Botulinumtoxin wirkt bei spastischem Spitzfuß

HANNOVER (grue). Pilotstudien haben ergeben, dass das Proteinkomplex-freie Botulinumtoxin Xeomin® auch Patienten mit spastischem Spitzfuß oder Hypersalivation hilft. Das Botulinumtoxin ist bereits zur Behandlung von Patienten mit Blepharospasmus oder mit zervikaler Dystonie zugelassen.

Veröffentlicht:

Bei reinem Botulinumtoxin Typ A ist das Risiko geringer, dass Patienten Antikörper dagegen bilden, als bei nativen Toxinpräparaten. Darauf hat Professor Stefan Hesse von der Berliner Charité hingewiesen. Das reine Toxin eigne sich deshalb besonders gut zur Langzeittherapie von Patienten mit spastischem Spitzfuß.

Wie der Neurologe auf einem Symposium vom Unternehmen Merz in Hannover berichtet hat, brauchen solche Patienten regelmäßig hohe Toxindosen, damit sich ihre Gehfähigkeit verbessert. "Außerdem müssen sie intensiv trainieren, sonst bringt die Injektionsbehandlung nichts."

In Berlin wurde deshalb bei einer Pilotstudie der Effekt einer kombinierten Therapie geprüft: Sechs Schlaganfallpatienten mit schwerem spastischem Spitzfuß bekamen unter Elektromyografie-Kontrolle eine intramuskuläre Injektion mit 300 Einheiten des hoch gereinigten Toxins. Anschließend wurden die Muskeln für drei Tage elektrostimuliert, um die Toxinaufnahme zu verstärken. Danach absolvierten die Patienten zehn Trainingseinheiten auf dem Gangtrainer oder dem Laufband.

Das Ergebnis: Die Patienten konnten schneller und besser gehen, außerdem verlängerte sich ihre Gehstrecke von im Mittel 107 auf 165 Meter. "Die guten Effekte auf das Gangbild und die Ausdauerleistung sollten nun in einer kontrollierten Studie geprüft werden", so Hesse.

Erste Erfahrungen mit reinem Botulinumtoxin bei Hypersalivation hat Privatdozent Dr. Martin Hecht aus Kaufbeuren gesammelt. Ursache für übermäßigen Speichelfluss sind meist Schluckstörungen, wie sie bei Patienten mit Parkinson-Krankheit oder amyotropher Lateralsklerose vorkommen. Dagegen helfen Botulinumtoxin-Injektionen in die cholinerg innervierten Speicheldrüsen, sagte Hecht. Das Toxin hemmt die Freisetzung von Acetylcholin und verringert so die Speichelproduktion. Dies gelte auch für das gereinigte Toxin, mit dem er bereits zwei Patienten erfolgreich behandelt habe, sagte Hecht.



STICHWORT

Botulinumtoxin

Das anaerobe Bakterium Clostridium botulinum bildet ein Toxin, das selektiv und reversibel die quer gestreifte Muskulatur lähmt. Es ist hauptsächlich bei Spasmen, Dystonien und Hyperhidrosis indiziert. Von den sieben bekannten Serotypen des Botulinumtoxins werden lediglich zwei (Typ A und Typ B) klinisch angewendet. Die derzeit auf dem Markt befindlichen Botulinumtoxin-Präparate haben unterschiedliche pharmakologische Profile. Deshalb sind weder die Dosierungen vergleichbar noch kann die Wirksamkeit bei verschiedenen Indikationen von einem Präparat auf ein anderes Präparat übertragen werden. (ner)

Mehr zum Thema

Review und Metaanalyse

Viel Kaliumchlorid im Salz bringt Vorteile für Herz und Gefäße

Das könnte Sie auch interessieren
Johanniskraut: Eine vorteilhafte Option bei einer Depression

© Tania Soares | EyeEm

Corona und Depression

Johanniskraut: Eine vorteilhafte Option bei einer Depression

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Johanniskraut kann mehr als bisher angenommen

© koto-feja, LordRunar | iStock

So wirkt Johanniskraut

Johanniskraut kann mehr als bisher angenommen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Faktencheck: Johanniskrautextrakt vs. Citalopram

© ChristianChan | iStock

Depressionen behandeln

Faktencheck: Johanniskrautextrakt vs. Citalopram

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
„Zeitnahe ärztliche Behandlung“ in Gefahr? Der Streit um das geplante Aus der Neupatientenregelung für Praxen dauert an.

© ArtmannWitte / stock.adobe.com

TSVG-Neupatientenregelung

KBV ruft Arztpraxen auf: Protestbrief gegen Sparpläne unterzeichnen

Lang andauernde COVID-19 plus Evolutionsdruck durch virustatische Therapie begünstigt die Bildung von SARS-CoV-2-Mutanten.

© Mongkolchon / stock.adobe.com

Studie mit COVID-Langzeitkranken

Virustatika könnten Bildung neuer SARS-CoV-2-Varianten fördern

Bei Herzinsuffizienz soll laut Leitlinien eine Therapie mit vier Standardmedikamenten angestrebt werden.

© freshidea / stock.adobe.com

Aktuelle Empfehlungen

Herzschwäche: SGLT2-Hemmer sind neue Säule der Therapie