Direkt zum Inhaltsbereich

Blutdrucksenkung allein ist noch kein Nierenschutz

ESSEN (grue). Damit nierenkranke Hypertoniker und Typ-2-Diabetiker langfristig vor einer Dialyse bewahrt werden, sind zwei Maßnahmen nötig: Der Blutdruck muß gesenkt und die Eiweißausscheidung muß gebremst werden.

Veröffentlicht:

Daran hat Professor Eberhard Ritz von der Universität Heidelberg bei einer Veranstaltung des Unternehmens Boehringer Ingelheim in Essen erinnert. "Am wichtigsten ist dabei eine gute Blutdruckeinstellung", sagte Ritz.

Das läßt sich an der glomerulären Filtrationsrate (GFR) als Maß der Nierenfunktion festmachen: In der MDRD-Studie hatten Patienten mit einem arteriellen Mitteldruck von 107 mmHg einen jährlichen GFR-Verlust von 3,4 ml/min, bei einer besseren Blutdruckeinstellung mit einem Mitteldruck von 91 mmHg betrug der GFR-Verlust nur 1,9 ml/min pro Jahr.

    Eiweißverlust erhöht Risiko für die Dialyse unabhängig vom Blutdruck.
   

Dennoch ging bei den Patienten mit intensivierter Blutdrucksenkung das Risiko für terminale Niereninsuffizienz erst nach zwei Jahren zurück, ein Hinweis dafür, daß bei der Nephroprotektion noch andere Faktoren eine Bedeutung haben. "Denn, wenn die Patienten eine deutliche Proteinurie haben, hilft auch eine verbesserte GFR nicht viel weiter", so Ritz. Der Eiweißverlust über die Niere erhöhe das Dialyse-Risiko unabhängig von der erreichten Blutdrucksenkung. Außerdem steige damit das Risiko für eine kardiovaskuläre Erkrankung.

In der MRFIT-Studie sind die Prädiktoren der terminalen Niereninsuffizienz bei Männern mit kardiovaskulärem Risiko genau aufgeschlüsselt worden: Bei GFR-Raten von unter 60 ml/min ist das Dialyse-Risiko nach 25 Jahren 2,4fach erhöht. Bei einer deutlichen Proteinurie ist das Risiko 16fach erhöht. Und Männer mit beiden Risiken mußten sogar 40mal häufiger mit Dialyse behandelt werden als Männer mit gesunden Nieren.

"Folglich sollten nierenkranke Hypertoniker oder solche mit diabetischer Nephropathie mit Antihypertensiva behandelt werden, die mehr können als nur den Blutdruck zu senken", sagte Ritz. Mittel der Wahl seien die Hemmer des Renin-Angiotensin-Systems, also ACE-Hemmer und Angiotensin-Rezeptorblocker (ARB).

Daß sich damit die Progression der Nephropathie aufhalten läßt, ist etwa in der DETAIL-Studie für das ARB Telmisartan (Micardis®) belegt worden. Darin war mit Telmisartan wie auch mit dem ACE-Hemmer Enalapril die Nierenfunktion langfristig zu stabilisieren.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Sonderbericht

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim

Früherkennung von Bluthochdruck

Hypertonie: Wenn die Smartwatch in falsche Sicherheit wiegt

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Dr. Daniel Kitterer ist Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie im Internistisch-Hausärztlichen-Zentrum Grafenau.

© Dr. Daniel Kitterer

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Neuerungen der KDIGO-Leitlinie zur chronischen Niereninsuffizienz

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG, Ingelheim am Rhein, Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg
Hausärztliche Versorgung bei chronischer Nierenkrankheit

© Crystal light / stock.adobe.com

Praxisleitfaden zur chronischen Nierenkrankheit: von der Evidenz in die Praxis

Hausärztliche Versorgung bei chronischer Nierenkrankheit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Update 2026

S3-Leitlinie Lungenkrebs: Das sind die wichtigsten Änderungen

Frage an die Ethiker

Darf der Intimbereich beim Hautkrebs-Screening ausgelassen werden?

Lesetipps
Ein Körper, der an mehreren Stellen schmerzt.

© peterschreiber.media / stock.adobe.com

HICP-Prävalenz untersucht

So verbreitet sind chronische Schmerzen in Deutschland

Schmerzen im Unterleib: HWI werden künftig nach Krankheitszeichen klassifiziert.

© Science Photo Library

Neuklassifikation

Unkomplizierte und komplizierte Harnwegsinfektion? Das war einmal!