkte) im Vergleich zum Therapiebeginn zu einem signifikanten Rückgang um knapp 0,2 Punkte pro Woche. Im Vergleich zu Placebo war der Unterschied jedoch nicht signifikant.

Wurden jedoch nur Träger von Genvarianten betrachtet, die für den Folsäure-Stoffwechsel relevant sind und mit einem erhöhten Schizophrenierisiko einhergehen, so war der Rückgang beim SANS-Wert mit 0,33 Punkten pro Woche im Vergleich zu Placebo signifikant.

Vorteile bei Varianten vom Gen für Folathydrolase 1

Vor allem Patienten mit der Variante 484TT im Gen für Folathydrolase 1 - das waren etwa die Hälfte der Studienteilnehmer - profitierten von der Therapie.

Bei ihnen hatte der SANS-Wert mit Placebo nach 16 Wochen um etwa 2 Punkte zugenommen, mit der Vitamin-B-Therapie dagegen um etwa 6 Punkte abgenommen.

Folathydrolase ist entscheidend an der Folsäure-Resorption aus dem Darm beteiligt. Die Variante 484TT ermöglicht eine bessere Resorption. Offenbar konnten Patienten mit der sonst vorkommenden Varianten 484TC nicht schnell genug Folsäure aufnehmen, um von der Therapie zu profitieren.

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