Gynäkologie

Bundesweit erste Geburt nach Eizellreifung in vitro

LÜBECK (nie). Die In-vitro-Maturation (IVM) von Eizellen hat sich als eine erfolgreiche neue Variante der assistierten Befruchtung für infertile Frauen mit Kinderwunsch erwiesen. Bei Frauen mit Polyzystischem Ovarialsyndrom (PCO), die mit herkömmlichen Methoden der künstlichen Befruchtung nicht schwanger werden konnten, gibt es die meiste Erfahrung damit. Am Lübecker Uniklinikum ist nun bundesweit das erste Kind nach einer IVM-Anwendung zur Welt gekommen.

Veröffentlicht: 19.01.2006, 08:00 Uhr

Die IVM ist 2005 am Lübecker Klinikum in einer sechsmonatigen Pilotstudie mit insgesamt 85 Patientinnen erstmals in Deutschland erprobt worden.

Fünf Schwangerschaften konnten dabei ermöglicht werden. Ein Kind ist inzwischen geboren worden. "Das Verfahren bieten wir nun Frauen mit PCO als reguläre Behandlung in unserem Haus an. Zudem geben wir unser Wissen in Workshops an IVF-Praxen weiter", sagte Dr. Sören von Otte vom Klinikum Lübeck zur "Ärzte Zeitung". Die IVM soll auch Frauen angeboten werden, die zur ovariellen Stimulation bei IVF weniger Hormone einnehmen wollen.

Etwa fünf Prozent aller Frauen in Deutschland haben ein PCO-Syndrom. Dabei handelt es sich um eine Reifungsstörung der Eibläschen im Eierstock.

Mit der IVM kann das Problem umgangen werden: Die Eizellen werden nach dreitägiger, niedrig dosierter Hormontherapie bereits im noch unreifen Stadium durch Follikelpunktion entnommen, um sie etwa 30 Stunden in vitro unter Zusatz von Hormonen weiter reifen zu lassen und dann zu befruchten.

Die IVM eigne sich auch für Frauen, die aufgrund ihres Alters auf eine herkömmliche IVF schlecht ansprechen, sagte von Otte. Am Uniklinikum Lübeck wird nun untersucht, ob mit der IVM und zusätzlich früher Eizellen-Kryokonservierung die Fertilität von krebskranken Frauen erhalten werden kann.

Durch die toxische Wirkung von Chemotherapien werden Frauen oft unfruchtbar. Solche Frauen sollen nun die Möglichkeit bekommen, Eizellen vor der anstehenden Krebstherapie punktieren und einfrieren zu lassen, so von Otte.

Auch an der Heidelberger Frauenklinik wird die IVM erprobt. Eine Frau befindet sich jetzt mit Hilfe der Methode mit Zwillingen in der 26. Schwangerschaftswoche.

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