Fehldiagnose

Chronische Wunde oder Hautkrebs?

Zwischen einer chronischen Wunde und einer Neoplasie zu differenzieren, kann selbst für den Dermatologen eine diagnostische Herausforderung sein.

Veröffentlicht:

MÜNCHEN. Nicht selten wird bei Patienten monate- oder gar jahrelang ein vermeintliches Ulcus cruris behandelt, bis sich schließlich herausstellt, dass es sich um eine Neoplasie handelt, berichtete Professor Joachim Dissemond, Universitäts-Hautklinik Essen, bei der Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie in München. Dissemond demonstrierte dies an Fallbeispielen.

So war etwa bei einer Patientin ein mutmaßlicher Dekubitus an der Ferse mehr als zwei Jahre lang erfolglos behandelt worden, als sie sich in der Klinik vorstellte. Dass die Patientin mobil war, machte diese Diagnose allerdings unwahrscheinlich und bei einer genaueren Abklärung wurde ein malignes Melanom festgestellt.

Bei einem weiteren Patienten mit einer chronisch venösen Insuffizienz wurde eine Wunde im Bereich der Tibia fälschlicherweise für ein Ulcus cruris venosum gehalten, bis sie sich schließlich als Plattenepithelkarzinom erwies.

Das Vorliegen eines Diabetes kann dazu verleiten, eine Wunde am Fuß für ein diabetisches Fußsyndrom zu halten und nicht eingehender zu untersuchen - in einem der Fälle handelte es sich jedoch um ein malignes Melanom.

Dass dies keine Einzelfälle sind, zeigt eine prospektive, multizentrische Studie aus Frankreich (Arch Dermatol. 2012; 148 (6): 704-708). Eingeschlossen waren 144 Patienten mit 154 chronischen Wunden, die seit mindestens drei Monaten als Ulcus cruris im Rahmen einer chronisch venösen Insuffizienz oder pAVK behandelt worden waren und als therapierefraktär galten. Bei mehr als der Hälfte dauerte die Therapie sogar schon drei Jahre oder länger.

Mit zwei Biopsien konnte in 10,4 Prozent der Fälle eine Neoplasie nachgewiesen werden. In neun Fällen handelte es sich dabei um ein Plattenepithelkarzinom.

Es sei nicht auszuschließen, dass sich diese sekundär entwickelt haben, so Dissemond. Bei den in der Biopsie festgestellten fünf Basalzellkarzinomen, einem malignen Melanom und einem Leiomyosarkom war das Ulcus cruris jedoch von Anfang an eine Fehldiagnose. (abd)

Mehr zum Thema

Kongressankündigung

Schnittstellen im Fokus beim Deutschen Krebskongress 2022

Hautverletzung

Balanceakt zwischen Wundheilung und Bakterienabwehr

Tipps zur Differentialdiagnostik

Es juckt: Wie reagiert Ihr Patient?

Das könnte Sie auch interessieren
Laser- und Strahlentherapie: Mit Dexpanthenol nachbehandeln

© Bayer Vital GmbH

DDG-Tagung 2021

Laser- und Strahlentherapie: Mit Dexpanthenol nachbehandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Dexpanthenol kompensiert den MMP3-Knockdown-Effekt

© Dr. Sebastian Huth / privat

ADF-Jahrestagung

Dexpanthenol kompensiert den MMP3-Knockdown-Effekt

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bessere Wundheilung unter Dexpanthenol-haltigen Topika

© Mark Kostich / iStockphoto

Radiodermatitis

Bessere Wundheilung unter Dexpanthenol-haltigen Topika

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Management tumorassoziierter VTE

© Leo Pharma GmbH

CME-Fortbildung

Management tumorassoziierter VTE

Anzeige | Leo Pharma GmbH
OH-Ton – Trifft den Ton in der Onkologie & Hämatologie

© Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA

CAR-T-Zelltherapie

OH-Ton – Trifft den Ton in der Onkologie & Hämatologie

Anzeige | Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Die Illustration zeigt die Spikes von SARS-CoV-2. Links die britische, in der Mitte die brasilianisch und rechts die südafrikanische Variante. In diesem Bild sind die Atome der Spikes zu erkennen –über 20.000. Auf der Hülle des Virus befinden sich typischer Weise 40 solcher Spikes. Keine der hier gezeigten Farben trifft die Realität, denn die Virenstruktur ist nur aus Schwarzweiß-Aufnahmen mit dem Elektronenmikroskop nachzuempfinden. Grafik erstellt von Maximilian Schönherr am 19. April 2021

© Maximilian Schönherr / picture alliance

COVID-19-Symptome bei B.1.1.529

Corona-Variante Omikron verursacht wohl starke Müdigkeit

(L-R) Head of Germany's vaccines regulator (STIKO) Thomas Mertens, Head of Robert Koch Intitue (RKI) Lothar Wieler and German Health Minister Jens Spahn hold a press conference on the situation of flu vaccines and the coronavirus (Covid-19) pandemic in Berlin, Germany on October 6, 2021.

© Emmanuele Contini / NurPhoto / picture alliance

Ungeeignet in der Pandemie?

Spahn und die STIKO – ein schwieriges Paar

Impfzentrum der Marke Eigenbau in Peine.

© Dr. Lars Peters

COVID-19-Impfung im früheren Getränkemarkt

Hausarzt richtet Corona-Impfzentrum ein – auf eigene Kosten