Implantate

Bei chronischer Infektion fördern Immunzellen den Knochenabbau

Veröffentlicht:

HEIDELBERG. Etwa ein bis zwei Prozent der Gelenkprothesen lockern sich frühzeitig nach der Implantation, häufig hervorgerufen von einer hartnäckigen bakteriellen Infektion. Aber nicht die Bakterien schädigen direkt den Knochen. Vielmehr fördern Immunzellen im Laufe der chronischen Entzündung dessen Abbau, wie Dr. Ulrike Dapunt von der Orthopädischen Uniklinik Heidelberg entdeckt hat.

Neu ist auch die Erkenntnis, wie die Immunzellen die in einem Biofilm verborgenen Bakterien überhaupt erkennen. Für ihre Arbeiten ist Dapunt nun mit dem Anita und Friedrich Reutner Preis der Medizinischen Fakultät Heidelberg ausgezeichnet worden (Dotation 7000 Euro), teilt die Uniklinik Heidelberg mit.

Mit Hilfe von Zellkulturen und durch eine Untersuchung von Gewebeproben nahm Dapunt die Immunreaktionen zwischen Knochen und Biofilm genauer unter die Lupe. Sie entdeckte, dass während der anhaltenden Abwehrreaktion Botenstoffe ausgeschüttet werden, die Osteoklasten aktivieren, heißt es weiter.

Das Signal zum Knochenabbau kommt im Laufe der Entzündung sowohl von Immunzellen als auch Zellen des Knochengewebes.

Doch wie erkennt das Immunsystem die im Biofilm verborgenen Bakterien? "Man ging bisher davon aus, dass das Immunsystem die Bakterien im Biofilm gar nicht wahrnimmt. Aber das stimmt nicht. Wir fanden in der Bakterienmatrix ein Protein namens GroEL, das Immunzellen aktiviert.

Sie attackieren dann den Biofilm- offensichtlich bei den Patienten, die eine chronische Infektion entwickeln, weniger erfolgreich als bei denen ohne diese Problematik", wird Dapunt zitiert. Einen Rezeptor der Immunzellen für dieses Protein konnte sie vor Kurzem mit Kollegen des Instituts für Immunologie und des Pathologischen Instituts am Universitätsklinikum Heidelberg identifizieren.

 Daran wollen die Wissenschaftler zukünftig weiter forschen und, wenn möglich, Proteine entwickeln, die diesen Erkennungsmechanismus blockieren. Ziel ist es, ein ergänzendes therapeutisches Konzept zu entwickeln, das, zusätzlich zur Bekämpfung der Bakterieninfektion, die überschießende Immunreaktion gezielt eindämmt, bevor der Knochen Schaden nimmt. (eb)

Mehr zum Thema

Rheumatoide Arthritis

Praxiserfahrungen bestätigen Studienergebnisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Galapagos Biopharma Germany GmbH, München

Kasuistik

Suspekte Arthralgie: Mit DMARD intervenieren oder abwarten?

Das könnte Sie auch interessieren
Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

© Pascoe Naturmedizin

Vitamin-C-Therapie

Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Mit Vitamin C gegen schwere Langzeitfolgen

© designer491 / Getty Images / iStockphoto

Long-COVID

Mit Vitamin C gegen schwere Langzeitfolgen

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Long-COVID-Syndrom: Warum Frauen häufiger betroffen sind

© Pascoe Naturmedizin

Vitamin-C-Infusionen bei Long-COVID

Long-COVID-Syndrom: Warum Frauen häufiger betroffen sind

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Corona-Impfung in einer kommunal organisierten Impfstelle im thüringischen Jena. Die Ärztekammer in Thüringen dringt auf eine generelle Impfpflicht, auch die BÄK hält dies angesichts der aktuellen Lage für geboten.

© Martin Schutt / dpa

BÄK-Brief an Merkel und Scholz

Ärzte drängen auf allgemeine Corona-Impfpflicht

Auch in Deutschland sollen bald Corona-Impfungen der 5- bis 11-Jährigen möglich sein.

© SvenSimon / Frank Hoermann / picture alliance

Corona-Impfungen bei Unter-12-Jährigen

BVKJ-Chef Fischbach: „Kinder sollen jetzt den Blutzoll zahlen“

Sollen Apotheker gegen COVID-19 mitimpfen dürfen?

© Michaela Illian (li) | Sven Bratulic (re)

Pro & Contra

Sollen Apotheker gegen COVID-19 mitimpfen dürfen?