Bei M. Crohn ein Immunsuppressivum als erste Arznei?

FREIBURG (gvg). Würden Patienten mit Morbus Crohn davon profitieren, wenn sie statt der gängigen "Step-up-Behandlung" eine initial eher aggressive "Step-down-Therapie" erhielten? Der Gastroenterologe Professor William Sandborn von der Mayo-Klinik im US Bundesstaat Minneapolis jedenfalls ist davon überzeugt, daß sich dies positiv auf den komplikationsreichen Verlauf der Erkrankung auswirken könnte. Er fordert einen Strategiewechsel.

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Trotz der unbestreitbaren Tatsache, daß sich die Lebenserwartung von Patienten mit Morbus Crohn mittlerweile fast normalisiert habe, dürften Ärzte die Augen nicht davor verschließen, daß die medikamentöse Therapie, so wie sie im Moment praktiziert werde, das Fortschreiten der Erkrankung nicht aufhalte, sagte Sandborn bei der von der Falk Foundation unterstützten Gastroenterologie-Woche 2004 in Freiburg.

Das gängige Stufenschema für die Pharmakotherapie sieht vor, daß Morbus-Crohn-Patienten zunächst Präparate mit 5-Aminosalicylsäure (5-ASA) und topische Steroide erhalten, und dann, abhängig vom Verlauf, zunächst systemische Steroide und schließlich Immunsuppressiva.

Dieses Vorgehen ändere nichts daran, daß vier von fünf Patienten Komplikationen entwickelten, die Operationen erforderlich machten, und daß sich in jedem beliebigen Drei-Jahres-Zeitraum nur ein Viertel der Patienten dauerhaft in Remission befände, so Sandborn. Die Wahrscheinlichkeit für einen Patienten mit Morbus Crohn, wegen Komplikationen am Darm, etwa Strikturen, operiert werden zu müssen, betrage 80 Prozent.

Und nach 15 Krankheitsjahren habe jeder dritte Patient mindestens zwei Operationen und jeder fünfte Patient drei oder mehr chirurgische Eingriffe hinter sich. Der Preis für das Stufenschema seien eine hohe Rate an Steroid-Komplikationen und eine stete Progression der Erkrankung, sagte Sandborn.

Sandborn fordert deswegen Studien, in denen Patienten mit neu diagnostiziertem Morbus Crohn von Anfang an mit hochdosierten Immunsuppressiva behandelt werden. Sein Favorit ist das gut verträgliche Azathioprin (etwa Azafalk®), für dessen frühe Anwendung schon eine Pilotstudie bei einer kleinen Zahl jugendlicher Morbus-Crohn-Patienten vorliege. Aber auch Methotrexat oder Infliximab seien Kandidaten für eine aggressive First-Line-Therapie mit dem Ziel, langfristig Komplikationen zu vermeiden.

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