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Typ-1-Diabetiker

Betthupferl gegen nächtliche Unterzuckerung?

Kann ein später Snack die Gefahr von Unterzuckerungen bei Typ-1-Diabetikern während der Nacht reduzieren? Forscher sichteten Studien zum Mitternachtsimbiss.

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht:
Helfen kleine Mahlzeiten vor dem Schlafengehen die Zeit bis zum Frühstück besser zu überbrücken?

Helfen kleine Mahlzeiten vor dem Schlafengehen die Zeit bis zum Frühstück besser zu überbrücken?

© iStock / Thinkstock

MONTREAL. Ein "Betthupferl" kommt meist als etwas Süßes, Schokoladiges daher. Der Zweck dieser kleinen Kalorienbomben zu nachtschlafender Zeit ist nicht ganz klar, möglicherweise besänftigen sie nach einem aufreibenden Tag oder locken Kinder zur Schlafenszeit reibungsloser in Richtung Bett.

Auf jeden Fall hilft eine kleine Mahlzeit vor dem Schlafengehen denjenigen, die nicht sofort nach dem Abendessen zu Bett gehen, die Zeit bis zum Frühstück besser zu überbrücken.

Ob auch Typ-1-Diabetiker von einem zusätzlichen Mitternachtsimbiss profitieren, haben jetzt kanadische Wissenschaftler in einem Review untersucht (Diabetes Obesity Metabolism 2013; online 9. Dezember).

16 Studien mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen

Obwohl Diabetikern im klinischen Alltag immer wieder zu einem kleinen, späten Imbiss geraten wird, gibt es hierzu bislang nur wenige wissenschaftliche Untersuchungen und keine evidenzbasierten Empfehlungen.

Katherine Desjardins und Kollegen von der Universität Montreal haben 16 Studien mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zu den Effekten solch kalorischer Strategien bei Typ-1-Diabetikern zusammengetragen und analysiert.

Die Auswertung ergab, dass Patienten, die mit Humaninsulin oder Insulin tierischen Ursprungs (kurzwirksames Insulin kombiniert mit Insulinen langer, ultralanger und/oder mittellanger Wirkzeit) behandelt werden, der nächtlichen Unterzuckerung am besten mit einem an den Glukosewert angepassten Nachtimbiss entgegenwirken können.

Gegenüber Diabetikern mit oder ganz ohne Standardsnack lagen die nächtlichen Blutzuckerwerte höher, und es kam seltener zu Hypoglykämien. Am Morgen waren die Werte in allen Gruppen ähnlich.

Alanin gut für Prävention

Hinsichtlich der günstigsten Zusammensetzung eines späten Imbisses ergaben sich einige Hinweise darauf, dass Bestandteile wie ungekochte Maisstärke oder die Aminosäure Alanin positiven Einfluss auf die Prävention nächtlicher Hypoglykämien hatten.

Doch die Studienanalyse ergab auch viele widersprüchliche oder negative Ergebnisse, etwa für Patienten, die Insulinanaloga im Rahmen einer intensivierten Therapie oder Insulinpumpen nutzten.

Auch durch die Einnahme von Alpha-Glucosidaseinhibitoren für einen verzögerten Kohlenhydratabbau oder den Verzehr ballaststoffreicher Nachtimbisse konnten nächtliche Hypoglykämien nicht verhindert werden.

Bis tatsächlich aussagekräftigere Untersuchungen vorliegen, halten die kanadischen Autoren aus Montreal nicht die generelle, sondern höchstens eine individualisierte Empfehlung für den Nachtimbiss, vor allem bei hohem Hypoglykämierisiko, für sinnvoll.

Pro Betthupferl: Sport, Alkohol oder niedrigem Blutzucker

Zu diesem Personenkreis gehören insbesondere langjährig Erkrankte oder Patienten, die Unterzuckerungen nicht erkennen. Auch körperliche Aktivität, Alkoholkonsum oder ein niedriger Blutzuckerwert vor dem Zubettgehen können ein Argument für ein "Betthupferl" sein.

Allerdings geben die Autoren zu bedenken, dass die meisten der analysierten Studien mit geringen Probandenzahlen und unter zum Teil sehr heterogenen Bedingungen durchgeführt wurden.

Auch waren die Beobachtungszeiten meist nur sehr kurz, sodass die Auswirkungen später Imbisse etwa auf den HbA1c-Wert nicht berücksichtigt werden konnten.

Desjardins und Kollegen warnen deshalb davor, aus den vorliegenden Studien Empfehlungen abzuleiten, und fordern vielmehr weitere Untersuchungen.

Darüber hinaus geben sie zu bedenken, dass Strategien gegen nächtliche Unterzuckerungen gegen mögliche Begleiteffekte wie Hyperglykämien und Gewichtszunahme abgewogen werden müssen - ganz abgesehen von den Zahnschäden, wenn danach nicht noch einmal die Zahnbürste zum Einsatz kommt.

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