Kommentar

Brauchen wir ein Masern-Impfprogramm?

Von Wolfgang GeisselWolfgang Geissel Veröffentlicht:

Angesichts der Masern-Ausbrüche in diesem Jahr wird auch der Ruf nach einer Impfpflicht wieder lauter. Ein dauerhafter Ausschluss ungeimpfter Kinder aus öffentlichen Schulen oder Kindergärten würde die Situation aber nur zum Teil verbessern.

Das größere Problem beim Masernschutz sind nämlich die breiten Impflücken bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen; und diese Bevölkerungsgruppen würden mit einer Impfpflicht nicht erreicht.

Die Versäumnisse der vergangenen Jahrzehnte sind immens: Jedem fünften 18- bis 29-Jährigen und jedem zweiten 30- bis 39-Jährigen fehlt der Masernschutz.

Wie hier ein vom Robert Koch-Institut vorgeschlagenes "aufsuchendes Impfangebot in Kombination mit einer entsprechenden Informationskampagne" Abhilfe schaffen soll, muss noch ausgearbeitet werden. Mehr Öffentlichkeitsarbeit für die Masernimpfung wäre ein Anfang.

Die Ständige Impfkommission empfiehlt seit drei Jahren: Jeder nach 1970 Geborene ohne dokumentierte zwei Impfungen sollte eine einmalige MMR-Impfung erhalten.

Besonders wichtig wäre dies bei Frauen mit Kinderwunsch und bei Angehörigen von Säuglingen und Kleinkindern. Zu wünschen ist, dass sich besonders viele niedergelassene Ärzte hierfür engagieren.

Lesen Sie dazu auch: Masern: Impfziele wieder verfehlt

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