Betablocker im Visier

Bei Hypertonie steigt das Risiko für Psoriasis

Bluthochdruck wirkt sich laut einer Studie längerfristig wohl auch auf die Haut aus: Das Risiko für Schuppenflechte steigt.

Veröffentlicht:

RHODE ISLAND. Schuppenflechte und Bluthochdruck sollen zusammenhängen? Zunächst scheint das nicht gerade naheliegend; doch eine Psoriasis betrifft nicht nur die Haut und die Hypertonie nicht nur die Gefäße.

Bereits frühere Untersuchungen weisen darauf hin, dass Patienten mit Psoriasis dazu neigen, einen Bluthochdruck zu entwickeln. Der umgekehrte Zusammenhang, also dass Bluthochdruck die Entwicklung einer Schuppenflechte fördert, scheint somit nicht abwegig.

Nun konnten Dr. Shaowei Wu von der Brown University in Rhode Island und Kollegen die Hypothese durch eine prospektive Studie stützen (JAMA Dermatology 2014; online 2. Juli).

Danach war das Risiko für Frauen mit Bluthochdruck höher als für normotensive Frauen. Allerdings war dieser Zusammenhang nach Adjustierung nur bei einer Hypertonie-Dauer von sechs Jahren signifikant: Das Risiko war dann um 27 Prozent erhöht. Schaut man genauer hin, waren sowohl Frauen mit Bluthochdruck gefährdet, die nie und solche, die aktuell antihypertensive Medikamente erhielten.

Generell stehen einige Antihypertensiva unter Verdacht, die Entwicklung einer Psoriasis fördern oder verschlimmern zu können. Diese Mutmaßung konnte in der Studie aber nur für Betablocker untermauert werden: Frauen, die sechs Jahre oder länger regelmäßig Betablocker nahmen, hatten ein um 39 Prozent höheres Risiko, eine Psoriasis zu entwickeln, als Frauen, die nie Betablocker bekamen.

Somit sei es naheliegend, dass das höhere Risiko bei antihypertensiver Medikation aus der Gabe von Betablockern resultiere, so die Autoren.

Für ihre Analyse suchten sie unter den 77.727 Teilnehmerinnen der Nurses‘ Health Study (1996 bis 2008) nach solchen, die eine Psoriasis diagnostiziert bekamen. Sie dokumentierten 843 Fälle während 1.066.339 Personenjahren.

Nach Ansicht der Autoren sprechen die Ergebnisse dafür, dass eine Hypertonie sowie eine antihypertensive Medikation mit der Entwicklung einer Psoriasis assoziiert sein könnten. Sie erklären sich diesen Zusammenhang damit, dass bei beiden Erkrankungen inflammatorische Prozesse eine Rolle spielen.

Dass der Zusammenhang erst nach sechsjähriger Hypertoniedauer sichtbar wird, passt zu dieser Erklärung. Denn je länger der Bluthochdruck andauert, desto höher sind die Konzentrationen an oxidativem Stress und Entzündungsmediatoren; diese verstärkte Entzündung wiederum könnte die Betroffenen anfälliger dafür machen, eine Schuppenflechte zu entwickeln.

Der exakte zugrundeliegende Mechanismus müsste jedoch erst in weiteren Untersuchungen geklärt werden, merken die Autoren an.In der Praxis könnte ein spezielles Psoriasis-Screening besonders bei Patienten mit länger andauernder Hypertonie und begleitender antihypertensiver Behandlung sinnvoll sein, schlussfolgern die Autoren. (vsc)

Mehr zum Thema

Weltweite Analyse

Nur jeder Zweite weiß von seiner Hypertonie

Das könnte Sie auch interessieren
Single Pill bessert Prognose bei Hypertonie

© [M] FotografiaBasica / Getty Images / iStock

Hypertonie-Therapie

Single Pill bessert Prognose bei Hypertonie

Kooperation | In Kooperation mit: APONTIS PHARMA
Polymedikation: Bei Patienten mit Hypertonie keine Seltenheit. Eine Single Pill hätte Vorteile.

© obs/dpa

START-Studie

Single Pill: Mehr Leitlinie in der Hypertonie wagen!

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA
Laser- und Strahlentherapie: Mit Dexpanthenol nachbehandeln

© Bayer Vital GmbH

DDG-Tagung 2021

Laser- und Strahlentherapie: Mit Dexpanthenol nachbehandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Dexpanthenol kompensiert den MMP3-Knockdown-Effekt

© Dr. Sebastian Huth / privat

ADF-Jahrestagung

Dexpanthenol kompensiert den MMP3-Knockdown-Effekt

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bessere Wundheilung unter Dexpanthenol-haltigen Topika

© Mark Kostich / iStockphoto

Radiodermatitis

Bessere Wundheilung unter Dexpanthenol-haltigen Topika

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
T-Zellen attackieren Krebszellen - Basis einer Therapieoption, die jetzt auch für Patienten mit soliden Tumoren entwickelt wird.

© Design Cells / stock.adobe.com

Neue Säule in Onkologie?

CAR-T-Zelltherapie nimmt Kurs auf neue Krebsformen

Per Alexa können schnell alle möglichen Gesundheitsinformationen im Web abgerufen werden.

© Andrew Matthews/empics/picture alliance

Gesundheitswirtschaftskongress

„Amazonisierung“ in der Medizin muss kein Schreckgespenst sein