Diabetes-Gesellschaft

„Bundesernährungsministerin stellt sich gegen Verbraucher“

Die DDG übt harsche Kritik an der Nationalen Reduktionsstrategie von Julia Klöckner (CDU).

Veröffentlicht: 11.01.2019, 13:20 Uhr

BERLIN. Mit dem gerade vorgestellten „Ernährungsreport 2019“ sieht sich Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) in ihrer Nationalen Reduktionsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertiggerichten bestätigt. Danach soll bis 2025 der Gehalt dieser Stoffe schrittweise gesenkt werden. Zielvorgaben und Maßnahmen können die Hersteller selbst festlegen.

Barbara Bitzer, Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft DDG, übt Kritik: „Der Report enthält klare Handlungsaufforderungen an die Ministerin: 91 Prozent der Befragten wollen, dass Lebensmittel gesund sind. Doch zurzeit ist in Deutschland das Gegenteil Realität: Viele Fertiglebensmittel sind zu süß, zu fett, zu salzig. Daran wird auch die Nationale Reduktionsstrategie nicht viel ändern, denn die darin bisher vereinbarten Ziele sind viel zu gering – und sie sind nur freiwillig. Damit ignoriert Frau Klöckner ganz klar den Befund, dass 84 Prozent der Befragten den Zuckeranteil in Fertiggerichten reduzieren möchten.“

An mehreren anderen Stellen erscheine die Interpretation des Ministeriums deutlich zu positiv, so die DDG in einer Mitteilung.

So sollte der Befund, dass fast 30 Prozent der Bevölkerung nicht täglich Obst und Gemüse essen, eigentlich ein Weckruf für eine Ernährungsministerin sein. Wissenschaftler fordern schon länger, die Mehrwertsteuer auf Obst und Gemüse abzuschaffen und ungesunde Lebensmittel stärker zu besteuern.

Viele kritische Punkte frage der Bericht auch gar nicht ab, kritisiert die DDG, etwa die Frage, ob Verbraucher die Lebensmittelkennzeichnung verstehen. (eb/eis)

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Kommentare
Rudolf Hege

Lippenbekenntnisse?

Der Verbraucher und seine "Wahrheiten" sind so eine Sache. Oft gibt es da die Forderung nach dem Motto: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass. So würden natürlich viele gerne mehr BIO-Fleisch oder -Gemüse essen, wenn es denn genauso billig wäre, wie die Billigware aus der Massentierhaltung bzw. dem konventionellen Anbau. Nur, das geht eben nicht.
Und die Fertigprodukte hätte man gerne mit weniger Zucker, wenn sie genauso "gut" schmecken, wie mit viel Zucker.
Wer kennt aber nicht aus der Praxis die Patienten, die beispielsweise auf den Rat "Essen Sie mehr Vollkorn" antworten: "Aber Weißbrot schmeckt besser."
Zucker macht Geschmack, das ist keine neue Erkenntnis - und davon will der Verbraucher nicht weg, egal, was er in Umfragen so von sich gibt.


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