Direkt zum Inhaltsbereich

Bei Vorhofflimmern haben Frauen gehäuft Schlaganfälle

MANNHEIM (skh). Frauen mit Vorhofflimmern bekommen unabhängig vom Alter häufiger Schlaganfälle und thromboembolische Ereignisse als Männer. Ein einfacher Fragetest hilft, das Schlaganfall-Risiko abzuschätzen, und erleichtert die Entscheidung für eine Therapie mit Antikoagulanzien.

Veröffentlicht:

Vorhofflimmern ist bei Frauen die häufigste Ursache für schwere Schlaganfälle, sagt Dr. Christa Gohlke-Bärwolf vom Herzzentrum in Bad Kreuznach. So bekommen Frauen etwa im Framingham-Risk-Score für das Fünf-Jahres-Schlaganfall-Risiko bei Vorhofflimmern allein wegen des Geschlechtes sechs Punkte mehr als Männer, berichtete Gohlke-Bärwolf beim Kardiologen-Kongress in Mannheim.

In einer prospektiven Studie mit 13 500 Patienten mit Vorhofflimmern wurde die Rate an Schlaganfällen und peripheren thromboembolischen Ereignissen untersucht (Circulation 112, 2005, 1687).

Ergebnis: Weibliche Studienteilnehmer hatten mit 3,5 Prozent ein fast doppelt so hohes Risiko, ohne orale Antikoagulation innerhalb eines Jahres ein thromboembolisches Ereignis zu bekommen wie Männer (1,8 Prozent). In einer Studie der Euro Heart Survey on Atrial Fibrillation mit 2200 Frauen und 3000 Männern mit Vorhofflimmern lagen die Risiken für Schlaganfälle und periphere Thromboembolien für Frauen bei sieben und vier Prozent, für Männer bei fünf und zwei Prozent (JACC 49, 2007, 572).

Den Geschlechterunterschied beim Schlaganfall-Risiko bestätigen zudem sechs weitere Studien mit insgesamt fast 10 000 Patienten, die in einer neueren Meta-Analyse berücksichtigt wurden, so Gohlke-Bärwolf.

Das individuelle Schlaganfallrisiko bei Vorhofflimmern lässt sich mit dem CHADS-2-Score - über die Risikofaktoren Herzinsuffizienz, Hypertonie, Diabetes und frühere Hirnischämie - ermitteln. Je nach Punktzahl kann zudem die Entscheidung getroffen werden, ob eine Antikoagulation mit ASS ausreicht, oder ob ein Patient mit Warfarin oder Cumarin behandelt werden sollte, so Gohlke-Bärwolf.

STICHWORT

CHADS-2-Score

In dem Score-Test gibt es für die Risikofaktoren Herzinsuffizienz, Hypertonie, Alter über 75 Jahre und Diabetes jeweils einen Punkt. Patienten, die früher einen Schlaganfall oder eine TIA hatten, bekommen zwei Punkte.

Das Risiko, innerhalb eines Jahres einen Schlaganfall zu bekommen, steigt mit zunehmender Punktzahl von knapp zwei Prozent bei null Punkten auf über 18 Prozent bei sechs Punkten.

Bei null Punkten ist eine Antikoagulation mit ASS, bei einem Punkt mit ASS oder Cumarin und bei zwei oder mehr Punkten mit Cumarin angezeigt (JAMA 285, 2001, 2864).

(skh)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Phase-III-Studie EMPHASIS

Antibiotikum verbessert wohl Prognose nach leichtem Schlaganfall

ACC-Kongress

Vorhofflimmern: Kann ein Vorhofohrverschluss die Antikoagulation ersetzen?

Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Abb. 2: Sekundärer Endpunkt der BOREAS-Studie: Veränderung der Lungenfunktion unter Dupilumab versus Placebo

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Typ-2-Inflammation bei COPD

Bessere Lungenfunktion und mehr Lebensqualität durch IL-4/-13-Hemmung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Berlin, und Regeneron GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Herzinsuffizienz

Erste klinische Studie belegt Wirksamkeit des Herzpflasters

Sie fragen – Experten antworten

Noch impfen nach einer RSV-Erkrankung?

Änderungen aus dem GOLD-Update

Neues Vorgehen bei COPD: Proaktiv statt reaktiv!

Lesetipps
Ein Arzt hält ein Model des männlichen Geschlechtstraktes und zeigt mit einem Stift auf die Prostata.

© Peakstock / stock.adobe.com

Cochrane-Review

Prostatakrebs: Wie ist denn nun die Evidenz des PSA-Screenings?

Modell des Darms

© SewcreamStudio / Stock.adobe.com

FODMAP, Hypnose, Stuhltransfer

Diese Interventionen helfen beim Reizdarmsyndrom

Die Ärzte Zeitung ist jetzt auch auf Instagram aktiv.

© prima91 / stock.adobe.com

Social Media

Folgen Sie der Ärzte Zeitung auf Instagram