Schwangerschaft

Bei diesen Warnzeichen sollten Schwangere zum Augenarzt!

Wechselnde Sehschärfe, Schatten oder Flimmern? Dies könnten bei Schwangeren Hinweise auf Gestationsdiabetes oder Präeklampsie sein.

Veröffentlicht: 09.08.2018, 06:30 Uhr
Fundoskopie: Bei fast allen Augenerkrankungen von Schwangeren ist eine normale Entbindung möglich.

Fundoskopie: Bei fast allen Augenerkrankungen von Schwangeren ist eine normale Entbindung möglich.

© coldwaterman / Fotolia

MÜNCHEN. Jede sechste werdende Mutter ist während der Schwangerschaft von Augenproblemen betroffen. Die meisten Beschwerden sind harmlos und bilden sich nach der Schwangerschaft von selbst zurück, erinnern Experten der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) in einer Mitteilung.

Viele Schwangere bekommen etwa bräunliche Flecken um die Augen herum, die zum Nasenrücken auslaufen. Diese Pigmenteinlagerungen sind harmlos und verschwinden nach der Schwangerschaft von selbst. Seltener kommt es zu leichten Einblutungen unter die Bindehaut, die zwar beängstigend aussehen, das Sehvermögen jedoch nicht beinträchtigen.

In seltenen Fällen können aber auch Symptome auftreten, die auf einen Gestationsdiabetes oder eine Präeklampsie hinweisen.

Augen auf bei diesen Beschwerden

  • Trockene Augen und Sehschwäche: Schwangerschaftshormone können die Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit verändern. Dadurch trocknen die Augen schneller aus, sind häufig gereizt und brennen. "Während einer Schwangerschaft ist es deshalb ratsam, auf Kontaktlinsen zu verzichten oder Augentropfen mit künstlicher Tränenflüssigkeit zu verwenden", empfiehlt Privatdozent Dr. Thomas Neß vom Universitätsklinikum Freiburg in der DOG-Mitteilung.
  • Kurzsichtigkeit: Bei 14 Prozent der werdenden Mütter ändert sich in den Schwangerschaftsmonaten die Brillenstärke – eine Kurzsichtigkeit kann sich um bis zu 1,5 Dioptrien verschlechtern. "Das liegt daran, dass sich Flüssigkeit in der Linse und in der Hornhaut einlagert, die die Brechkraft verändert", erklärt Neß. Bei den meisten Frauen bilden sich diese Veränderungen laut dem Experten nach der Geburt wieder zurück, sodass der Kauf einer neuen Brille in der Regel nicht lohnt. Aus diesem Grund sollten Schwangere sich auch nicht die Augen lasern lassen – frühestens ein Jahr nach der Geburt ist die Brillenstärke wieder ausreichend stabil dafür.
  • Wechselnde Sehschärfe: Ändert sich die Sehschärfe plötzlich oder mehrmals am Tag, kann das ein Zeichen für Gestationsdiabetes sein. Durch die Blutzuckerschwankungen kommt es zu Wassereinlagerungen in der Augenlinse, die die Brechkraft verändern, sodass das scharfe Sehen verloren geht. "Wer solche Anzeichen bei sich bemerkt, sollte unbedingt einen Augenarzt aufsuchen", rät Neß. Erhärtet sich der Verdacht, wird die Patientin an den Hausarzt oder Internisten überwiesen, der sie auf Diabetes hin untersucht. Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft einen Diabetes haben, müssen engmaschig überwacht werden, da die diabetesbedingten Veränderungen an der Netzhaut im Laufe der Schwangerschaft behandlungsbedürftig werden können.
  • Schatten, Flimmern, Sehverlust: Wenn Teile des Gesichtsfelds schwarz werden oder Blitze vor den Augen auftreten, können das Anzeichen einer Präeklampsie sein. Bis zu zehn Prozent aller Schwangeren leiden – nicht selten unbemerkt – an Bluthochdruck. "Bei vielen Betroffenen lässt sich der Hochdruck an einer veränderten Netzhaut ablesen", sagt Neß. "Diese müssen dringend weiter untersucht werden, denn Bluthochdruck kann Mutter und Kind in Gefahr bringen", betont der Experte.

Bei nahezu allen Augenerkrankungen ist eine normale Entbindung möglich. Weder Kurzsichtigkeit noch ein Glaukom, eine vorherige Netzhautablösung oder eine vorherige Augenoperation sind ein Grund für einen Kaiserschnitt. (eb)

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
PD Dr. Focke Ziemssen

Gestationsdiabetes

Für Diabetes in der Schwangerschaft ist es wichtig zu differenzieren, ob eine vorher bestehende Problematik zufällig bemerkt wurde. Liegt nur eine Glukoseinteloranz vor, die erstmals in der Schwangerschaft aufgetreten ist, gibt es kein Risiko einer Retinopathie (z.B. Macfalane DP et al Diab Med 2013). Deshalb empfiehlt die NVL hier auch keine Screening.
Selbstverständlich verhält es sich anders mit einem vorbestehenden Typ 1 Diabetes, der insbesondere im zweiten Trimenon und/oder postpartal eine Progression zeigt. Ist ein MODY für den Schwangerschaftsdiabetes verantwortlich, ist auch in der Regel keine Retinopathie zu erwarten.


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