Brechdurchfall

"Der größte bekannte Ausbruch"

Knapp 9000 Erkrankte und weiter steigende Fallzahlen - der Höhepunkt der Gastroenteritis-Epidemie im Osten der Republik scheint zwar überschritten. Nach der Ursache wird aber immer noch gesucht.

Veröffentlicht: 01.10.2012, 15:52 Uhr
Schule geschlossen: Auch in Chemnitz mussten viele Schüler am Freitag zuhause bleiben.

Schule geschlossen: Auch in Chemnitz mussten viele Schüler am Freitag zuhause bleiben.

© Hendrik Schmidt / dpa

BERLIN (nös). Die Ursachensuche für die Gastroenteritis-Welle in Ostdeutschland ging auch am Montag weiter. Bis Montagmittag blieb die Quelle für die Epidemie allerdings weiter unklar.

Das Robert Koch-Institut (RKI) sprach am Montag in Berlin von dem "bisher mit Abstand größten bekannten lebensmittelbedingten Ausbruch in Deutschland".

Bis zum Morgen waren 8962 Fälle aus 369 Kindergärten, und Schulen gemeldet. Mindestens 23 Patienten werden in Kliniken behandelt. Betroffen sind alle ostdeutschen Bundesländer mit Ausnahme von Mecklenburg-Vorpommern.

Das RKI spricht von einem "Zusammenhang" mit dem Verzehr von Nahrungsmitteln. Die Spur führt offenbar zu dem hessischen Kantinenzulieferer Sodexo, von dem die meisten Einrichtungen ihr Essen bezogen haben sollen.

Eine Task-Force beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) koordiniert die Untersuchungen.

Als Erreger kommen für das RKI Noroviren und toxinbildende Bakterien in Betracht - typische Gastroenteritis-Erreger sind etwa Staphylococcus aureus, Bacillus cereus und Clostridium perfingens.

Hintergrundrauschen mit Noroviren?

In Sachsen wurden derweil in 69 Fällen Noroviren nachgewiesen. Der Erreger sorgt allerdings für eine sehr hohe Hintergrundaktivität.

Allein im vergangenen Jahr registrierte das RKI 116.142 Fälle. Hinzu kommt, dass Infektionen mit Noroviren gerade in der kalten Jahreszeit zunehmen.

Die Epidemiologen schließen deswegen auch nicht aus, dass es sich um zwei sich überlagernde Ausbrüche handeln könnte.

Bis Montag hat es zudem erste Sekundärinfektionen gegeben, etwa per Übertragung im Haushalt durch erkrankte Kinder auf die Eltern. Das RKI spricht jedoch von "vereinzelten" Fällen im einstelligen Bereich.

Die Experten beim RKI gehen davon aus, dass der Höhepunkt des Ausbruchs bereits überschritten ist. Seit dem 27. September habe sich die Lage beruhigt, heißt es.

Dass die Fallzahlen auch weiter steigen, begründen Experten vor allem mit Nachmeldungen aus den Ländern und dem Meldeverzug wegen des Wochenendes.

Die ersten Erkrankungen traten größtenteils am vergangenen Dienstagabend auf. Aus Sachsen wurden erste Fälle allerdings schon ab dem 19. September gemeldet.

Mehr zum Thema

Leitlinie in Überarbeitung

Helicobacter pylori: Eradikation per Quadrupeltherapie

Das könnte Sie auch interessieren
Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

Vitamin-C-Therapie

Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Vitamin C – ein Must-Have fürs Immunsystem

Immunmodulation

Vitamin C – ein Must-Have fürs Immunsystem

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Viele Menschen leiden unter chronischen Rückenschmerzen. Aber ab wann gilt eine Krankheit als chronisch? Frankfurter Wissenschaftler wollen Licht ins Dunkel bringen.

Report der Uni Frankfurt

„Chronisch krank“ ist kein definierter Begriff

Gesichtsmasken können dazu beitragen, dass die Träger die Abstandsregeln missachten,

COVID-19-Splitter

Schwangere sind besonders gefährdet

Muster auf Basis des Maschinellen Lernens erkennen, ist eine Stärke, die Künstliche Intelligenz zum Beispiel bei der Diagnostik einbringen könnte.

Enquete-Kommission

Der Arzt steht über der Künstlichen Intelligenz