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"Der Polio-Impfschutz muss weiter kontrolliert und komplettiert werden"

DRESDEN (ug). Der Impfschutz gegen Poliomyelitis sollte in Deutschland weiter überprüft und - wenn unvollständig - komplettiert werden, betont Professor Frank von Sonnenburg von der Ständigen Impfkommission (STIKO). Zwar gibt es bei uns keine Polio mehr, doch das Virus kann jederzeit von Reisenden oder Migranten eingeschleppt werden.

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Die STIKO empfiehlt, dass jeder Mensch in Deutschland eine Polio-Grundimmunisierung mit vier Dosen eines Polio-Impfstoffs hat. Nur dokumentierte Impfungen zählen. Die Immunisierung erfolgt mit inaktivierter Vakzine (IPV). Der orale Polio-Lebendimpfstoff (OPV) wird nicht mehr empfohlen. Wer in Länder mit Polio-Infektionsgefahr reist, sollte den Schutz zudem auffrischen lassen, wenn die letzte Impfung zehn Jahre und mehr zurückliegt. Eine andere Empfehlung hat das Land Sachsen: Seit diesem Jahr wird generell für alle Bewohner die regelmäßige Auffrischung alle zehn Jahre empfohlen.

Begonnen wird die Polio-Impfung bekanntlich bei Säuglingen, aufgefrischt wird sie bei Jugendlichen. Bei Kindern sei die Impfrate mit 95 Prozent "noch ganz gut", so der der Leiter des Instituts für Infektions- und Tropenmedizin an der Universität München. Bei Jugendlichen sehe das schon schlechter aus: In den alten Bundesländern liege die Impfrate bei 81 Prozent. "Und für Erwachsene gibt es überhaupt keine Daten."

Ein weiteres Problem ist, dass Impfungen mit alten monovalenten Impfstoffen zu Fehlinterpretationen beim Impfstatus führen können. Denn alte Schluckimpfungen haben jeweils nur gegen einen der drei Virus-Stämme immunisiert, erklärte von Sonnenburg bei einer Veranstaltung von Sanofi Pasteur MSD in Dresden. Es hätten drei Erstimpfungen (gegen jeden Virusstamm einzeln) plus zwei Auffrischungen (jeweils gegen alle drei Stämme) für einen kompletten Impfschutz gemacht werden müssen - insgesamt also fünf Impfungen. "Bei älteren Menschen muss man im Impfpass genau nachschauen." Es könne sein, dass vier Impfungen für die komplette Immunisierung nicht ausreichen.

Von Sonnenburg warnt davor, den Polio-Schutz zu vergessen. "Aus den Augen, aus dem Sinn" - dafür sei die Infektion zu gefährlich, denn eine Kausaltherapie gibt es nicht. Bei vielen Erwachsenen in Deutschland ist der Impfschutz fraglich. Da Impfreaktionen bei der IPV-Impfung selten seien, plädiert von Sonnenburg im Zweifel für eine zusätzliche Impfung. Mit einem Dreifach-Impfstoff (etwa Revaxis®) kann gleichzeitig der Schutz gegen Tetanus und Diphtherie erneuert werden.

Ein Ärzte-Merkblatt Poliomyelitis und weitere Infos unter www.rki.de



STICHWORT

Polio-Reiseimpfung

Durch das Eradikationsprogramm der WHO sind weite Teile der Welt poliofrei. Wildviren sind derzeit noch in Nigeria, Indien, Pakistan und Afghanistan endemisch. In weitere Länder sind die Viren in den vergangenen Jahren wieder eingeschleppt worden. Die US-amerikanischen CDC raten deshalb bei Reisen nach Afrika, Süd- und Südost-Asien sowie in den Nahen Osten zu einem aktuell aufgefrischten Impfschutz.

In Deutschland sind Polio-Auffrischimpfungen für die Reise für Reisende in der Regel keine Kassenleistung. Ausnahme ist das Bundesland Sachsen, wo generell Auffrischungen empfohlen werden. Die Polio-Grundimmunisierung erfolgt immer zulasten der GKV. (eb)

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