Ernährungsmedizin

"Cadmium kann man nicht verbieten."

Das Bundesinstitut für Risikobewertung befürwortet einen niedrigeren Grenzwert für die wöchentliche Cadmium-Aufnahme. Jetzt soll die Nahrungskette auf den Prüfstand.

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Die Verringerung des Cadmium-Grenzwerts hat sich schon länger angedeutet: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA hatte sich im Januar dafür ausgesprochen, die Empfehlung für die maximale wöchentliche Aufnahme von derzeit 7 µg auf 2,5 µg zu senken. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat sich dem jetzt angeschlossen. Vor allem die langfristigen Wirkungen des Cadmiums auf die Niere würden als so gravierend angesehen, dass diese Verschärfung gerechtfertigt sei, sagte BfR-Präsident Professor Andreas Hensel während eines Symposiums in Berlin.

Auch wenn der Experte betont, es handele sich lediglich um eine veränderte wissenschaftliche Einschätzung des Gefährdungspotenzials und nicht um eine Veränderung der Gefährdung der Bevölkerung durch Cadmium, so ist der neue Grenzwert doch durchaus relevant für den Einzelnen: Denn Grundnahrungsmittel wie Vollkornprodukte und Blattgemüse sind im Mittel vergleichsweise cadmiumreich, neben den schon länger als in dieser Hinsicht problematisch bekannten Lebensmitteln wie Schokolade und Innereien. "Ein Grenzwert von 2,5 µg bedeutet im Klartext, dass Vielkonsumierer von Vollkornprodukten oder Gemüse die Obergrenze erreichen können", sagte Dr. Markus Schwarz vom Forschungs- und Beratungsinstitut Gefahrstoffe in Freiburg.

Für Professor Uwe Lahl vom Bundesumweltministerium ist deswegen klar, dass zügig Maßnahmen ergriffen werden müssen. Doch das ist leichter gesagt als getan: "Cadmium ist eine Umweltkontaminante. Das können Sie nicht einfach verbieten."

Unmittelbar in die Nahrung kommt Cadmium über Dünge- und Futtermittel. Ein Ansatzpunkt ist, die Cadmium-Grenzwerte für diese Produkte zu senken. "Das muss aber zumindest europaweit einheitlich geschehen, denn diese Industriezweige sind stark international ausgerichtet", betonte Michael Warburg von Unilever Deutschland.

Cadmium ist eine Umweltkontaminante

Auch Klärschlamm ist eine wichtige Cadmium-Quelle für Düngemittel. "Über eine Verschärfung der Klärschlammverordnung denken wir intensiv nach", so Lahl. Möglicherweise wird das nicht reichen, denn Menschen nehmen Cadmium nicht nur über Lebensmittel, sondern auch per Inhalation zu sich. Neben der individuellen Aufnahme über das Rauchen tragen die regional unterschiedlichen Emissionen durch die Schwerindus- trie zur Problematik bei. (gvg)

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