Bei Schizophrenie ist die Compliance kritisch

MÜNCHEN (wst). Patienten mit Schizophrenie haben oft ein großes Misstrauen gegen Ärzte und Medikamente. Dies bedingt meist eine äußerst fragile Compliance. Durch eine Präparatesubstitution könnte die Compliance bei solchen Patienten zusätzlich gefährdet werden.

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Bei Schizophrenie-Kranken ist ein Wechsel der Präparate riskant. Das gilt selbst dann, wenn zwischen einem Originalpräparat und einem Generikum oder zwischen zwei Generika mit gleichen Wirkstoffen Wirkungs- und Verträglichkeitsäquivalenz gegeben ist. Darauf hat Professor Hans-Jürgen Möller von der Universität München hingewiesen.

Denn viele Schizophrenie-Patienten hätten eine geringe Krankheitseinsicht und ein ausgeprägtes Misstrauen gegen die Therapie. Schon ein anderes Aussehen der Medikation oder die ehrliche Begründung, das Alternativpräparat koste weniger, könnten die Patienten zum Therapie-Abbruch verleiten. Kommt es dann zum Rezidiv, stünden den relativ kleinen Einsparungen an Medikamentenkosten erhebliche Mehrkosten durch die Rehospitalisierung gegenüber, warnte Möller auf einer Veranstaltung von Janssen-Cilag in München. Denn: Bei den Ausgaben der GKV für Schizophrenie-Kranke entfiel 2004 auf Arzneikosten nur ein Anteil von 5 bis 15 Prozent, dagegen dienten etwa 56 Prozent aller GKV-Ausgaben in dem Diagnosebereich (ICD-10 Code F20-F29) der Finanzierung von Klinik-Aufenthalten.

Auf ein gleichwertiges Generikum umzusteigen könne bei einsichtigen Patienten erwogen werden, bei denen Therapieänderungen kein Problem gemacht hatten, hat Privatdozent Dr. Klaus-Christian Steinwachs aus Nürnberg ergänzt. Bei misstrauischen Patienten oder solchen, die auf "ihr" Präparat pochen, würde er von einem Wechsel absehen. Eine solche Sicht werde auch durch die Substitutionsleitlinien der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG) gedeckt, sagte Steinwachs.

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