Dem Herz zuliebe

Besser kein Sport nach schwerer Arbeit

Bewegung beugt Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor, das ist bekannt. Wer sich allerdings schon im Beruf körperlich schwer anstrengt, dem bringt Sport nicht viel - im Gegenteil.

Dr. Robert BublakVon Dr. Robert Bublak Veröffentlicht:

VARESE. Körperliche Bewegung gilt als probates Mittel, um Herzkreislauf-Erkrankungen vorzubeugen. Die WHO empfiehlt ein wöchentliches Pensum von mindestens 150 Minuten mäßiger oder 75 Minuten starker physischer Belastung.

Welchen Effekt hat aber körperliche Belastung am Arbeitsplatz? Studiendaten hierzu sind widersprüchlich: Manche sprechen für eine Schutzwirkung vor KHK oder anderen kardiovaskulären Erkrankung (KVK), andere dagegen nicht.

Ein Forscherteam um Professor Marco Ferrario von der Universität von Insubrien in Varese hat jetzt die Daten von knapp 3600 berufstätigen Männern im Alter zwischen 25 und 64 Jahren analysiert (Heart 2018, online 9. Februar).

Die Probanden hatten zu Studienbeginn keine Herzkreislauf-Erkrankungen gehabt. Abhängig von ihren körperlichen Belastungen im Beruf wurden sie jeweils einer von drei Gruppen zugeordnet. Insgesamt erkrankten binnen im median 14 Jahren 135 Männer an KHK und 174 an KVK.

Bestätigt: Sport hat positiven Effekt

Die Wahrscheinlichkeit für eine solche Erkrankung lag für Männer mit niedriger körperlicher Belastung (etwa Büroarbeit) um 50 bis 60 Prozent über jener von Männern mit mittlerer Belastung (Handwerker wie Klempner oder Schreiner).

Körperlich schwer arbeitende Männer (zum Beispiel Schiffsbauer) hatten im Vergleich zu Männern mit mittlerer Belastung ein 20 bis 30 Prozent höheres Risiko (die Unterschiede waren statistisch nicht signifikant).

Sport hatte in der Studie die vielfach nachgewiesenen positiven Effekte. Bei Männern mit dem (teilweise) empfohlenen Pensum war im Vergleich zu Männern ohne Sport das Risiko für KHK oder KVK um 20 bis 30 Prozent verringert.

Die Schutzwirkung von Sport hing allerdings von der physischen Belastung im Beruf ab. So bot Sport nur für diejenigen Männer einen Schutz für Herz und Gefäße, die beruflich kaum körperlich arbeiten mussten. In dieser Gruppe reduzierte sportliche Aktivität mit mäßiger oder empfohlener Intensität die Gefahr für KHK und KVK um gut die Hälfte.

Schon bei moderat belastender körperlicher Arbeit war aber keine protektive Wirkung von Sport mehr festzustellen. Noch weniger war dies bei physisch stark fordernden Berufen der Fall: Hier stieg sogar die Ereignisrate für KHK und KVK im Mittel (wenn auch nicht signifikant) um 66 Prozent an, wenn zusätzlich noch viel Sport getrieben wurde.

Sport muss zu physischen Anforderungen im Beruf passen

Der interaktive Effekt von körperlicher Arbeit und Sport erwies sich als statistisch relevant. Die Präventionsmediziner sehen ihre Ergebnisse als Beleg dafür, dass Schwerarbeiter, die zusätzlich noch viel Sport treiben, sich möglicherweise zu sehr erschöpfen und ihr Herz-Gefäß-System überlasten.

Ihr Vorschlag: "Künftige Leitlinien zur KHK-Prävention sollten die Empfehlungen zur körperlichen Belastung während der Freizeit an das Niveau der physischen Anforderungen im Beruf anpassen."

Eingeschränkt wird die Aussagekraft der Studie zum einen dadurch, dass alle Daten zu Sport und Arbeitslast auf Selbstangaben der Probanden beruhten.

Zudem wurden Männer, die Büroarbeit verrichteten, mit Männern verglichen, die ihren Beruf im Blaumann ausübten. Das impliziert auch mögliche Unterschiede im Lebensstil. Zwar wurde versucht, das in den Berechnungen auszugleichen.

Ob das aber gelungen ist, kann angesichts etwa der deutlich höheren Anteile von Rauchern und Konsumenten größerer Alkoholmengen in der Gruppe der körperlich schwer Arbeitenden bezweifelt werden.

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