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Diabetes bekämpfen

"Brauchen bewegungsfreudige Städte und neue Steuern"

Volkskrankheit Diabetes: Wie man sie bekämpfen kann, was die Politik tun muss und warum der Welt-Diabetestag (14. November) wichtig ist, erklärt Professor Thomas Danne, Vorstand von diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe im Interview.

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Professor Thomas Danne.

Professor Thomas Danne.

© diabetesDE

Ärzte Zeitung: Was ist derzeit die größte Baustelle beim Diabetes?

Professor Thomas Danne: Unsere größte Baustelle ist sicher ein abgestuftes konzertiertes Vorgehen, eine nationale Diabetesstrategie, um die verschiedenen Handlungsfelder besser aufeinander abzustimmen und um endlich etwas zu tun für Menschen mit Diabetes und für die, die von der Krankheit bedroht sind. Andere Länder sind uns da um Längen voraus.

Ärzte Zeitung: Sie meinen damit den nationalen Diabetesplan?

Danne: Genau. Wir, also diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe, haben fünf Handlungsfelder umrissen und im Ministerium in Form eines Basispapiers vorgestellt. Nun gilt es auszuhandeln, wie wir diese anpacken. Wir benötigen einen klaren Auftrag aus der Politik und ein abgestimmtes Vorgehen der Akteure.

Ärzte Zeitung: Welches sind die fünf Handlungsfelder?

Danne: Es handelt sich erstens um die Primärprävention des Typ-2-Diabetes und zweitens um seine frühzeitige Erkennung. Der dritte Bereich ist die Epidemiologie, also der Aufbau eines Diabetesregisters, der vierte die Versorgungsforschung sowie die Bereitstellung von Versorgungsstrukturen und die Qualitätssicherung. Und als fünfter Aspekt kommen Patienteninformation mit Schulung und Empowerment hinzu.

Ärzte Zeitung: Was kann der Welt-Diabetestag dazu beitragen?

Danne: Diabetes spielt - gemessen an den Erkrankungszahlen und den Kosten für das Gesundheitssystem - in der Öffentlichkeit nicht die erforderliche Rolle. Daher sind wir dankbar, dass uns der Welt-Diabetestag die Möglichkeit gibt, die Menschen auf dieses drängende Gesundheitsproblem aufmerksam zu machen. Sie sollen vor der nächsten Bundestagswahl ihre Politiker fragen, wie diese der Volkskrankheit Diabetes Einhalt gebieten wollen. Wir benötigen ein Umdenken - in der Politik und in der Bevölkerung.

Ärzte Zeitung: Wie wollen Sie das erreichen?

Danne: Es muss eine Bewegung von unten nach oben geben: Es muss in der Bevölkerung ein Interesse daran entstehen, dies zum Gesellschaftsthema zu machen. Ich würde mir wünschen, dass vor der Bundestagswahl im nächsten Jahr die sechs Millionen Menschen mit Diabetes in Deutschland sowie die vielen, die selbst oder deren Angehörige von der Erkrankung bedroht sind, die Politiker an ihre Verpflichtung erinnern, die Defizite im abgestimmten Vorgehen gegen den Diabetes zu beseitigen.

Ärzte Zeitung: Sie sprechen nicht nur von den Gesundheitspolitikern?

Danne: Es sind viele Lebensbereiche und Ministerien beteiligt, zum Beispiel die Kultusministerien, wenn es um verstärkte Präventionsbemühungen in den Schulen geht. Die Stadtplanung muss bewegungsfreundliche Konzepte umsetzen. Und wir benötigen neue Werberegeln und Steuern, um gesundes Verhalten zu fördern.

Ärzte Zeitung: Was können die Ärzte in diesem Bereich tun?

Danne: Sie können die Patienten auf die Bedeutung des Problems hinweisen. Der Arzt kennt ja die aktuellen Diskussionen: Neue Medikamente werden in anderen Ländern eingeführt, bei uns aus Kostengründen jedoch nicht; oder Blutzucker-Messstreifen werden rationiert. Wir können darauf hinweisen, dass, wenn wir so weitermachen, einige Therapien bald nicht mehr allen zur Verfügung stehen.

Dass die Kinder unserer Patienten, obwohl sie ein hohes genetisches Risiko tragen, ebenfalls zu erkranken, nur unzureichend geschützt sind, weil uns die Möglichkeiten für eine Verhältnisprävention fehlen, die ja bereits im Kindesalter beginnt. Ärzte und Patienten müssen gemeinsam dafür sorgen, dass sich die Politiker in der nächsten Legislaturperiode um dieses Thema intensiver kümmern!

Das Interview führte Sonja Böhm.

Lesen Sie dazu auch: Welt-Diabetestag: Fünf Ziele im Kampf gegen Diabetes

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