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Sehende Hände

Blinde Frauen lernen, Tumoren zu ertasten

Medizinische Tastuntersucherinnen können die Brustkrebsvorsorge ergänzen.

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HALLE. Das Berufsförderungswerk für Blinde und Sehbehinderte (BFW) in Halle hat bereits zum zweiten Mal blinde Frauen zu Medizinische Tastuntersucherinnen (MTU) ausgebildet, wie André Kunnig vom BFW berichtet.

Eine Teilnehmerin hat das Zertifikat bereits im ersten Jahr bekommen. Drei weitere haben nun ihre letzten Prüfungen erfolgreich bestanden. Weitere Kurse sollen folgen.

Die Idee, den besonderen Tastsinn von Blinden zu nutzen, kam vor einigen Jahren auf. Der Gynäkologe Frank Hoffmann startete 2007 am BFW Düren das Projekt "Discovering Hands" (Entdeckende Hände), wie Projekt-Sprecher Stefan Wilhelm berichtet.

Heute gibt es weitere Ausbildungsstandorte in Mainz, Nürnberg und Halle.

Nach ihrer neunmonatigen Ausbildung beginnen die Frauen in Berlin, wo sie derzeit auch leben, ihre Arbeit. "Im November 2014 wurde dort ein neues Zentrum für Medizinische Tastuntersucherinnen gegründet", sagt Kunnig.

Die Klinik hat sie übernommen. Die Akzeptanz für den neuen Beruf würde langsam wachsen. Nach Angaben von "Discovering Hands" bieten bundesweit 20 gynäkologische Praxen und Kliniken die Tastuntersuchung durch die MTUs an.

"Wir ersetzen Ultraschall und Mammografie zwar nicht, aber wir sind eine gute Ergänzung", sagt Silke Germersdorf, eine MTU. Die Patientinnen würden sich bei den Untersuchungen wohlfühlen. "Sie merken, dass sich jemand Zeit für sie nimmt."

Zudem spürten MTUs Knötchen aufgrund ihres besonderen Tastsinns oft eher als ein Arzt, der nicht immer viel Zeit für eine Untersuchung habe, meint Germersdorf.

Nach aktuellen Zahlen des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) erkrankten 2010 bundesweit mehr als 70.000 Frauen an Brustkrebs — Tendenz steigend.

Trotzdem sterben deutlich weniger Patientinnen an diesem Krebs als vor zehn Jahren. Auf etwa 100 Brustkrebserkrankungen bei Frauen kommt nach DKFZ-Angaben eine bei einem Mann. (dpa)

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