Darmkrebs

Bessere Prognose trotz fortgeschrittenem Stadium

Bei jungen Darmkrebspatienten wird der Tumor meist in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Trotzdem haben sie eine bessere Prognose. Das liegt vielleicht auch an einer aggressiveren Therapie.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Jüngere Patienten erhielten laut US-Krebsregister eine etwas aggressivere Behandlung als ältere.

Jüngere Patienten erhielten laut US-Krebsregister eine etwas aggressivere Behandlung als ältere.

© psdesign1 / fotolia.com

ANN ARBOR. Die Darmkrebsinzidenz hat in den vergangenen Jahren bei jüngeren Menschen stetig zugenommen. Schätzungen gehen davon aus, dass im Jahr 2030 jeder zehnte Patient mit Kolon-Ca und jeder vierte mit einem Rektum-Ca jünger als 50 Jahre sein wird, berichten Forscher um Dr. Zaid Abdelsattar vom Zentrum für Gesundheitsforschung an der Universität in Ann Arbor.

Unter 50-Jährige werden in der Regel jedoch nicht in Screeningprogramme aufgenommen, sodass sie im Vergleich zu älteren Patienten meist erst in einem symptomatischen Stadium der Erkrankung mit deutlich fortgeschrittenen Tumoren vorstellig werden.

Das Team um Abdelsattar hat nun anhand von Daten des US-Krebsregisters SEER* geschaut, ob sich bei den jüngeren Patienten Unterschiede bei der Behandlung und der Prognose ergeben (Cancer 2016; 122(6): 929-934).

Sie konnten Angaben von über 258.000 Patienten auswerten, die in den Jahren 1998 bis 2011 an einem Kolorektalkarzinom erkrankt waren. 15 Prozent hatten zum Zeitpunkt der Diagnosestellung das 50. Lebensjahr noch nicht überschritten. Im Schnitt waren die jüngeren Patienten bei der Diagnose 42 Jahre alt, die älteren 65 Jahre.

Metastasen bei jedem Vierten

Rektalkarzinome traten bei den jüngeren Patienten deutlich häufiger auf als bei den älteren (31 versus 22 Prozent). Nach Berücksichtigung einer Reihe von Begleitfaktoren wie Geschlecht, Ethnie, Diagnosejahr und Lokalisation hatten jüngere Patienten seltener ein lokal begrenztes Karzinom (36 versus 42 Prozent), dafür häufiger einen regional fortgeschrittenen Tumor mit Lymphknotenbefall oder Ausdehnung auf Nachbarorgane (39 versus 37 Prozent) und häufiger einen metastasierten Tumor (25 versus 20 Prozent).

Primärtumor häufiger entfernt

Praktisch alle Patienten mit lokalen und regionalen Tumoren wurden operiert, bei Metastasen entfernten die Ärzte den Primärtumor deutlich häufiger bei den jüngeren Patienten (bei 71 versus 66 Prozent).

Eine Bestrahlung wurde den jüngeren Patienten ebenfalls häufiger angeboten: So bekamen 36 Prozent mit lokal begrenztem, 82 Prozent mit regional fortgeschrittenem und 49 Prozent mit metastasiertem Tumor eine Radiatio. Bei den älteren Patienten waren dies jeweils nur 30, 78 und 42 Prozent. Insgesamt erhielten die jüngeren Patienten also eine etwas aggressivere Behandlung.

Obwohl sie häufiger von einem fortgeschrittenen Tumor befallen waren, lebten sie geringfügig länger. So waren von den Jungen nach fünf Jahren noch 67,7 Prozent am Leben, von den älteren noch 66,8 Prozent - ein kleiner, wenngleich signifikanter Unterschied (p = 0,008).

Auch bezogen auf die drei Tumorstadien zeigte sich jeweils ein deutlicher Überlebensvorteil für die jüngeren Patienten: Mit lokal begrenztem Tumor lebten nach fünf Jahren noch 95 versus 92 Prozent, mit regional fortgeschrittenem 76 versus 70 Prozent und mit einem metastasiertem Karzinom 21 versus 14 Prozent. Jüngere Patienten scheinen folglich unabhängig vom Tumorstadium bessere Überlebenschancen zu haben.

 Dies, so die Autoren der Analyse, liege wohl nicht nur am Alter, sondern auch daran, dass jüngere Patienten eher eine aggressive Therapie akzeptieren und vertragen.

*SEER: Surveillance, Epidemiology, and End Results

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